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Restaurierung Citroen GSA Break Cottage

Courage für Cottage

Citroen GSA Break Cottage, Baujahr 1983 Foto: Hardy Mutschler 28 Bilder

Zwei eingefleischte Citroën-GS-Fans erlagen der Verlockung des ausgefallenen Sondermodells Cottage. Der klägliche Zustand des Kombis schreckte sie nicht. Im Gegenteil, sie wagten die Komplettrestaurierung des nur 2.000 Mal gebauten Exemplars.

29.10.2010 Bernd Woytal Powered by

Es gibt etwas zu feiern. Vor 40 Jahren bereicherte Citroën die Autowelt mit dem GS, einer in der Kompaktklasse angesiedelten, markant gestylten Limousine mit Frontantrieb. Der luftgekühlte Boxermotor, das Einspeichen-Lenkrad und besonders natürlich die hydropneumatische Federung machten aus dem GS ein extravagantes Fahrzeug, wie es sich eben für einen Citroën gehört.

Die Citroen GS- und Citroen GSA-Modelle haben eine kleine aber engagierte Fangemeinde

Der heutige Liebhaberkreis, der um den Erhalt dieser Modelle kämpft, ist überschaubar. Markus la Tendresse und Edgar Mönninghoff gehören seit einigen Jahren dazu. In der Nähe von Aachen leben sie in der Gesellschaft von mehreren solcher Wagen, was einen recht kurzweiligen Alltag verspricht.

Das beweist schon die Geschichte von Edgar, der vor etwa drei Jahren mit einem in Brand geratenen GSA Break die Autobahn verlassen musste und exakt vor dem Tor einer Feuerwache strandete. Die aus dem Fenster schauenden Feuerwehrmänner waren von den Flammen, die im Bereich des Motorraums emporschlugen, so fasziniert, dass sie das Löschen vergaßen. Als sie endlich anrückten, waren bereits etliche Teile des Autos den Flammen zum Opfer gefallen.

Da Edgar sich nur ungern von dem Wagen trennen wollte, entschlossen sich er und Markus zu einer Wiederbelebung des GSA mit Teilen aus einem Schlachtfahrzeug. Bei solchen Aktionen erweist es sich von Vorteil, dass Markus den Beruf des Automechanikers erlernt hat - bei Mercedes. "Die Franzosen-Technik war daher zunächst nicht so meine Sache", erinnert er sich.

Die Wahl auf den Citroen GSA fiel wegen der Garagenmaße

Als er Edgar kennenlernte, besaß dieser einen der dreiachsigen Citroën CX Loadrunner, dessen Transportkapazität er für sein Hobby Moto Cross nutzte. Die erste Probefahrt mit einem CX hinterließ bei Markus einen prägenden Eindruck. Seine spontane Idee, sich selbst einen CX zuzulegen, scheiterte an den Maßen seiner Garage, und so fiel sein Interesse zwangsläufig auf das kleinere Modell GS.

Er ergatterte günstig eine Kombi-Version mit Nockenwellenschaden und kleineren Rostschäden. Die Reparatur war für ihn kein Problem, und nach Lloyd LS 400 und Opel Rekord P1 fuhr er nun einen GS Break. Dann stellte sich heraus, dass sein 71er Modell zu den ganz frühen und damit erhaltenswerten GS-Kombis gehört. Alltagseinsätze waren damit also tabu, ein anderer GS musste dafür her. Entsprechend wuchs der GS-Fuhrpark und parallel dazu der Bestand an Ersatzteilen, was sich bei der Restaurierung des Cottage als hilfreich erweisen sollte.

Der Citroen GSA Break Cottage wurde in Deutschland nie offiziell angeboten

Cottage, das ist ein nur in Frankreich angebotenes, 2.000 Mal gebautes, optisch attraktives Sondermodell auf der Basis des GSA Break Club. Im Forum des Andre-Citroën-Clubs hatte sich ein in Deutschland beheimateter Besitzer eines solchen Wagens wegen technischer Probleme gemeldet. Als dieser später dann den Wagen zum Kauf anbot, schlugen Edgar und Markus zu.

