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Clubreise Mercedes-Benz

Druck-Sache

Foto: Konrad Lagger 8 Bilder

Die durch gewaltige Kompressoren aufgeladenen Sportwagen von Mercedes-Benz bildeten in den 20er und 30er Jahren eine technische Elite mit den Eckpfeilern Leistung und Eleganz. Zu seinem Jahrestreff en lud der Kompressor-Club diesmal nach Bad Driburg.

28.04.2009 Malte Jürgens Powered by

Die Strafe folgte auf dem Fuße. "Wir wollten damals im Schwarzwald einen wirklich langsamen Autofahrer überholen", erzählt Markus Kern, "und dabei wird natürlich das Gaspedal ganz durchgetreten, damit der Kompressor mitläuft und wir die zusätzliche Leistung einsetzen können. Leider heult das Gebläse aber ziemlich kräftig, und 14 Tage später flatterte uns eine Anzeige ins Haus, in der wir beschuldigt wurden, beim Überholen völlig überflüssigerweise ruhestörend auch noch gehupt zu haben."

Der Passierte hatte das kreischende Roots-Gebläse für eine Überland-Fanfare gehalten und die Mannschaft im 680 S deshalb erbost mit einer Anzeige bedacht. Der damit befasste Staatsdiener verfügte glücklicherweise über technisches Verständnis. Und als ihm der Fall erläutert wurde, verzichtete er auf weitere Verfolgung.

Die zuschaltbaren Kompressoren in den sportlichen Sechszylindern der ab 1926 gefertigten Baureihe S − später dann SS, SSK und SSKL − haben in der Tat das Potenzial, nicht daran Gewöhnte erst einmal zu erschrecken. Seit 1921 benutzte Daimler in Cannstatt die Verdichter, die aus den 25 PS des 1,5-Liter-Vierzylinders heulende 40 machten. 1924 kam der Zwei-Liter-Achtzylinder, der aufgeladen im Rennwagen bis zu 200 PS produzierte. Als kräftigster Tourenwagen galt der 24/100/140 PS, dessen drei Zahlen sich auf Steuer-PS, Saugmotor-PS und Kompressor- PS bezogen.

Von diesem Modell gab es 1926 eine KVersion, was aber beileibe nicht "Kompressor" bedeutete, sondern "Kurz", wohinter sich nicht weniger als 3,40 Meter Radstand verbargen. Aus diesem Modell K mit 6,25 Liter Hubraum entsteht der erste S mit 6,8 Litern, sechs Zylindern und 180 PS. Daimler und Benz fusionieren im gleichen Jahr, und der Mercedes-Benz S schmückt die neue Marke mit 53 Rennsiegen und 17 Rekorden. Zum SS wird er mit 7,1 Litern Hubraum und 200 PS aufgepäppelt, dann folgt 1927 der SSK (Super-Sport-Kurz) und zum Schluss der SSKL (Super-Sport-Kurz-Leicht), den Rudolf Caracciola sogar um die engen Kurven der Grand-Prix-Strecke in Monte Carlo wuchtete.
Sechszylinder und Achtzylinder im Wettstreit

Die Sechszylinder-Kompressormodelle sind mithin die harte Ware für den wahren Sportsmann, während die eleganten Achtzylinder der Baureihen 500 K (1934 -1936) und 540 K (1936 -1939) eher die gut betuchten Ästheten mit weniger Neigung zum sekundengeizigen Rennpiloten ansprechen. Auf den gemeinsamen Ausfahrten zeigt sich dieser kleine, feine Unterschied zwischen den Kompressor-Mercedes der 20er und 30er Jahre auch heute noch.

Wer trifft als Erster im Schloss Waldeck ein zum mittäglichen Lunch? Achtzylinder oder Sechszylinder? Um den Glaubensstreit an dieser Stelle nicht zu verschärfen, verzichten wir auf Resultate. Nur so viel sei verraten: Wenn Sechszylinder-Fahrer die im Roadbook vermerkten Parkplätze in Windeseile abscannen und dann zufrieden "Na siehste" sagen, ist noch kein Achtzylinder in Sicht.

Dies ist eine der ewigen Lehren des Kompressor-Treffens. 1992 gründete sich aus dem Mercedes-Veteranen-Club heraus der Kompressor-Club. Er umfasst heute etwa 60 Mitglieder, in deren Garagen aber weit über 100 der Druck-Sachen mit dem Mercedes-Stern auf den nächsten Einsatz warten. Einmal im Jahr trifft sich der Club irgendwo in Deutschland. Diesmal fiel die Wahl auf Bad Driburg, vom 18. bis zum 22. Juni – gleich aus mehreren Gründen.

"Wir wollten auf jeden Fall mal wieder in etwas nördlichere Regionen fahren", erläutert der Stuttgarter Clubpräsident Ernst-Dieter "Eddi" Beeh. Die Mitglieder sind schließlich über ganz Deutschland verteilt, nicht nur über die Provinzen südlich der Main-Linie. Zweitens dürfte das Gräfliche Hotel in Bad Driburg in Zukunft öfter von sich reden machen, gerade in Bezug auf Motorsport – und zwar historischen wie modernen. Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, Chef des Gräflichen Hotels und im Freizeitberuf Rennfahrer und Oldtimer-Fan, hat soeben die Drive Resort GmbH gegründet.

Neue Rennstrecke von Hermann Tilke

Hermann Tilke, weltweit bekannter Architekt von Formel-1-Pisten, baut auf dem Bilster Berg nahe Bad Driburg eine 2,4 Kilometer lange Rundstrecke, samt Nass-und Trocken-Handlingskurs. Besitzer des Bilster Bergs: Graf Marcus. Noch können Anleger einsteigen. Wenn die neue Rennstrecke fertig ist, könnte ein Deutschlandtreffen des Kompressor-Clubs flugs um eine Rundstreckenprüfung erweitert werden. Die Frage ist dann nur: Sechszylinder oder Achtzylinder?

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