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Citroen-Sammler Franz Peters

Schätze im stillen Doppelwinkel

Citroen-Sammlung Foto: Dino Eisele 14 Bilder

Citroëns Technik, Historie und Design faszinieren den Sammler Franz Peters seit fünf Jahrzehnten. Jetzt baut er im zentralen Bayern seiner einzigartigen Kollektion ein öffentliches Museum. Besuch im ehemaligen Munitionsdepot.

26.12.2013 Malte Jürgens

Mitten in der Holledau, dort, wo nach der tiefen Überzeugung aller Bierkenner der beste Hopfen der Welt gedeiht, existiert ein bisher nur Insidern bekannter magnetischer Pol. Er zieht zwar nicht allen vorüberfahrenden Fuhrwerken die Eisennägel aus den Holmen, aber wenn ein französisches Automobil mit dem magischen Doppelwinkel auf der Motorhaube auch nur in seine Nähe kommt, bleibt es nicht selten für immer daran hängen: In Sandelzhausen nahe Mainburg wächst aus der Sammlung des Franz Peters ein Citroën-Museum heran, wie es nicht einmal in Frankreich existiert.

Peters, gelernter Töpfer und Ofenbauer, hegt von Jugend an tiefe Sympathien für die Marke, die im Zeichen der Deux Chevrons seit 1919 in Paris Autos fertigt: "Das Tolle an Citroën ist der Mut, mit dem die Firma unkonventionelle Ideen aufnahm, die sich später immer durchgesetzt haben." Ob der heute 60-jährige Peters die hohe Wertschätzung der Marke etwa vom Vater geerbt hat? Mitnichten: "Mein Vater fuhr einen VW Käfer und liebte Frankreich, deshalb haben wir dort ein paar Mal Campingurlaub gemacht. Dort sah ich zum ersten Mal die französischen Limousinen, zum Beispiel den Citroën DS, und war von ihrer Form und ihrer Technik fasziniert. Danach entdeckte ich für mich den 2 CV und fand ihn viel praktischer als den Käfer, der bei meinem Vater auch des öfteren kaputtging."

Museum ist Familiensache

Von seiner Ehefrau, die er schon vier Jahre länger an seiner Seite weiß als den mit 18 erworbenen Führerschein, erhält er volle Unterstützung. "Wir sind mit unserer Ente jahrzehntelang kreuz und quer durch Europa gereist, vom Nordkap bis tief hinunter in die Türkei, und meine Frau hat das nicht aus Pflichtgefühl mitgemacht, sondern aus Spaß an der Sache." Die EDV-Spezialistin liebt das Familiendomizil, einen alten Jura-Hof im Altmühltal, genauso innig wie ihren Sammler und seine Autos. "Wenn wir einen seltenen Citroën finden, ist sie schon mal diejenige, die mich dazu drängt, den unbedingt noch in die Sammlung aufzunehmen."

Ein Millionärsdasein, so Peters, habe er zum Aufbau der stattlichen Kollektion von etwa 130 Automobilen nicht benötigt. "Gerade die kleineren Modelle wie Ente, Ami 6 oder GS waren überhaupt nicht teuer, als ich sie vor 30 oder 40 Jahren so Stück für Stück von meinen Einnahmen aus der Töpferei gekauft habe", erinnert er sich. Den Vorbesitzern waren sie zum Verschrotten oft zu schade, zum Reparieren aber zu teuer. Also fanden sie bei Peters sozusagen das Gnadenbenzin, bisweilen sogar als Donation zum Nulltarif, was auch der Grund dafür ist, dass viele der jetzt wieder aufgemöbelten Exponate aus Erstbesitz stammen.

Die Garagen, in denen der bayerische Monsieur Citroën seine Preziosen derzeit verwahrt, haben eine explosive Geschichte: Es sind 16 Bunker eines alten Munitionsdepots der Bundeswehr. Franz Peters hat das weitläufige Gelände gekauft und baut seitdem dort an der Museumshalle. Ein Rundgang durch die Bunker erfreut dabei die Herzen aller Autoliebhaber, denn so einen bunten, vielfältigen Markengarten voller Leidenschaft sieht man nicht alle Tage.

Das Ziel heißt Stiftung

Da ist etwa die 2 CV-Halle mit der griechischen Pony-Version, der Sahara-Ente und dem Schweizer Bürofahrzeug auf Basis eines Kasten-2 CV sowie dem Ami 6 Break von 1964. Da ist der GS-Bunker mit der extrem seltenen Birotor-Version: Citroën baute einst eine Kleinserie mit Zweischeiben-Wankelmotor, kaufte die ausgelieferten Exemplare wegen mangelhafter Technik aber zurück – und schredderte sie. Einer der wenigen entkommenen Wankel-GS steht bei Peters. Lieblinge sind natürlich die großen Limousinen in der Elefantenhalle: "Citroën kam fast 60 Jahre lang, von 1934 bis 1990, mit nur drei Limousinen-Baureihen aus, dem Traction Avant, dem DS und dem CX. Das nenne ich Nachhaltigkeit."

2014, spätestens 2015, soll das Museum öffnen. Am liebsten sähe Peters seinen Schatz in den Händen einer Stiftung, doch fehlen ihm dafür derzeit noch die Partner. Bis dahin bietet der Sammler Clubs aller Marken schon die Möglichkeit zu Treffen auf seinem weitläufigen Areal. Bunkerführungen gehören dabei ebenso zum spannenden Programm wie seine Fachvorträge, die der Patron aus dem Ärmel schüttelt wie eine Jukebox zur Citroën-Geschichte.

Das einstige Bundeswehrgelände, das Franz Peters zum Unterbringen seiner Sammlung und zum Museumsneubau erwarb, liegt zentral in Bayern zwischen Ingolstadt und München. Per Auto ist es über die A 93 zwischen Dreieck Holledau und Regensburg erreichbar, Ausfahrt Mainburg (53). Peters bietet heute schon Clubs die Möglichkeit, auf seinem Gelände Treffen durchzuführen (Infos unter www.citroën-sammlung-peters.de).

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