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CO2-Steuer

Autoherstellern droht Einbruch im Flottengeschäft

Foto: dpa

Die geplante Einführung der CO2-abhängigen Kfz-Steuer und die Obergrenzen der EU führen dazu, dass schon jetzt die großen Flottenkunden ihr Einkaufsverhalten ändern und verstärkt kleinere Modelle oder kleinere Motorisierungen ordern.

22.03.2008 Harald Hamprecht

"Immer mehr Großkunden setzen sich einen CO2-Ausstoß von 200 g/km als absolute Obergrenze", sagte Peter Soliman, Europachef beim Flottendienstleister Fleetlogistics. Das bestätigte Christoph Güntner, Fuhrparkleiter beim Technologiekonzern Hewlett Packard, der jährlich rund 5.000 Neuwagen in Europa kauft. "Wir planen, diesen Wert noch im Laufe dieses Jahres auf 180 Gramm zu senken. In vielen Märkten liegen wir schon heute deutlich darunter." Ähnliche Szenarien gibt es nach Informationen von auto motor und sport auch bei Konzernen wie SAP, Philips und Vodafone.

SUV fallen von den Einkaufslisten

Gewerbliche Kunden, die bei einigen Herstellern ein Drittel des Absatzes ausmachen, verbieten ihren Mitarbeitern vermehrt PS-starke Wagen. "Sogar breite Reifen werden bestraft, kleine Fahrzeuge indes gefördert", so Flotten-Experte Soliman. SUV fallen derzeit fast komplett von der Einkaufsliste der Flotteneinkäufer. "Wir müssen bei unserer Kaufentscheidung heute die gesetzlichen Anforderungen von morgen berücksichtigen", begründet HP-Manager Güntner.

Ferdinand Dudenhöffer, Chef des Marktforschungsinstituts B&D Forecast, hat für auto motor und sport analysiert, welche Segmente besonders unter Druck kommen: "Die Flottenbetreiber achten immer stärker auf Treibstoffverbrauch und CO2-Werte. Die Unsicherheit über zukünftige CO2-Steuern schürt dabei die Vorsicht. Von daher steuern immer mehr Flottenbetreiber auf spritsparende Modelle und CO2-Minderungen. Das lässt sich auch an Verkaufszahlen sehen. So verliert die obere Mittelklasse, also Fahrzeuge wie der BMW 5er, Mercedes E-Klasse oder Audi A6 Marktanteile im Flottengeschäft", so Dudenhöffer. "Waren im Jahr 2006 noch 11,6 Prozent aller Flottenverkäufe Fahrzeuge des Segments der oberen Mittelklasse ist die Zahl im Jahr 2007 auf 10,7 Prozent gesunken und in den ersten beiden Monaten 2008 auf 9,6 Prozent. Es geht also in Richtung ’eine Nummer kleiner’ im deutschen Flottenmarkt."

Trend: Rückläufiger Umsatz pro Fahrzeug

Dieser Trend spiegele sich auch bei den Motorisierungen. Dudenhöffer: "Da größere und höher motorisierte Fahrzeuge mit höherem Umsatz und einen höheren Gewinn verbunden sind, müssen die Autobauer im Flottengeschäft mit kleineren Brötchen leben. Wir rechnen damit, dass in den kommenden drei Jahren der Umsatz pro Fahrzeug im deutschen Flottenmarkt bis zu 10 Prozent rückläufig sein wird. Da die deutschen Autobauer überproportional in diesem Markt vertreten sind, trifft der Rückgang die deutschen Autobauer stärker." Dudenhöffer befürchtet gar eine Verschärfung dieses Szenarios: "Der Albtraum wäre dabei, dass an der von Umweltminister Gabriel immer mal wieder in Spiel gebrachte Dienstagwagensteuer gedreht würde. Das wäre der Mega-Gau für die deutschen Autobauer."

Das geänderte Kaufverhalten bestätigte Opel-Marketing- und Vertriebschef Thomas Owsianski: "Bei unseren Großkunden ist ein verstärktes Interesse an Modellen mit geringen CO2-Werten festzustellen. In vielen Firmen ist der Trend zu verzeichnen, Dienstwagen-berechtigten Mitarbeitern Anreize zur Nutzung umweltfreundlicher Fahrzeuge zu gewähren. Da wir eine Vielzahl von umweltfreundlichen Fahrzeugen in unserer Modellpalette haben, wirkt sich dieser Trend eher positiv auf uns aus."

Auch BMW glaubt, durch seine serienmäßige Spritspartechnik "Efficient Dynamics" von den schärferen Einkaufsrichtlinien profitieren zu können. "Wir sind in diesem Themenfeld führend und 60 Prozent aller unserer flottenrelevanten Motoren haben CO2-Werte von maximal 140g/km", so ein BMW-Sprecher. "Bei den Firmen, die hier schon Regelungen haben, sind wir mit unseren Fahrzeugen meist das Referenzangebot und werden verstärkt nachgefragt." Das hat sich bereits 2007 bemerkbar gemacht. Nach einer Aufstellung des Marktforschungsinstituts Dataforce für auto motor und sport konnte BMW im Flottenmarkt Audi schon 2007 von Platz 2 verdrängen und seinen Absatz im Flottenmarkt von 79.000 auf 87.000 steigern. Audi verlor dagegen Anteile und sank um 1.500 auf 82.300 Flottenfahrzeuge und Rang 3. Unangefochten an der Spitze lag VW mit unverändert 162.000 Autos.

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