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Nuvolari

Cisitalia 202 SMM Spyder Novolari

Foto: Michel Zumbrunn 9 Bilder

Der Cisitalia Sport Mille Miglia war das Spezialwerkzeug, mit dem Tazio Nuvolari ums Haar die Mille Miglia 1947 gewonnen hätte. Der Vize-Titel genügte, um die Kleinserie Spyder Nuvolari zu taufen.

14.12.2007 Malte Jürgens Powered by

Unbarmherzig schüttelt der Husten den kleinen Mann am Volant durch; so lange, bis er Blut spuckt. Längst schon ist das Gesicht über dem angriffslustigen Kinn zu einer weißen Maske erstarrt, die Hände umklammern das schmale schwarze Dreispeichen- Lenkrad. Noch 300 Kilometer bis Brescia, dann wird die Sensation der Mille Miglia von 1947 perfekt: Tazio Nuvolari wird für eine nagelneue Automarke, mit nur 1.100 Kubikzentimetern Hubraum und kaum 70 PS, das 1.000-Meilen-Rennen gewinnen - vor dem dreimal so großen Alfa 8C von Emilio Romano und Clemente Biondetti.

Trotz zweitem Platz der Star der MM 1947

Da beginnt es zu regnen. Der kleine Vierzylinder hustet plötzlich wie sein Fahrer, dann rollt der Cisitalia 202 aus. Es dauert eine Viertelstunde, bis der feucht gewordene Zündverteiler wieder arbeitet. Nuvolari kommt in seinem vielleicht tapfersten Rennen nur auf Platz zwei ins Ziel, vor seinen Markenkollegen Bernabei/ Pacini und Minetti/Facetti.

Die Rennwelt aber feiert einen alten und einen neuen Star: Nuvolari und Cisitalia. Die italienische Autofabrik ist kaum ein Jahr alt, gegründet vom ambitionierten Rennamateur Piero Dusio. Der gilt schon vor dem Krieg als schneller Privatfahrer, und mit seinem Mischkonzern Consorzio Industriale Sportivo Italia, kurz Cisitalia, verdient er mit Textilien, Hotels, Sportartikeln und Banken den Hintergrund, vor dem er nach dem Krieg in Italien eine Rennwagenschmiede etabliert.

Die Köpfe hinter dem neuen Projekt sind einschlägig bekannt: Da ist das Fiat-Ass und Topolino-Erfinder Dante Giacosa, dazu Giavonni Savonuzzi, und als Rennleiter dient niemand Geringeres als Piero Taruffi. Später wird Porsche für Dusio arbeiten, ebenso wie der einstige Rennkonstrukteur der Auto Union, Eberan von Eberhorst. Noch 1946 erscheint mit dem D 46 der erste Monoposto, dann kommen leichte Sportwagen.

Nur vier Jahre nach Erscheinen steht der 202 im New Yorker MOMA

Mit der Baureihe 202 schenkt der Karosserie-Couturier Stabilimenti Farina der Welt eine Coupé-Form, die sie bisher noch nicht kennt: Ein Cisitalia 202 Berlinetta hält 1951 Einzug in das renommierte New Yorker Museum of Modern Art, Idol einer neuen Generation des Automobil-Designs.

Doch neben den Coupés fertigt Cisitalia für den Wettbewerb offene Zweisitzer, die in den Starterlisten als 202 Sport Mille Miglia Spyder auftauchen, kurz SMM Spyder.

Über einem Gitterrohrrahmen scheint eine Aluminiumhaut mehr zu schweben als mechanisch mit ihm verbunden zu sein. Wiederum Farina wird mit den Entwürfen betraut, nur ein Auto entsteht bei der Carrozzeria Paolo Garella. Dessen Entwurf fällt ein wenig kompakter und schmaler aus als der von Farina, die beiden Türen werden deutlich kürzer.

Eckdaten: 1.089 cm3, bis zu 70 PS, 660 Kilogramm, 180 km/h

Die Mechanik hingegen gleicht den Farina Autos: Der kleine Vierzylinder, Bohrung und Hub entsprechen 68 und 75 Millimetern, schöpft aus 1.089 Kubikzentimetern seine 65 bis 70 PS; die Kurbelwelle rotiert dabei 5.500 Mal in der Minute. Eine Querblattfeder presst die einzeln aufgehängten Vorderräder auf den Asphalt, hinten mühen sich vier hydraulische Teleskop-Stoßdämpfer darum, eine lebhafte Starrachse halbwegs im Zaum zu halten.

Die Maße der Figur: 3,30 Meter Länge, 1,14 Höhe und nur 1,45 Breite. Die Außenhaut ist strömungsgünstig genug geformt, um rund 180 km/h Höchstgeschwindigkeit zuzulassen. Auch die Beschleunigung war vermutlich für ihre Zeit recht munter: Das Triebwerk kämpfte nur gegen 660 Kilogramm Leergewicht.

Der hier gezeigte Garella-Spyder trägt die Chassis- Nummer 001A, sein Motor den Code 006. Ihn fährt 1947 der Chef: Piero Dusio selbst startet damit 1947 im Cisitalia-Team beim ersten 1.000-Meilen-Rennen nach dem Krieg. Doch der Renngott meint es auch mit ihm nicht besonders gut: Bereits kurz hinter Pescara fällt der Boss aus.

Der Name des kleinen Mannes mit dem gelben Rennpullover bleibt jedoch: Seit der Mille Miglia 47 heißt der offene Cisitalia 202 SMM Spyder Nuvolari.

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