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Citroën DS3 R1 und DS3 R3 im Tracktest

So fahren sich die Favoriten-Schrecks

Citroën DS3 R1, Citroën DS3 R3, Impression Foto: Sven Kollus 26 Bilder

Kein Rallye-Auto verbreitet unter Allradfahrern so viel Schrecken wie der Citroën DS3. Wir fühlen dem frontgetriebenen Favoritenschreck in der Cup-Version und in der wilden R3-Variante auf den Zahn.

09.08.2014 Markus Stier Powered by

Die Profis jammerten um die Wette. Den plötzlichen Schneefall hatte keiner auf der Rechnung, alle standen mit Trockenreifen am Start. Der eine oder andere Superstar klatschte schon auf den ersten Kilometern in die Mauer. Zugegeben, es gibt kaum schwierigere Bedingungen. Trotzdem mussten sich einige Werksfahrer fragen, wie es sein konnte, dass ein gewisser Herr Chardonnet nach dem Auftakt der Rallye Monte Carlo auf Rang vier lag.

Denn der nächste Sébastien, den Frankreichs Rallye-Welt in Richtung Weltklasse hochpumpt, fuhr wie die hinter ihm liegenden Herren Kris Meeke und Mads Östberg einen Citroën DS3 - aber im Gegensatz zu den Werksfahrern kein World Rally Car, sondern einen DS3 mit Frontantrieb.

Die deutsche Spitze war sich beim Saisonauftakt 2012 einig: Man kann auf Asphalt gegen einen Porsche verlieren, und natürlich auch gegen einen Super 2000; aber dass da dieser Herr Riedemann mit einem 260-PS-Frontkratzer den Mitsubishi Evo und Subaru Impreza auf der Nase herumturnte, brachte auch den Deutschen Meister in Erklärungsnot. Sandro Wallenweins Argumentationslinie verlief entlang des Reglements. Schließlich sei sein 300-PS-Allradler ein seriennahes Arbeitsgerät, der Citroën DS3 dagegen eine reinrassige Sportskanone: "Schau dir das doch mal an. Der ist wie ein kleiner WRC."

Citroën DS3 R1 kostet knapp 30.000 Euro

Doch bevor wir uns dem Favoritenschreck nähern, der mit Christian Riedemann 2012 zwar am Ende hinter Mark Wallenwein im Skoda Fabia S2000 landete, aber vor allen anderen Deutscher Vizemeister wurde, fahren wir uns ein bisschen Mut an. Schließlich gibt es den Citroën DS3 seit 2013 auch in einer zahmeren Cup-Version für Einsteiger. Der 1,6-Liter-Vierzylinder-Sauger mit Sechsgang-Schaltgetriebe und das Fahrwerk sind bis auf die 16-Zoll-Räder samt Scheibenbremsen auch im Serienauto verbaut. Nur die Bremsbeläge sind echtes Rallye-Zubehör.

Knapp 30.000 Euro kostet die Einsteiger-Variante nach dem seriennahen R1-Reglement, mit welcher der deutsche Citroën-Importeur im zweiten Jahr einen Markenpokal ausrichtet. Namhafte Leute wie Felix Herbold gaben sich im ersten Jahr die Ehre, und mit Cup-Sieger Julius Tannert wuchs aus dem Nichts in einer Saison eine echte Nachwuchshoffnung für Rallye-Deutschland.

Dem Status ist Christian Riedemann mittlerweile entwachsen. Der 26-Jährige fährt zwar als Werksfahrer von Citroën Deutschland in der Junioren-WM, hierzulande gehört der Kfz-Mechatroniker aus Sulingen aber längst zum Establishment. Nur heute fühlt er sich wie ein Anfänger, denn Riedemann muss rechts sitzen, weil links ein richtiger Anfänger hockt. Immerhin fährt der postgelbe Citroën DS3 dank Serienkupplung ganz normal los, die erste und beste Chance zur Blamage ist damit vergeben.

Bescheidene Beschleunigung im Citroën DS3 R1

Die Reise geht zwei Kilometer nach Osten, hinter die alten Flugzeugbunker des früheren Fliegerhorsts Großenkneten bei Bremen, und nun heißt es: Gas. Das Pedal ist leichtgängig, die Beschleunigung eher zäh. Mit 125 Saugmotor-PS hat der Sportfahrer heutzutage gegen jeden spießigen Turbodiesel das Nachsehen, daran ändert auch eine etwas kürzere Übersetzung nichts. 4.000 Touren braucht der Citroën DS3 R1, um zum Leben zu erwachen. Dann reißt es immer noch nicht den Kopf nach hinten, aber immerhin macht er aus dem schönen Sportauspuff nun Lärm wie ein Großer.

Auf den geraden Wegen auf dem platten Land hält sich der Spaß in Grenzen, doch das ändert sich schlagartig am nächsten Abzweig. Das Fahrwerk des reinen Asphalt-Autos ist zwar straff, dämpft aber Bodenwellen und Rillen gut weg. Der Cup-DS3 fühlt sich dank Käfig steif an und lenkt willig ein. Beim Beschleunigen ist allerdings ein sensibler Gasfuß gefragt, denn ohne Sperre fangen die Antriebsräder nach engen Abzweigen an zu scharren. Das große Plus des Einsteigermodells ist seine leichte Beherrschbarkeit. Selbst der beherzte Zug am Handbremshebel bringt zwar das Heck zum Schwingen, führt aber im Cockpit nicht zu Hektik. Der Feststellknopf an der Handbremse dagegen schon – mehr als einmal dreht sich der Citroën ein, weil die Bremse anders als im Serienauto beim Drücken des Handbremsknopfs arretiert.

