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Concours d'Elegance Ludwigsburg

Feine Formsache

Foto: Beate Jeske 23 Bilder

Beim 5. Concours d‘Elegance vor dem Ludwigsburger Barockschloss galten die FIVA-Regeln: Klassiker für die Concours-Wertung dürfen demnach pro Concours nur einmal antreten. Spektakuläres Debüt für 80 Top-Oldtimer.

22.07.2008 Malte Jürgens Powered by

Der FIVA-Beobachter aus der Schweiz strahlte wie die Junisonne über den blühenden Barockgärten vor dem Schloss in Ludwigsburg. "Dieser Concours", sagt Frank Aeschlimann, "hat ein wirklich großes Potenzial. Ich sehe keinen Grund, weshalb er in Europa nicht zu den absoluten Topveranstaltungen aufsteigen sollte. " Organisator Karl-Ulrich Herrmann hörte diese Einschätzung nicht ungern. Auch sein fünfter Concours trug das ehrenvolle Prädikat "FIVA-A-Veranstaltung" und bot wieder mal diese oder jene Überraschung - dank des FIVA-Reglements.

Die Federation Internationale des Vehicules Anciens schreibt nämlich vor, dass jedes in einem bestimmten Concours prämierte Auto bei der gleichen Veranstaltung nicht noch einmal gekürt werden darf. Das bedeutet pro Jahr ein neu zusammengesetztes Feld hochkarätiger Klassiker, die bisher vor Ort noch nicht zu bestaunen waren. Für die Besitzer der Oldtimer bedeutet dies allerdings, dass sie ihre Preziosen verstärkt in der Weltgeschichte herumschicken müssen - reichte es früher, Pebble Beach in Kalifornien oder die Villa d’Este am Comer See zu bestücken, so geht es nun für die Concours-Spezialisten und ihre edlen Autos auf eine weiterführende Tournee. Während die ausgestellten Oldtimer um die Wette funkeln, bleibt das Wertungssystem für das Publikum meist im Dunklen.

Harte Arbeit für Juroren

In Ludwigsburg waren es nicht weniger als 32 Preisrichter, welche die rund 100 Trophäen gemäß der FIVA-Regularien zuzuerkennen hatten. Die Bewertungsbögen erinnern ein wenig unangenehm an Schulzeugnisse: Zunächst gibt es Noten von 1 bis 6, übersetzt in Exzellent (makelloser Originalzustand oder toprestauriert) und Unbefriedigend (mangelhaft in Stand gesetzt, viele moderne Teile, unrestauriert, viel Rost). 2 bedeutet Sehr gut (Originalzustand, keine optischen Mängel, leichte Gebrauchsspuren, keine fehlenden oder zusätzlichen Teile). 3 heißt Gut (guter Allgemeinzustand, unbedeutende optische Mängel, Gebrauchsspuren mit normalen, altersbedingten Spuren). 4 steht für Befriedigend, (akzeptabler, gebrauchter Allgemeinzustand, teilrestauriert, Flugrost). 5 übersetzt die FIVA mit Halbherzig (nicht konsequent restauriert, viele Anbauteile, nicht auf Details geachtet, viele rostende Teile).

Diese Noten werden in Punkte übersetzt, und zwar abhängig von der Maximalpunktzahl des Bewertungskriteriums. Gibt es in einer Disziplin also als Höchstzahl 30 Punkte, werden für einen Zustand 3 (Gut) 20 Punkte vergeben, für die 2 dann 25, für die 1 volle 30. Gibt es als Höchstzahl aber nur 5 Punkte (zum Beispiel für die Elektrik), dann entspricht die 3 nur drei Punkten, die 2 vier Punkten und die 1 dann fünf Zählern.

Womit wir bei den Wertungsgruppen angekommen sind. Die erste Gruppe heißt Technik (Maximalpunktzahl in Klammern): Motor und Motorraum (5), Chassis (5), Gesamtelektrik (5). Gruppe zwei fasst das Interieur zusammen: Innenraum (5), Material (5) und Instrumente (5). Die dritte Gruppe benotet Karosserie/Verdeck (5) und Zierelemente (5). Die Lackierung geht mit 10 Punkten in die Wertung ein, die Originalität (restauriert oder original) mit 20 Punkten.

Dickster Brocken in der Beurteilung ist schließlich die Eleganz der Gesamterscheinung (30). Das Ziel der Bewertung (ästhetische Erscheinung, Design von Interieur und Exterieur, Zeitgeist und Fahrzeugzweck) liegt darin, Originalität und Aspekte der Kultur des Fahrzeugs - bezogen auf seine Zeitepoche - herauszustellen. Für die übrigen Gruppen und Einzelkriterien gelten meist die gleichen Bewertungsgrundlagen: Zustand, Originalität, Detail passt zur Zeitperiode (ein Veteran von 1903 sollte besser nicht in Lilametallic lackiert sein), Oberflächen, Funktion, Passungen, Vollständigkeit.

Interessant die Sonderwertung ausgewählter Oldtimerbesatzungen. Ein Rüschenkleid von 1902 sieht zwar auch heute noch hübsch aus, passt aber nicht zu einem Auto von 1937. Auch bei den Accessoires schlägt Klasse Masse: Überladene Picknick-Decken mit dem Hochzeitsporzellan oder dem gesamten Tafelsilber holen weniger Punkte als eine schlichte, aber der damaligen Reise-Realität besser entsprechende Ausstattung, garniert mit einer Kamera der Epoche. Im Grunde ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Teilnahme an so einem Concours also ganz einfach: Die Stilmerkmale sollten sich rein und ansehnlich präsentieren, keinesfalls aber übertrieben. Zu viel Chrom wirkt einfach billig.

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