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Chrysler

Das Ringen um die Zukunft

Foto: Daimler-Chrysler

Während in Detroit das Ringen um die Chrysler-Zukunft in die entscheidende Phase tritt, hat sich der Autoexperte Willi Diez  kritisch zu einer allzu großen produkttechnischen Annäherung der Marken Mercedes und Chrysler geäußert.

13.02.2007 Frank Volk

Bislang war die säuberliche Trennung der Volumenmarke Chrysler und dem Premiumheiligtum Mercedes ein Fall von höchster politischer Verordnung. Eine Verwässerung der Marke Mercedes werde es unter keinen Umständen geben, lautete des eiserne Credo unter Ex-Konzernlenker Jürgen Schrempp und Ex-Mister-Mercedes Jürgen Hubbert. Nun ist Schrempp Geschichte und die Krise mal wieder groß beim überseeischen Zweig des deutsch-amerikanischen Konzerns. 2006 setzte es ein Defizit von 1,2 Milliarden Dollar, am heimischen US-Markt sackt Chrysler trotz aggressiver Rabattpolitik immer weiter ab.

Die Wende soll nun ein tiefgreifendes Sanierungsprogramm bringen, über das der Daimler-Chrysler Aufsichtsrat ab Dienstag (13.2.) in Detroit berät und dessen Resultate am Mittwoch verkündet werden. Einer der wichtigen Bausteine darin: Eine engere Anbindung von Chrysler mit seinen Marken Dodge und Jeep an Mercedes.

Wie dicht aber kann so eine Anbindung sein? Für Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) ein zweischneidiges Thema. Großes Kosteneinsparpotenzial sieht er durch produkttechnische Annäherungen bei verschiedenen Marken in den Bereichen Motor, Getriebe/Achsen und Elektronik. Das, so der Autowissenschaftler, seien Bereiche, wo durch das Nutzen derselben Ressourcen signifikante Einsparungen erfolgen können, ohne dass darunter das Image einer Marke leiden müsse. Kritisch werde es dort, wo Marken eine komplette Plattform für ein Modell teilen müssen.

Nachdem, was bislang von den Sanierungsplänen durchgesickert ist, ist aber genau diese engere Verzahnung zwischen den Marken Mercedes und Chrysler vorgesehen. Konkret genannt wurden im Vorfeld Gemeinschaftsprojekte zwischen Mercedes A-Klasse und Dodge-Modellen von ähnlichem Format. Was noch stärker ins Mark der Sternträger treffen dürfte: Bereits konkret ausgemacht sei, dass die nächste Generation der Mercedes M-Klasse und der Jeep Cherokee auf derselben Architektur aufbauen sollen.

Kein Druck Richtung Chrysler-Verkauf

Das letzte Wort ist dazu aber nicht gesprochen. So war aus dem Mercedes-Umfeld zu hören, dass es speziell hierzu kritische Stimmen im Aufsichtsrat gebe. Während es zum Thema Chrysler-Verkauf, der von europäischen Investoren vehement gefordert wird, aus dem Aufsichtsrat keinen Druck auf Konzernlenker Dieter Zetsche gebe, sähe die Sachlage im Bezug auf eine allzu enge Verquickung mit Chrysler anders aus. Unabhängig von diesem Punkt, gilt der Abbau von 11.000 Stellen und die Schließung mehrerer US-Werke als ausgemachte Sache. Nachdem Chrysler die Märkte im Herbst 2006 mit einem Milliardenverlust geschockt hatte, hatte das Unternehmen sieben Arbeitskreise eingerichtet, noch im vergangenen Jahr schickte Zetsche den sanierungserprobten Rainer Schmückle als Feuerwehrmann an die Seite von Chrysler-Chef Tom LaSorda. Unter deren Federführung wurde das jetzt vorliegende Sanierungsprogramm ausgetüftelt.  

Alle Last auf Zetsche

In den US-Medien ist die Chrysler-Sanierung das Top-Thema schlechthin. Die größte Sorge: Dass sich die Befürworter eines Chrysler-Verkaufs doch noch durchsetzen könnten. Die größte Hoffnung: Konzernlenker Dieter Zetsche. Ihn, der Chrysler fünf Jahre führte, sehen die US-Autoexperten in überragender, wenn nicht alleiniger Verantwortung für den künftigen Weg Chryslers. Schon bei der Ernennung Zetsches war die Erleichterung in den Staaten groß, glaubte man mit ihm doch einen Mann an der Konzernspitze zu haben, der wisse, wie der amerikanische Markt ticke. Zetsche hat in den USA aus der Zeit der ersten Chrysler-Sanierung immer noch einen guten Namen. Inzwischen ist sein Nimbus als Chrysler-Retter aber angekratzt. So wird ihm unter anderem der schlechte Produktmix des Autoherstellers angekreidet.

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