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China

Die Autowelt sieht Rot

Foto: Archiv

Die Autos, die dieser Tage auf der Auto-Show 2006 in Peking enthüllt werden, schauen bisweilen aus wie von Vorgestern. Man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Die Zukunft der internationalen Autoindustrie liegt im Reich der Mitte.

20.11.2006

Der Markteinbruch 2004 in China: Vergessen. Die Gängelung durch staatliche Behörden: Spielt keine Rolle mehr. Die mahnenden Stimmen vor einer Marktüberhitzung: Will keiner hören. In den Tagen der noch bis 27. November andauernden Peking Motorshow haben Stimmungstöter keine Konjunktur. Wo immer sich den großen Autobossen Mikrofone entgegen recken, singen sie das hohe Lied auf das enorme Wachstum in China, auf die gigantischen Chancen, die das Riesenreich dem Automarkt bietet. Dauerkränkelnde Autobauer wie General Motors, Ford und auch Chrysler verbinden ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft mit dem Zauberwort: China.

GM-Boss Rick Wagoner lässt keinen Zeifel daran, dass für ihn die globale Schlacht um die Weltmarktführerschaft in China entschieden wird. Ja, doch, Amerika kommt in seinen Reden dieser Tage auch noch vor, Europa schon seltener. Beim großen Rivalen Toyota schaut´s kein Stück anders aus. Toyota Vizepräsident Yoshi Inaba sagte in Peking: "Wir gehen davon aus, dass der chinesische Markt ähnlich wichtig wird wie der amerikanische." Mit einem markanten Unterschied: Amerika hat seine Wachstumsphase hinter sich, China steht sie bevor.

Das ist eigentlich nichts Neues. Es gibt aber gravierende Unterschiede zu Euphorie-Wallungen früherer Jahre: War die Wachstumschance vor ein paar Jahren noch Spekulation, ist der China-Markt inzwischen auf die Spur stabilen Wachstums eingebogen. Dieses Jahr liegt der Markt mit Blick auf die ersten zehn Monate mit 28 Prozent im Plus, mit den 6.8 Millionen bis 7 Millionen Pkw, die Ende des Jahres als verkauft gemeldet werden, wird China den Nachbarn Japan als zweitgrößten Autoabsatzmarkt überflügeln.

Ein Ende ist nicht in Sicht. Die aktuellen Zahlen eingerechnet, kommen in China auf 1.000 Einwohner nur 24 Autobesitzer, weltweit sind es 120. So besehen überschlagen sich die Hochrechner in den Prognoseabteilungen der Autohersteller: Unisosno sieht man dort spätestenes 2010 ein Absatzmarkt von zehn Millionen Autos.

2025 rund 25 Millionen verkaufte Autos pro Jahr

Die Toyota-Experten gehen im Jahr 2025 von 25 Millionen verkauften Auto pro Jahr aus. Solche Millionenspiele beflügeln natürlich die Phantasie, erst Recht, wenn eine gute Gegenwart dazu kommt. Die 28 Prozent Wachstum, die China-Marktführer Volkswagen bislang in den ersten zehn Monaten hingelegt hat, sind da fast schon bescheiden. Bei GM sieht man bis 2010 ein jährliches Wachstum von 40 Prozent. Toyota, in China übrigens auch noch weit hinter Honda zurück, steuert in diesem Jahr auf 30 Prozent Wachstum zu und würde dann 300.000 Autos verkaufen. 2007 sollen es bereits 400.000 sein, 2010 glaubt man die Hürde von einer Million Fahrzeuge überspringen zu können.

Auch bei Ford und Chrysler tröstet man sich mit chinesischen Glückskeksen über die desolate Lage am Heimatmarkt hinweg. Zudem hat man beim amerikanischen Zweig des Daimler-Chrysler-Konzern das rote Schreckgespenst als die passende Waffe gegen die amerikanische Autobauergewerkschaft UAW in Stellung gebracht. Offen kokettierte Chrysler-Chef LaSorda in Peking mit den Plänen, zusammen mit dem Hersteller Chery zwei Kleinwagen in China für den US-Export bauen zu lassen.

In erster Linie ist das eine klare Botschaft an die heimische Gewerkschaft: Kommt ihr uns nicht bei den Milliarden verschlingenden Gesundheitsvorsorgekosten entgegen, lagern wir Produktion in ein Billiglohnland aus. Willkommen sind sie dort allemal. Jedenfalls klingt es wie eine Kampfansage an die westlichen Industrieländer, wenn Yin Tongyue vom Autobauer Cehry sagt: "Wir essen Reis, die anderen Brot. Wir werden immer billinger sein, egal für welchen Partner wir arbeiten."

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