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China

Markt bremst sich ein

Foto: dpa / GIW

Dem schwindelerregenden Wachstum auf Chinas Automarkt folgt der Katzenjammer. Die Verkaufszahlen steigen lange nicht so wie erwartet, die Gewinnspannen sinken, die Profitabilität fällt.

30.09.2004

Während Volkswagen, General Motors und Daimler-Chrysler auf dem viertgrößten Automarkt der Welt Milliardeninvestitionen planen, warnen chinesische Experten angesichts wachsender Lagerbestände schon vor Überkapazitäten.

Ein Drittel der Produktionsanlagen wurde im Sommer nicht ausgelastet. Um die Gunst der Kunden zu gewinnen, locken die Autohersteller mit kräftigen Preisnachlässen und liefern sich einen erbitterten Preiskampf. Dennoch halten sich viele Käufer zurück.

"Pessimisten mögen darin schon den Anfang vom Ende des chinesischen Automarktes sehen", meinte Hans-Dieter Krause von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG. "Doch weit gefehlt: Was wir hier beobachten, ist eine Phase der Anpassung, die hoffentlich zu größerer Stabilität führen wird." Der Prozess verlangt Korrekturen von den internationalen Herstellern, die sich zur Auto Show in Paris versammelt haben. "Die meisten Autoproduzenten werden ihre Verkaufsziele vom Jahresanfang nicht erreichen", sagte Jiang Yuan vom Statistikamt in Peking, das seine Schätzung für das Wachstum der Produktion von 40 auf 18 Prozent für das Jahr mehr als halbierte.

Seit März gingen die Verkaufszahlen jeden Monat zurück und erholten sich erst im August leicht. Autohändler hoffen in der Ferienwoche nach dem Nationalfeiertag an diesem Freitag auf neue Käufer. Doch viele warten ab, ob die Preise weiter fallen. Schärfere Vorschriften für Autokredite, mit denen Risiken gedämpft und das fieberhafte Wachstum abgekühlt werden soll, haben zusätzlich für Zurückhaltung gesorgt. Seit April dürfen Kredite nur noch bis fünf Jahre auf maximal 80 Prozent des Kaufpreises vergeben werden. Während im Vorjahr fast jedes dritte Auto auf Pump gekauft worden war, fiel die Quote laut KPMG auf nicht einmal zehn Prozent im ersten Halbjahr.

Gebremstes Wachstum

Verglichen mit zwei Prozent Wachstum in Europa ist aber selbst der gebremste Zuwachs in China noch beeindruckend. Zwar wurden im Vorjahr 75 Prozent mehr Autos verkauft, doch könnten es dieses Jahr noch 20 bis 30 Prozent werden. Marktführer Volkswagen hinkt aber auf seinem wichtigsten Auslandsmarkt hinterher. Spät wurden die Preise gesenkt. Der Marktanteil fiel von 38 Prozent vor zwei Jahren auf zuletzt etwa 20 Prozent. Während der Marktanteil der Europäer insgesamt von 40 Prozent im Vorjahr auf 30 Prozent in der ersten Jahreshälfte zurückging, legten US-amerikanische, japanische und koreanische Hersteller zu, berichtete KPMG.

Selbst wenn Volkswagen noch das Vorjahresniveau von 697.000 verkauften Fahrzeugen überschreitet, rechnen die Wolfsburger mit einem geringeren Gewinnergebnis. Zwar will Volkswagen mit seinen Partnern 5,3 Milliarden Euro investieren, muss jetzt aber Sparsamkeit üben. Beide Joint Ventures in Schanghai und Changchun sollen bis Ende nächsten Jahres 410 Millionen Euro einsparen. Während Volkswagen seine Kapazitäten bis 2008 auf 1,6 Millionen Autos verdoppeln will, plant US-Konkurrent General Motors sogar eine Ausweitung von 530.000 auf 1,3 Millionen bis 2007.

Der Direktor des Industrie-Instituts der mächtigen Reform- und Entwicklungskommission, Yang Hexiang, warnte aber, dass die Kapazitäten in fünf Jahren auf sechs Millionen anwachsen und "bei weitem die Nachfrage des Marktes übersteigen werden", wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

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