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Chrysler

Zurück in der Existenzkrise?

Foto: Ask Dr Z 5 Bilder

In den vergangenen drei Jahren war Chrysler der Comeback-Star der US-Autoszene. Nach Absatzeinbruch, Verlustwarnung und mäßigen Ergebnissen bei der jüngsten Zufriedenheitsstudie der Unviversity of Michigan diskutieren Autoexperten jetzt, wie weit Chrysler von der nächsten Existenzkrise weg ist.

15.08.2006

Die vergangenen drei Jahre war Chrysler so etwas wie das Licht im Dunkel der amerikanischen Autohersteller. Während General Motors und Ford im Wechsel mit Hiobsbotschaften, sinkenden Absatzzahlen und steigenden Verlusten aufwarteten, schien Chrysler der Fels in der Brandung. Als Stars aus der wundersamen Wandlung vom viel zitierten "amerikanischen Patienten" des Daimler-Konzerns zum Gewinnbringer, stiegen der jetzige Konzernboss Dieter Zetsche und der heutige VW-Markenchef Wolfgang Bernhard empor.

Das war aber gestern, heute herrscht wieder Alltagsgrau in Auburn Hills. Oder ist es gar mehr? Der Kolumnist der Detroit News, Daniel Howes, fragte sich neulich, ob den wirtschaftlichen Horrorfilmen von General Motors und Ford nun auch Chrysler folgt.

Chrysler: Die wichtigen Kennzahlen gehen nach unten

Tatsächlich spricht einiges dafür, dass die Party bei Chrysler fürs Erste vorbei ist. Dem Gewinneinbruch im zweiten Quartal 2006 um 90 Prozent auf 65 Millionen Dollar, folgte zeitgleich die eigentlich schockierende Nachricht: Für das laufende dritte Quartal erwartet Chrysler ein Minus von 600 Millionen Dollar.

Aber nicht nur bei den absoluten Zahlen geht es für Chrysler abwärts; auch andere wichtige Kennzahlen zeigen nach unten: Im ersten Halbjahr rutschte Chrysler beim Autoabsatz um 10,4 Prozent ab, im schwarzen Juli kollabierte der Autoverkauf um 37,4 Prozent. Schmerzlicher Nebeneffekt des Absturzes: Chrysler verlor den vierten Platz in der Zulassungsstatistik an den japanischen Rivalen Honda. Das, obwohl der US-Part des deutsch-amerikanischen Konzerns inzwischen die Incentiverangliste mit durchschnittlichen Rabatten von über 4.000 Dollar deutlich vor General Motors anführt.

Auch eine weitere Zahl gibt den Automarktexperten zu denken: So hat Chrysler mit durchschnittlich 91 Tagen die längsten Standzeiten, bis neue Autos vom Händlerhof rollen; der Durchschnitt liegt aktuell bei 60 bis 65 Tagen. Weiteres Argument für die Chrysler-Skeptiker: In der neuesten Untersuchung der University of Michigan liegen die Kernmarke Chrysler, Dodge und Jeep allesamt unter dem Industriedurchschnitt. Jeep findet sich dabei auf dem drittletzten Platz wieder, kann gerade noch Ford und Kia hinter sich lassen.

Hoffnungsträger Dr. Z

Trotz all dieser Schatten über dem Autobauer, weisen die Marktexperten alle Vergleiche mit der Situation Ende der 90er Jahre zurück. Damals wäre Chrysler ohne den Einstieg von Daimler ein Fall für die Geschichtsbücher geworden. Der Restoptimismus hat zwei Gründe: Die Modellpalette und Dieter Zetsche.

Ende der 90er war Chrysler ein Minivan und Jeep-Unternehmen. Inzwischen ist die Produktpalette wesentlich breiter aufgestellt, der neue Dodge Caliber brummt in den USA, dem vor dem Markteintritt stehenden Dodge Nitro wird ein Markterfolg zugetraut, ebenso dem kürzlich vorgestellten Sebring. Im Gegensatz zu den Konkurrenten Ford und General Motors hat Chrysler die Autos im Rohr, die es in Zeiten exorbitanter Benzinpreise braucht.

Mehr noch als in die Produkte glauben die US-Experten an die Fortsetzung der Erfolgsstory des Dieter Zetsche. Mit ihm sei ein echter Chrysler-Versteher am Ruder des Konzerns. Entsprechend hohe Beachtung findet die schlagzeilenumtoste Werbekampagne mit Dr. Z. als Hauptfigur, die unschwer als Dieter Zetsche zu erkennen ist. Kaum ein Tag vergeht, in dem nicht in den Medien über Werbung und Wirkung diskutiert wird. Dabei gibt es zwar durchaus Stimmen, die es kritisch sehen, dass bei der Werbestrategie nicht die Autos, sondern der Unternehmensboss zum überlebensgroßen Hero gemacht wird. Die Mehrzahl sieht in Zetsche aber den Superstar und vertraut darauf, dass schon alles gut werden wird, solange sich der Mann mit dem Walroßbart darum kümmert.

Die ersten Medienauswertungen sind jedenfalls positiv: Im vergangenen Monat klickten in den USA fast 500.000 Besucher Dr. Z im Internet an. Nach Analysen des Millward Brown Instituts freuen sich 87 Prozent über die Werbung, 74 Prozent finden, dass Zetsche weiterhin Chef von Daimler-Chrysler bleiben soll. Wie viele nun beim nächsten Mal allerdings wirklich bei der Chrysler-Modellpalette zugreifen wollen, das blieb unbeantwortet.

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