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Chronoswiss Firmenporträt

Richtiger Zeitpunkt

Chronoswiss Lang 2009 Foto: Hardy Mutschler 9 Bilder

Bei Chronoswiss entstehen eigenwillige Uhren. Ihr Stil polarisiert, ihre Qualität überzeugt. Inzwischen passt die Fabrik zur Philosophie der Produkte - und bald kommt ein eigenes Uhrwerk.

26.03.2009 Alf Cremers

Er tickt anders, seine Welt scheint auf den ersten Blick von gestern. So wirken auch die meisten seiner unverwechselbaren Uhren, klassizistisch wie zeitlos schöne Renaissance-Tempel. Sie spielen unbeschwert mit den traditionellen Elementen der antiken Taschenuhr-Ära, ob kannelierte Lünette, Zwiebelkrone oder klare zylindrische Gehäusearchitektur.

Abraham-Louis Breguet, der leibhaftige Uhrvater, eine Art da Vinci unter den Meisteruhrmachern des 18. Jahrhunderts, hat ihn nachhaltig inspiriert. Gerd-Rüdiger Lang kombiniert geschickt aus historischen Lehrbüchern der Uhrmacherei, selten erfindet er etwas neu. Chronoswiss ist keine One-Man-Show, dahinter steckt ein Netzwerk deutscher und schweizer Zulieferer, die Besten. Lang gilt als gnadenlos kritisch.

Renaissance der hochwertigen mechanischen Uhr

Seiner Uhrenmarke Chronoswiss gebührt das Verdienst, zusammen mit einer Handvoll anderer schweizer Idealisten die Renaissance der hochwertigen mechanischen Uhr ausgelöst zu haben. Das war vor rund einem Vierteljahrhundert. Bevor Lang mit Chronoswiss auf Risiko spielte, hielt er sich mit einem Reparatur-Atelier für Chronographen über Wasser. "Damals konnte ich nicht glauben, dass die schöpferischen Werte der traditionellen Uhrmacherei auf dem Altar sekundengenauer, digitaler Quarz-Präzision geopfert wurden. Ich glaubte an die Wiedergeburt von Rädern, Trieben und Federn und behielt recht. Es hätte genausogut schief gehen können", betont Lang.

Heute ist er mit fast 65 Jahren beinahe am Ziel seines Lebenstraums. 2006 bezog er seine nach ureigenen Vorstellungen gestaltete Uhrenfabrik in Karlsfeld bei München. Zeitpunkt hat er sie getauft. Manufaktur möchte er sie noch nicht nennen, das wäre zu hochgestochen, nicht ehrlich. Denn ein eigenes Manufakturwerk befindet sich bei Chronoswiss erst in der Entstehung. Der Uhrmachermeister und gebürtige Braunschweiger verwendet bisher neben der bekannten Palette ausgereifter und fein dekorierter ETA-Kaliber auch Bestände alter Kaliber vor allem von Enicar. Die Remontage geschieht in den weiträumigen, lichten Ateliers des Zeitpunkts. Er ist kein nüchterner Zweckbau, seine Konzeption sucht die Analogie zur Uhr. Die zentrale Treppenhaus-Rotunde birgt innen ein spannendes Uhren-Museum. Chronoswiss-Uhren bilden im ruhigen Fluss der Zeit nur ein paar sporadische Exponate. Lang bekennt sich bei seinem Zeitpunkt zu heimischen Materialien und nachhaltiger Ökologie. Terracotta-Fassade, das Kernmauerwerk aus Ziegel, innen Eichenholzparkett und Solnhofener Juraplatten: Das zeugt von  stilsicherer und qualitätsbewusster Bescheidenheit. Der branchenübliche Prunk liegt Lang fern. Selbst die umfangreiche Chronoswiss-Uhrenkollektion feiert weder Schmuckfeuerwerke, noch sucht sie die skurrilste Komplikation. Meisterwerke wie ein Tourbillon, ein Ewiger Kalender und eine Viertelstunden-Repetition dürfen jedoch im Kompetenz-Repertoire eines hochklassigen Uhrenherstellers wie Chronoswiss nicht fehlen.

Am Anfang war der Chronograph. Dem im Zifferblatt ausdrucksstarken Uhrentyp mit seinem wunderbarer Logik folgendem Mechanismus ist Lang auf ewig verfallen. In den Lehr- und Wanderjahren bei Heuer in Biel konnte Lang seine Leidenschaften Autos und Uhren ausleben. Heuer war Zeitnehmer in den wilden Jahren des Motorsports, als Steve McQueen "Le Mans" drehte und Jo Siffert starb. Gerd-Rüdiger Lang fuhr damals einen VW-Porsche 914/4: offen, eigenwillig.

Hang zu Jaguar

Diese Philosophie des Fahrens lebt er heute intensiv mit einem wilden Jaguar-Rudel. Gleich zwei XK 120 führt er am großen steilen Bakelit-Lenkrad aus. Einer von ihnen ist ein rarer 48er Lightweight mit Alu-Karosserie, den er andächtig wegen seiner orientalischen Historie "Queen of Cairo" nennt, dazu ein C-Type und ein früher E-Type Roadster. "Flat Floor", wie Lang zufrieden lächelnd ergänzt. Kürzlich kam ein SS 100 hinzu, der erste echte Jaguar. Sir William Lyons ist sein Idol und Alter Ego. Zunächst Konfektionär wie Chronoswiss, fand er später mit dem SS 100 zu eigener Design- und Technik-Identität. "Walter Hassans XK-Motor, der 3,4-Liter- Langhuber mit zwei oben liegenden Nockenwellen und bilderbuchhafter Brennraumform, ist so etwas Bahnbrechendes wie ein eigenes Werk", erklärt Lang und greift im Gespräch sein nächstes Ziel wieder auf, ohne zu viel zu verraten. "Es wird in bester Tradition konstruiert sein, keine neuartige Hemmung haben und keine modernen Werkstoffe wie etwa Silizium enthalten." Es wird weder besonders flach sein noch eine extrem hohe Schlagzahl haben. Eine Handaufzug-Uhr, eine Automatik und ein Schaltrad-Chronograph bilden das Grundbesteck. Vielleicht wird er ihnen sogar eine Breguet-Spirale spendieren.

Gerd-Rüdiger Lang wendet sich am Abend wieder seinem Schreibtisch zu und unterzeichnet die Garantie-Urkunden der fertiggestellten Uhren. Eigenhändig, mit einem Pelikan-Kolbenfüller und grüner Tinte. Der Mann ist eben hoffnungslos altmodisch.

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