In schnellere Ecken wirft sich der Cup-DS3 leicht untersteuernd, was sich mit einem kurzen Gaspedal-Lupfer und der nachlenkenden Multilenker-Hinterachse mühelos korrigieren lässt. Das Einstiegssportgerät wirkt so leicht beherrschbar, dass es schon verdächtig ist. Frage an den Profi: "Wird das Fahrwerk heikel, wenn man richtig schnell unterwegs ist?" "Na ja, so viel schneller geht es ja mit dem Auto gar nicht", schallt es durch die Gegensprechanlage. Riedemann, was willst du trinken?

Lenkung im Citroën DS3 R3 brutal direkt

Schlagartig nüchtern sind beide Insassen nach dem Umstieg in den nach freizügigerem FIA-Reglement aufgebauten Citroën DS3 R3. Zunächst zwackt der Sitz erheblich. "Das ist ja auch ein Auto für Junioren", sagt Riedemanns Stammbeifahrerin Lara Vanneste, und auch sie hat sich ein Freigetränk verdient. Sie hätte ja auch "für Schlanke" sagen können. Die Kupplung fordert Gefühl und Übung, das Fahrwerk auf seinen 17-Zoll-Rädern ist bretthart. Der R3 hat wie der R1 einen eingeschweißten Käfig, aber der stützt sich beim schnelleren Bruder direkt auf den Federbeindomen ab.

In Kombination mit der steifen Fahrgastzelle ist vor allem die Lenkung mit Vorsicht zu genießen, denn sie arbeitet brutal direkt. Zunächst ist Mäßigung gefragt, denn mit kalten Reifen untersteuert das Auto extrem. Kurz danach sind die vorderen Gummis warm, die hinteren aber noch kalt, was wie beim R1 zu einem schönen Nachlenkeffekt führt. Kaum sind alle Reifen auf Temperatur, untersteuert der R3 aber wieder. In den Händen des Könners lässt sich das mit der richtigen Einlenkgeschwindigkeit abstellen, Riedemann verrät, dass er die schicke hydraulische Handbremse im Alltag eigentlich kaum braucht. Aber es macht einfach zu viel Spaß, an dem großen Hebel zu ziehen. Allerdings ist die Reaktion beim R3 deutlich schwieriger dosierbar als beim gutmütigen R1.

Kupplungspedal überflüssig

Butterzart arbeitet das Sechsganggetriebe. Zwar ist das Kupplungspedal abartig hoch angebracht, und für die sachgemäße Bedienung fehlt eigentlich ein zusätzliches Gelenk im Bein, aber Riedemann hat ja völlig recht, wenn er einwirft: "Die Kupplung brauchst du ja außer zum Anfahren gar nicht." Der Citroën DS3 R3 eilt nämlich sequenziell mit Schaltwippe am Lenkrad durch die Lande.

Im Vergleich zum DS3 R1 ist der Sound wegen des Turboladers eher dezent, aber dafür geht es dank der Turbine erheblich schneller vorwärts. Dabei kommt das Beste erst noch. Nach ein paar zügig abgespulten Geraden schaltet Riedemann an der Konsole das Steuergerät um. Erst jetzt ist der Motor im "Stage Mode", und schon reißt es das Ding mit seinen 260 PS mächtig vorwärts. Der R3 zerrt heftig an der Lenkung, hat zwar eine Sperre, aber die hat durchaus ihren eigenen Willen. Wer mit diesem Auto schnell sein will, hat gut zu tun. Vater Jürgen Riedemann arbeitet nicht selten im Blaumann am Auto, fahren aber reizt ihn wenig: "Ich verstehe auch nicht, wie man mit so was klarkommen kann."

Nach einem Viertelstündchen Asphalt-Rodeo ist dann auch Riedemanns Geduld auf dem rechten Stuhl erschöpft. "Willst du jetzt mal sehen, was das Auto wirklich kann?"

Im Detail: Christian Riedemann

Christian Riedemann ist in der Saison 2014 der einzige deutsche Teilnehmer im WM-Zirkus. Wenn der gelernte Kfz-Mechatroniker nicht gerade an seiner Meisterprüfung arbeitet, nimmt er mit seinem von Citroën Deutschland unterstützten DS3 an der Junioren-WM teil. Sechs WM-Läufe stehen auf dem Plan, dazu vier Rallyes in Deutschland. Bei den WM-Einsätzen steigt Riedemann nicht mehr ins eigene Auto, sondern in einen Citroën R3 des belgischen Teams MY Racing, das mit Sébastien Chardonnet im Vorjahr den Meister stellte. "Ich bin in diesem Jahr entspannter, weil ich mich nicht mehr um so viel kümmern muss und mich aufs Fahren konzentrieren kann." Der Saisonauftakt in Portugal begann mit einem Ausritt beim Test schwierig, aber auf den Schotterprüfungen blieb Riedemann fehlerfrei und holte trotz eines noch nicht perfekt abgestimmten Set-ups Rang drei. Der nächste Einsatz ist Ende Juni in Polen. Ziel ist der Gewinn des Titels und damit ein Cockpit in einem Allrad-DS3-R5 in der WRC2.

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