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Classic Oil von Castrol

Motoren-Dressing

Foto: Beate Jeske, Archiv 6 Bilder

Mit einer neuen Vertriebsstrategie will Castrol sein Classic-Öl
stärker im Markt etablieren. Ein eigen gegründetes Unternehmen
ist um Aufklärung bemüht. Aus gutem Grund: Moderne Motoröle haben im Oldtimer meist nichts zu suchen.

25.04.2007 Ulrich Bethscheider-Kieser Powered by

Mit einer neuen Vertriebsstrategie will Castrol sein Classic-Öl stärker im Markt etablieren. Ein eigen gegründetes Unternehmen ist um Aufklärung bemüht. Aus gutem Grund: Moderne Motoröle haben im Oldtimer meist nichts zu suchen.

Ein Ölwechsel ist in einem langen Autoleben eine Selbstverständlichkeit, gewissermaßen eine Fußnote in der individuellen Autogeschichte. Dennoch kann ein Ölwechsel auch gleichzeitig die letzte Ölung für ein Triebwerk bedeuten - dann nämlich, wenn der Motor des Oldies mit dem falschen Schmierstoff befüllt wird. In den Tiefen des Ölsumpfs kann das falsche Öl unbemerkt sein zerstörerisches Werk beginnen.

Das zu verhindern, hat sich der britische Öllieferant Castrol auf die Fahnen geschrieben. Schon seit einigen Jahren haben die Ölköche ein spezielles, eigens für Oldtimer entwickeltes mineralisches Öl im Angebot. Das soll in Zukunft mit einer neuen Vertriebsstruktur auf dem Markt etabliert werden. Zu diesem Zweck wurde Anfang dieses Jahres mit der Passion Car Lubes GmbH eine eigenständige Vertriebsgesellschaft gegründet, die als Markenvertriebspartner von Castrol exklusiv das Öl für Klassiker in Deutschland vertreibt.

Kann zum Problem werden: Neue Öle in alten Motoren

Spezielle Öle für Klassiker anzubieten, ist keineswegs nur ein pfiffiger Marketing-Gag. "Viele Menschen lassen sich an der Tankstelle das teuerste Öl geben und glauben dann, sie würden ihrem Klassiker etwas Gutes tun", erklärt Niko Johannidis, Geschäftsführer der Passion Car Lubes GmbH in Aichwald bei Stuttgart. Doch genau das Gegenteil sei der Fall. Die modernen Öle sind für Motoren mit technischen Entwicklungen konzipiert, die in den fünfziger und sechziger Jahren schlicht noch nicht existierten.

Oft sind sie zumindest teilweise oder sogar komplett synthetisch hergestellt. Während es früher noch spezielle Einfahröle für neue Motoren gab, darf heute in modernen Motoren das Öl zehntausende von Kilometern genutzt werden. Ebenso haben sich die Dichtungen der Motoren verändert. Wer heute ein modernes Motorenöl in seinen Klassiker-Motor kippt, wundert sich womöglich anschließend darüber, dass die alten Motordichtungen den Schmierstoff nicht halten können. Ebenso sind auch die modernen Low-Ash-Öle, die speziell für aktuelle Dieselfahrzeuge mit Rußfilter entwickelt wurden, für den Oldie nicht geeignet.

Castrol will mit seiner neuen Initiative daher auch Aufklärungsarbeit in der Oldtimer-Szene leisten. Im eigenen Programm bietet die seit mehr als 100 Jahren bestehende Marke (siehe Kasten) drei verschiedene Classic-Öle an. Welches Öl für welchen Klassiker geeignet ist, hängt entscheidend von der Frage ab, ob im Ölkreislauf des Oldies bereits ein Papierfilter eingesetzt ist. "Das Filtersystem ist entscheidend für die richtige Auswahl des Motoröls", erklärt Johannidis. Schäden können moderne Öle beispielsweise dadurch auslösen, dass Ablagerungen im Motor gelöst werden und damit in den Ölkreislauf geraten.

Ein- oder doch besser Mehrbereichsöl

Moderne Schmierstoffe besitzen ein so genanntes Detergent-Dispersant-System. Das reinigt den Motor dadurch, dass es Ablagerungen löst und die Partikel im Motoröl schweben lässt. Diese sollen dann im Ölfilter aufgefangen werden. Bei modernen Motoren mag das gut sein, doch wenn kein Filter im Ölkreislauf vorhanden ist, wäre es besser, die Ablagerungen würden weiter an ihrem seit Jahren angestammten Platz verweilen. Ständig im Ölkreislauf unterwegs, können sie den Motorverschleiß erhöhen und sogar Schäden verursachen.

