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Citi Golf

Er läuft und läuft und läuft: Ur-Golf schreibt Rekorde

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Seit 1978 läuft in Südafrika der Golf I bis heute fast unverändert als Citi Golf vom Band. So ist der kantige Ur-Golf auch in Südafrika zum Klassiker geworden. Im September soll die Produktion des südafrikanischen Golf nun enden.

13.06.2009 Powered by

In der A1-Halle wird gehämmert, geklopft und gebohrt. Zischendes Fauchen bei Station 49: Ein hydraulisches Hebegerät wuchtet einen Motorblock hoch. Scheppernd findet er seinen Platz im Motorraum des automobilen Klassikers. An einer anderen Station wird die Frontscheibe mit einem umwickelten Holzstück in die Fuge geklopft. Im südafrikanischen VW-Werk Uitenhage wird eines der meistverkauften Autos überhaupt gebaut: der Golf I. Fünf nachfolgende Golf-Generationen hat er am Kap unbeschadet überlebt - trotz seines hohen Alters bleibt sein Image legendär.

Ur-Golf aus Südafrika 

"Es ist das Auto meines Lebens, es bedeutet alles für mich", sagt Douglas Basha Jack. Beim kantigen Ur-Golf war der 58-jährige VW- Mitarbeiter ein Mann der ersten Stunde - keiner in Uitenhage hat mehr Erfahrung mit dem Bau des hier Citi Golf genannten Klassikers. Ob er selbst einen fährt? Aber natürlich! "Ich wollte mit ihm eigentlich in Rente gehen, aber nun wird er sich wohl vor mir verabschieden. Ich werde mir einen der Letzten kaufen und in die Garage stellen", sagt der schwarze Südafrikaner mit dem gewinnenden Zahnlücken-Lächeln.

93 Citi Golf in acht Stunden

Während er einem Gabelstapler mit Golf-Teilen ausweicht, wird er fast schon melancholisch: "Jeder hier wird dem Auto eine Träne nachweinen - das Ende einer solchen Auto-Legende lässt niemanden unberührt." Die Geschäftsführung will das Werk auf die moderne Massenproduktion von Kleinwagen umrüsten - da stört die antiquierte Produktionsstätte des betagten Kult-Autos nur noch. Denn fast alles beim Citi Golf wird noch von Hand gemacht - "fast wie beim Rolls Royce", meint Kommunikationschef Bill Stephens lachend.    

Der Kostenvorteil durch die längst abgeschriebenen Werkzeuge und Maschinen wird zunichte gemacht durch die nur in kleiner Stückzahl hergestellten und damit teuren Zubehörteile. Auch der hohe Anteil der Handarbeit bei der Herstellung des Wagens kostet langfristig mehr als eine automatisierte Fertigungsstraße. Immerhin 136 Mitarbeiter sind nötig, um in einer achtstündigen Schicht 93 Citi Golf zusammenzuschrauben. Selbst das Armaturenbrett wird von Hand bestückt. Kein Wunder, dass die Produktionskosten des Werks nach Angaben der Leitung knapp ein Drittel über westeuropäischem Durchschnitt liegen.

Erster Citi Golf mit Airbag

Das alte Werbemotto des legendären Käfer gilt auch für dessen Nachfolger, die erste Version des VW Golf: Er läuft und läuft und läuft. Bewundernd meinte noch im April die Wirtschaftszeitung "Business Day" anlässlich des ersten Citi Golfs mit Fahrer-Airbag: "Der Citi Golf scheint uns zu begleiten, seit die Römer die Straße erfunden haben; er hat mehr Schönheitsoperationen als Pamela Anderson gehabt und bleibt dennoch das beliebteste Auto."

Citi-Produktion seit 1978

Begonnen hatte alles 1978, vier Jahre nach dem Produktionsstart in Deutschland. Damals liefen die ersten Golf-Wagen im VW-Werk Uitenhagen vom Band. Der später als Citi Golf vermarktete Typ I wurde schnell zum Marktführer seiner Klasse. In Europa wurde die 1974 eingeführte erste Golf-Version nur neun Jahre lang gebaut - in Südafrika läuft der Klassiker immer noch vom Band und gilt als preiswertes Einsteiger-Modell. Ende 2004 hielt er in seinem Marktsegment noch einen Anteil von über 20 Prozent.  Obwohl auch am Kap nun die sechste Golf-Generation auf den Straßen fährt, gehört der Golf I immer noch zu den zehn meistverkauften Autotypen Südafrikas.

Mehr als eine halbe Million mal verkaufte sich der Ur-Golf am Kap. Heute kostet er 82 900 Rands - umgerechnet 7400 Euro. Der Billigste ist er damit nicht mehr, aber sein Platz unter den fünf günstigsten Kleinwagen ist ihm sicher. Bei Wartung und Reparatur gilt er zudem als preisgünstig, der Verbrauch ist moderat, das Image jugendlich. "Als ich meinem Sohn zum Ende seines Studiums eine Freude machen und ihm einen Wagen schenken wollte, war ich überrascht über die Wahl: weder Polo noch Golf V, sondern Citi Golf", sagt Zak Davids.