Mit einem Hänger machten sie sich auf einen 300 Kilometer langen Weg in den Norden. Zunächst war die Freude groß, nun einen von nur zwei in Deutschland bekannten Cottage zu besitzen. "Er fuhr ja auch noch aus eigener Kraft auf den Anhänger", scherzt Markus. Die Ernüchterung folgte portionsweise bei der folgenden Restaurierung. Schnell wurde den beiden klar, dass es mehr als einiger Handgriffe bedurfte, um den Wagen wieder auf die Straße zu bringen. Und als sie anfingen, den GSA zu demontieren, stellten sie fest: "An diesem Auto ist fast alles kaputt."

Drei Zündkerzen waren schief eingedreht

Dennoch planten sie, im Winter die Technik zu überholen und danach fix die Karosserie fit zu machen. Markus nahm sich zuerst den Motor vor. Allein die Tatsache, dass drei der vier Zündkerzen schief eingedreht waren, ließ nichts Gutes ahnen. Letzten Endes griff er auf eine im Teilefundus vorhandene Maschine zurück, die er zerlegte, mit neuen Zahnriemen und neuem Dichtsatz sowie speziellen Viton-O-Ringen an den Ölrücklaufrohren versah.

Dann widmete er sich den Achsen, wobei er auf einige sehr nachlässig in Frankreich ausgeführte Reparaturen stieß. Die genaue Adresse des Erstbesitzers haben Edgar und Markus mittlerweile herausbekommen. Er wohnte in Vienne, etwas südlich von Lyon - eine leider nicht streusalzfreie Zone. Außerdem grenzte sein Grundstück direkt an die Rhône, und die Nähe zum Wasser schien dem Cottage nicht gut getan zu haben. Zwar erwiesen sich die typischen Stellen wie der Batteriekasten oder der Boden im vorderen Fußraum als überraschend gesund, doch dafür hatte der Rost in vielen anderen Ecken gewütet.

Die Sitzbezüge des Citroen GSA Break Cottage waren nach zehn Waschgängen fast sauber

Der Hinterachsrahmen, die Schweller, die hinteren Radkästen und viele weitere Partien mussten geschweißt werden. Zum Glück hatten sie an anderen GS schon viel geübt. Das Ganze verschlang weit mehr Zeit als geplant. Schon beim mühseligen Entfernen des Unterbodenschutzes war Markus der Gedanke gekommen, die Sache abzubrechen. Auf allen Vieren kroch er mit Spachtel und Fön unter dem Auto herum, weil sich die Hebebühne wegen der niedrigen Garage nur einen Meter hochfahren ließ.

Doch die beiden bissen sich durch. Über Bekannte kamen sie in Kontakt zu einem Lackierer in Belgien, wohin der Cottage nach dem Schweißen gebracht wurde. Dort konnte Edgar nach Feierabend unter den Augen des Fachmanns spachteln und schleifen, denn für diese Arbeit fehlte den GS-Fans die nötige Erfahrung. Übrigens war die spezielle Cottage-Farbe Beige Sloughi von Standox problemlos erhältlich.

Und die Cottage-Sitzbezüge, als Ersatz unmöglich zu bekommen, ließen sich auch noch retten. Der beige Schottenkarostoff ist glücklicherweise etwas robuster als die normalen GS-Sitzbezüge. So überstand der mit der Zeit fast schwarz gewordene Stoff zehn Durchläufe in der Waschmaschine, "dann war der Schaum nicht mehr ganz so braun", lacht Markus. Die letzte Hürde, die Nachfertigung der Cottage-Zierfolien, nahmen sie mit Hilfe eines befreundeten Grafikers. Nach einem Jahr war der Cottage endlich fertig - gerade rechtzeitig zum 40. Geburtstag des GS.

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