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Classic Days Schloss Dyck

Sankt Miscanthus

Sportwagen, verschiedene Fahrzeuge Foto: Arturo Rivas 18 Bilder

Die riesige Spielwiese um Schloss Dyck lässt den Markenclubs freie Entfaltung. Grandios sind Menge und Artenvielfalt, von Austin bis Zagato.

15.09.2011 Alf Cremers Powered by

Shellette bleibt diesmal zu Hause. Das Wetter ist zu schlecht. Die Dachmarkise könnte wegwehen. Vor allem der Samstag verwandelte den Schilfgürtel zeitweise in ein Reisfeld. Wer erinnert sich noch an Shellette? So hieß dieser reizende Michelotti-Strandwagen auf Fiat 850-Basis, der uns letztes Jahr auf dem Miscanthusfeld entzückte.

Auch ohne kollektives Picknick siegt die Freude über 800 Klassiker. Sankt Miscanthus, der Schutzpatron der Clubszene, hat ein Herz für Exoten. In kleinen Gruppen lauern sie wild verstreut auf linealgezogenen Inseln im mannshohen Elefantengras. Hier MG, drüben Fiat, auf der anderen Seite Jaguar. Am Horizont blitzt eine Mercedes-Kette auf, vor der Pappelreihe bleiben die Porsche unter sich.

Rheinischer Klassiker-Kosmos

Erst aus der Vogelperspektive würde wohl eine geheimnisvolle Ordnung sichtbar, die diesen rheinischen Klassiker-Kosmos zusammenhält. Sicher es gibt hier ertragreiche Monokulturen vom Porsche 356 und 911, vom Mercedes 280 bis 500 SL, von Austin-Healey und Triumph TR. Aber erst die gepflegten bunten Beete mit Lamborghini, Iso, Maserati oder Ferrari machen diesen Botanischen Garten automobiler Artenvielfalt so reizvoll. Selbst Einzelgänger wie Panther, Morgan und TVR fühlen sich in dieser toleranten Wildnis wohl. NSU 1200 C, Opel Rekord und Simca 1500 nehmen hier ein wohltuendes Bad in der Menge.

Den Volksautos gefällt es, dass sie mehr Beachtung finden als der vollblütige, skulpturhafte Alfa 6C 2500, drüben auf dem roten Teppich des Concours d'Elegance.

Zagatos genialer Wahnsinn

Die Wünschelrute des wissbegierigen Exotensuchers schlägt zuerst beim Lancia Flavia Sport Zagato von Willi Kaufmann aus. Der exzentrisch gestylte Fronttriebler zieht jeden magisch an, der die Faszination gewollten Andersseins auskosten will. Willi Kaufmann nutzt die Chance, um über die zahllosen Unvollkommenheiten seines Wagens zu philosophieren: "Der Zagato ist wie ein abstraktes Kunstwerk, man muss sich gänzlich auf ihn einlassen."

Formvollendet gibt sich dagegen ein Zeitgenosse von Fiat. Das 2300 S Coupé von Hans Dieter-Kita stammt aus derselben überaus kreativen Epoche. Der elegante Zweipluszwei mit Ghia-Karosserie und robuster Sechszylinder-Großserien-Technik verbindet die formale Klasse eines Lancia oder Ferrari mit hoher Zuverlässigkeit und moderaten Unterhaltskosten. "Der Motor ist drehfreudig und elastisch, seine 136 PS reichen auch heute noch aus", sagt Kita, der das Herrenfahrer-Coupé für einen Geheimtipp in der Klassiker-Szene hält.

Das Gleiche gilt auch für den MG B GT V8 als Gummiboot. Olaf Port zirkelt sein wohlklingendes, quietschgelbes Drehmomentmonster flink durch die engen Schilfschneisen. Port ist kein Racer: "Mir geht es nicht um die effektiven Fahrleistungen. Es sind der Sound und die Mühelosigkeit der Kraftentfaltung. Das macht den V8 aus."

Was von der Ferne noch wie ein Jaguar XJ 40 aussah, nähert sich nun als rassiger Maserati Kyalami. Wir halten Michael Fleischer händeringend an und erklären seinen radikalen Understatement-GT mit extremem Feingeist-Faktor spontan zum "Best of Miscanthusfeld 2011". Fleischer versteht, steigt aus, nimmt seine Frau in den Arm und lächelt wie ein Sieger.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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