So wie ihm geht es vielen Mitarbeitern des VW-Werkes in Uitenhage. Der Oldie ist bei ihren Kindern populärer denn je. "Der Ur-Golf war ein wichtiges Kapitel unserer Geschichte. Das Auslaufen seiner Produktion wird ein bedeutendes Ereignis sein", sagt VW-Südafrika- Chef David Powels (47). Der hoch aufgeschossene Südafrikaner ist sich im Klaren, dass es Proteste geben wird. Er kündigt an: "Wir werden noch mehrere Sondermodelle auflegen."

Citi Golf besonders bei jungen Leuten beliebt

Aus Deutschland habe er bereits die ersten Anfragen erhalten. Neben der VW-Autostadt sind es vor allem frühere Mitarbeiter und Fan- Clubs, die sich den Klassiker vor dem Produktionsstopp sichern wollen. Powels: "Der Wagen hat sich ins Rekordbuch eingeschrieben und ist mittlerweile an vielen Universitäten zur Fallstudie für erfolgreiches Marketing geworden, nachdem er sich über drei Jahrzehnte lang sein jugendliches Appeal erhalten hat."  

Das Modell ist in der Tat ein Erfolg ohnegleichen, Marktführer und konstanter Bestseller in einem extrem umkämpften Segment. Doch auch die besten Design-Retuschen können nicht verbergen, dass der Oldtimer in die Jahre gekommen ist - so wie der VW Käfer, den er einst auch am Kap ablöste. "Er ist jetzt eindeutig ans Ende seiner Modell- Lebensspanne gekommen und wir arbeiten hart daran, einen geeigneten Nachfolger für den weiter sehr beliebten Wagen zu finden", sagt Powels.

Chico günstigstes Modell des Ur-Golf
 
Auch wenn der kantige Golf im Vergleich zur 70 Jahre lang gebauten Käfer-Legende geradezu ein Jüngling ist, hat er sich doch eine große Fan-Gemeinde erobert. Als "innovativ" präsentierte VW die Idee, nach Absatzproblemen des 1984 eingeführten Golf II den Vorgänger-Typ zu überarbeiten und mit großem Marketing-Aufwand als quasi neues "Billig-Auto für Einsteiger" unter dem jugendlich klingenden Namen Citi auf den Markt zu bringen. Ergänzt wurde die Citi-Palette 1995 noch um den Chico, der mit seinem 1,4 Liter-Motor das günstigste Modell des Ur-Golf darstellte. "Während so mancher argumentieren mag, dass der Citi Golf in den letzten Jahren mehr Facelifts erhalten hat als Michael Jackson, bleibt er noch immer so populär wie eh und je", meinte anerkennend die Zeitung "The Citizen".
 
Der Golf-Urahn zieht in Südafrika Frauen und Männer gleichermaßen an, überwiegend sind die Kunden zwischen 25 und 34 Jahren alt, fand VW heraus. Das Durchschnittseinkommen dieser Gruppe liegt demnach zwischen 5000 und 10 000 Rand (625 bis 1250 Euro). Auch Leihwagenfirmen setzen den Wagentyp gerne ein und verblüffen mit den "neuen Oldtimern" regelmäßig Touristen aus Übersee. Obwohl Südafrika global gesehen ein Nischenmarkt ist, gilt er als Spielwiese für die Anbieter. Selbst Hersteller aus Indien und China tummeln sich in einem der umkämpftesten Märkte überhaupt. Vor allem asiatische Firmen bringen Kleinwagen auf den Markt, die günstiger und moderner als der Citi Golf mit seiner Technologie der 1970er Jahre sind.
 
Ende der Produktion im September
 
Das Ende der Produktion seines meistverkauften Modells in Südafrika - voraussichtlich schon im September - wird für das 1956 gegründete Werk mit seinen rund 5350 Beschäftigten einen Umbruch bedeuten. Gebaut werden sollen künftig nur noch Kleinwagen: der Polo und der noch zu bestimmende Citi Golf-Nachfolger, in hohen Stückzahlen und auf höchstem Niveau, wie Powels betont. "Unser Ziel ist es, zu den zehn besten Werken unter den rund 50 VW-Standorten zu gehören."
 
Für die Mitarbeiter gab es bereits Schulungen, bei denen sie mit den modernen Fertigungstechniken vertraut gemacht wurden. Auch für Douglas Basha Jack wird die neue Produktionsstraße für den Polo eine neue Ära bedeuten - sofern er nicht auf den Spuren "seines" Citi Golf wandelt. Nachdenklich an der Karosserie eines Ur-Golfs lehnend meint er: "Ich überlege mir ernsthaft, ob ich nach dem Produktionsende nicht die Frührente einreichen werde. Zu diesem Auto habe ich nach all den Jahren eine echte Beziehung."

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