Bereits seit den 50er Jahren kommen in Autos Papierfilter zum Einsatz. Für diese Fahrzeuge empfiehlt Castrol das Classic-Öl XL 20W-50. Auch Motoren, die mit einer Ölzentrifuge - einem rotierenden Filtersystem - ausgestattet sind, benötigen ein Öl ohne Detergent- Dispersant-System, denn dessen Additive würden die Filterwirkung verhindern. Klassiker älterer Generationen - insbesondere Vorkriegsfahrzeuge - sind dagegen besser mit einem Einbereichsöl unterwegs.

Beim Öl des Typs GP SAE 50 handelt es sich um ein Einbereichsöl für Motoren, die ein mild oder unlegiertes Motorenöl fordern. Es soll aber nicht bei Außentemperaturen unter null Grad Celsius verwendet werden. Für Ausfahrten in der kalten Jahreszeit bietet sich daher das XL SAE 30 an, das als Einbereichsöl ebenfalls für Motoren vor 1960 und ohne Ölfilter geeignet ist. Für extreme Anforderungen im Rennsport eignen sich zudem das Classic- Öl R 40.

Manchmal ist das dickere Öl das bessere

Nur für den Rennsport geeignet ist das auf Rizinusöl-Komponenten basierende Classic-Oil B 535. Eine wichtige Rolle bei der Wahl des richtigen Schmierstoffs spielt auch die Viskosität der Öle. Die Viskositätsklasse beschreibt deren Fließfähigkeit. Dabei steht in der Kennzeichnung des Öls der Wert vor dem Buchstaben W für die Fließfähigkeit bei niedrigen Temperaturen, während die Zahl nach dem W die Zähigkeit bei hohen Temperaturen kennzeichnet. Weil bei alten Motoren das Spiel zwischen den Motorteilen in der Regel größer ausfällt als bei modernen, muss die Viskosität hoch genug sein.

Eine flackernde Öldruck-Kontrollleuchte bei heißer Maschine im Leerlauf - einen korrekten Ölstand selbstverständlich vorausgesetzt - ist ein Hinweis dafür, besser ein Öl mit höherer Viskosität einzusetzen. Gefragt sind also beispielsweise SAE 20W-50 oder 10W-60. In der Summe der Eigenschaften hält Johannidis für viele Fahrzeuge der sechziger und siebziger Jahre das SAE 20W-50-Öl für sehr gut geeignet, weil es sich in der Zusammensetzung der Additive auch deutlich von aktuellen mineralischen Ölen der Kategorie 15W-40 unterscheide.

Die drei von Castrol angebotenen Standard-Classic-Öle GP 50, XL 30 und XL 20W-50 werden für Endkunden übrigens im Fünf-Liter-Kanister ausgeliefert und kosten jeweils 36,90 Euro. Das Classic-Öl von Castrol ist allerdings nicht im konventionellen Auto-Zubehörhandel erhältlich.

Rabatte für Oldtimerclubs

Wer als Privatkunde zugreifen will, kann dies zunächst über das Internet tun, wo unter der Online-Adresse www.passion-car-lubes.de ein Online-Shop eingerichtet ist. Dort sind auch spezielle Motorsport- und Youngtimer- Öle sowie Getriebeöl bestellbar. Mittelfristig will das neu gegründete Vertriebsunternehmen auch Castrol Classic Center bei Oldtimer-Fachbetrieben schaffen. Die Kunden sollen die Öle dann bei ausgesuchten Restaurierungs- Werkstätten und Fachbetrieben einkaufen können. Darüber hinaus schließt Castrol Rahmenvereinbarungen mit Clubs ab, damit die Clubmitglieder den optimalen Schmierstoff mit einem Rabatt erwerben können.

Mit dem DAVC hat Johannidis bereits eine Vereinbarung getroffen. Nebenbei wartet das Classic-Öl übrigens auch noch mit einer weiteren positiven Eigenschaft auf: Die stilvoll mit dem klassischen Castrol-Logo des Jahres 1946 gestalteten Blechdosen werden von vielen Kunden nach Gebrauch als Dekorationsmaterial in der Garage oder im Wohnzimmerregal verwendet. Ein Grund, warum das Team um Niko Johannidis die Fünf-Liter-Kanister beim Versand wie rohe Eier behandelt und verpackt - sie sollen schließlich makellos beim Kunden ankommen.

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