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Conti

Neues Verhandlungsangebot an Schaeffler

Foto: dpa

Conti-Chef Manfred Wennemer hat im Abwehrkampf gegen die Schaeffler-Gruppe das Vorgehen der Banken scharf kritisiert, sich aber zugleich für neue Verhandlungen bereit gezeigt.

21.07.2008

"Wir sollten gemeinsam eine vernünftige Lösung finden", sagte Wennemer der "Welt am Sonntag" (WamS) zum Übernahmeangebot des viel kleineren Wälzlagerherstellers aus Herzogenaurach für den Autozulieferkonzern Continental. Wennemer räumte im "Spiegel" sogar ein, dass er nichts gegen einen kontrollierenden Anteil von gut 30 Prozent hätte. Er stellte aber die Bedingung: "Wer die faktische Kontrolle über dieses Unternehmen übernehmen will, muss einen fairen Preis zahlen und das Unternehmensinteresse im Auge haben."

Nach wie vor glaube er allerdings nicht, dass Schaeffler in der Lage sei, Conti in der heutigen Form weiterzubetreiben. Zugleich schlug er der Eigentümerin des fränkischen Wälzlagerkonzerns, Maria-Elisabeth Schaeffler, vor: "Lassen Sie uns vernünftig über eine Beteiligung von 20 Prozent reden." Die Schaeffler-Gruppe hatte erklärt, dass nicht notwendigerweise eine Mehrheit an Conti angestrebt werde und ein langfristiges Engagement geplant sei.

Die Schaeffler-Gruppe zeigte sich in einer Erklärung am Sonntag (20.7.) erfreut darüber, dass Conti zu den angebotenen "konstruktiven Gesprächen" bereit sei. "Eigentümer und Geschäftsleitung begrüßen, dass Herr Wennemer dieses Gesprächsangebot jetzt offenbar aufgreift."
Allerdings strebe Schaeffler weiter das Ziel an, ein strategischer Großaktionär der Continental AG zu werden und dafür mehr als 30 Prozent der Anteile zu erwerben. Die Schaeffler Gruppe verteidigte ihr bisheriges Vorgehen: Man habe sich "marktüblicher Finanzinstrumente bedient und dabei keinerlei geltendes Recht verletzt". Das Angebot werde durch die eigene Finanzkraft gesichert. Das Unternehmen sicherte zu, Conti nicht zerschlagen zu wollen.


Wennemer bleibt bei Kritik

Der Conti-Chef sagte, er halte seine scharfe Kritik an der Art undWeise, wie Schaeffler und die Banken vorgegangen seien, aufrecht. "OhneBanken hätte sich Schaeffler so nicht an Conti anschleichen können. Dasist mit meinem Verständnis von Fairplay nicht vereinbar", erklärteWennemer im "Spiegel". Conti wirft Schaeffler vor, sich heimlich nachund nach unter Umgehung von Meldepflichten für Anteilskäufe schon dieMöglichkeit der Kontrolle des Unternehmens erschlichen zu haben.Schaeffler hat sich mit Aktien, Optionen, und Swap-Geschäften Zugriffauf rund 36 Prozent an Conti verschafft.

Auf den überraschenden Angriff hatte Wennemer zunächst harsch reagierteund ihn "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos" genannt. Erschaltete die Finanzaufsicht ein, die erst mit ihren Untersuchungenbegonnen hat. Wenn ein Investor meine, er könne sich dieStimmrechtsmehrheit auf "rechtswidrige Weise" beschaffen und dierestlichen Aktionäre massiv benachteiligen, dann sei der Vorstandverpflichtet zu handeln, sagte Wennemer der "WamS".

Der Conti-Chef widersprach Berichten, der Aufsichtsrat unter seinemVorsitzenden Hubertus von Grünberg unterstütze ihn dabei nicht. "Ichgehe fest davon aus, dass wir am kommenden Mittwoch von unseremAufsichtsrat eine klare Stellungnahme haben", sagte er in der"Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) und fuhr fort: "Wirhaben wirklich gute Chancen zu gewinnen." Es gebe durchaus Fälle, wodie Finanzaufsicht solche Fälle abgewehrt habe.

Frühere Verhandlungen

Wennemer versicherte zugleich, Conti werde im Übernahmekampf nichtstun, was nicht im Interesse von Mitarbeitern, Kunden und Eigentümernsei. Laut dem Vorstandschef haben Conti und Schaeffler bereits vor zweiJahren über einen Einstieg verhandelt. Beide Seiten seien aber zu demSchluss gekommen, dass eine Verbindung keinen Sinn ergebe. DieSchaeffler-Gruppe habe keine Synergien erkennen können.

Nach einem Bericht des "Focus" hat Schaeffler-Geschäftsführer JürgenGeißinger bereits im März von Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaefflerdie Zustimmung zur Übernahme des dreimal größeren Autozulieferers Contierhalten. Seit April habe er die Operation unter dem Decknamen "Paulkauft Emma" vorbereitet.

Politik sieht keinen Handlungsbedarf

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wies unterdessen Forderungenzurück, Unternehmen besser vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Dasbereits beschlossene Risikoabgrenzungsgesetz, das die Offenlegung vonBeteiligungsverhältnissen erzwinge, reiche aus, sagte er der "WamS".Das Gesetz ist bislang noch nicht in Kraft getreten. Dagegen forderteder IG Metall-Vize Detlef Wetzel den Gesetzgeber auf, Schlupflöcher zuschließen, wenn ein Unternehmen diese ausnutze. Der "Neuen Ruhr/NeueRhein Zeitung" (NRZ/Samstag) sagte Wetzel zu Conti/Schaeffler: "Die Artund Weise des Vorgehens ist bedenklich und gleicht einer feindlichenÜbernahme."

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