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Conti

Voss verkauft Aktien an Schaeffler

Foto: dpa

Continental-Aufsichtsratsmitglied Bernd Voss verkauft seine Conti-Aktien an Schaeffler. Der frühere Dresdner-Bank-Vorstand beabsichtige, seine 7.000 Papiere im Rahmen des Übernahmeangebots für 520.000 Euro zum Verkauf einzureichen, teilte Conti am Dienstag (26.8.) in Hannover mit.

27.08.2008

Die anderen Mitglieder des Aufsichtsrats und die Mitglieder des Vorstands beabsichtigten dagegen weiterhin nicht, ihre Aktien an Schaeffler zu verkaufen.

Voss war bis 2001 Finanzvorstand der Dresdner Bank und sitzt dort weiter im Aufsichtsrat. Die Bank gehört dem Vernehmen nach zu dem Konsortium, das Schaeffler bei der Vorbereitung der Conti-Offerte unterstützte.

Das fränkische Familienunternehmen will bis zu 49,9 Prozent an Conti übernehmen und hatte sich im Vorfeld der Offerte bereits 36 Prozent über Swap-Geschäfte mit Banken abgesichert. Nach der Einigung mit der Conti-Führung am vergangenen Donnerstag bietet Schaeffler 75 Euro je Aktie. Die Annahmefrist läuft noch bis Mittwochabend. Danach wird es voraussichtlich eine weitere Annahmefrist bis 16. September geben.

Denn der 60 Jahre alte Vorstandschef von Conti gilt als ein knallharter Kostenmanager. Nach seiner größten Herausforderung, den harten Verhandlungen mit der Schaeffler-Gruppe über eine Übernahme von Conti, tritt Wennemer nach der erzielten Einigung nun zurück. Wennemer habe bei den Verhandlungen so viel wie möglich für die Conti herausholen wollen, hieß es in Hannover in den vergangenen Tagen.

In dem neuen Kapitel der Unternehmensgeschichte aber sah er für sich selbst offensichtlich keinen Platz mehr und bat den Aufsichtsrat, ihn zum 31. August von seinem Amt zu entbinden. Wennemer hatte zu Beginn der Übernahmeschlacht harsche Kritik an Schaeffler geäußert. Das Vorgehen der Franken sei "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos". Wennemer hatte Continental in den vergangenen Jahren zu einem der fünf weltweit größten Autozulieferer geschmiedet und deutlich breiter aufgestellt, vor allem durch Übernahmen. Sein größter Coup: Im Sommer 2007 kaufte Conti für rund 11,4 Milliarden Euro die Siemens-Sparte VDO und verstärkte sich damit massiv im Wachstumsmarkt Autoelektronik. Im Konsolidierungsprozess der Branche zu den Gewinnern zählen, das war das Ziel Wennemers. Sein Credo: Sozial ist, was die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sichert, und zwar dauerhaft. Um auch künftig Erfolg zu haben und in einem schärferen Wettbewerb Aufträge an Land zu ziehen, müsse Continental seine Kosten ständig auf den Prüfstand stellen - um nicht irgendwann als "Tochtergesellschaft eines chinesischen Konzerns" zu enden. Conti gilt als Vorreiter von Produktionsverlagerungen ins Ausland und wächst seit Jahren vor allem im Ausland. Für viele Gewerkschafter ist Wennemer deswegen ein "rotes Tuch". 1947 in einem Dorf im Münsterland geboren, legte Wennemer 1973 an der Universität Münster sein Mathematik-Diplom ab. Kurze Zeit später stieg er als Projektleiter im EDV-Bereich bei Procter & Gamble ein. Nach mehreren Zwischenstopps kam er 1994 als Vorstandsvorsitzender zum Autozulieferer Benecke-Kaliko in Hannover, der kurze Zeit später von Conti zu 100 Prozent übernommen wurde. Vier Jahre später zog Wennemer in den Continental-Vorstand ein und verantwortete dort zunächst die Tochter ContiTech. Am 11. September 2001 - dem Tag der Terroranschläge in den USA - wurde Wennemer neuer Conti- Vorstandschef.

12. Juli 2008:
Medien berichten über eine geplante Übernahme von Conti durch die Schaeffler-Gruppe aus Herzogenaurach.

14. Juli 2008:
Schaeffler bestätigt ein grundsätzliches Interesse an einem Engagement bei Conti.

15. Juli 2008:
Die Schaeffler-Gruppe kündigt ein Übernahmeangebot an. Das Unternehmen will 69,37 Euro pro Aktie in bar bieten.

16. Juli 2008:
Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer kündigt Gegenwehr gegen die drohende Übernahme an. Das Angebot sei zu niedrig. Es drohe eine Zerschlagung des Konzerns. Das Vorgehen von Schaeffler sei "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos". Schaeffler habe sich rechtswidrig über Finanzgeschäfte, Swap-Geschäfte, Zugriff auf insgesamt 36 Prozent an Conti verschafft.

21. Juli 2008:
Schaeffler passt das Angebot an, und zwar auf 70,12 Euro pro Aktie. Damit will Schaeffler den nach gesetzlichen Vorgaben ermittelten Mindestpreis zahlen.

22. Juli 2008:
Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg geht auf Distanz zu Vorstandschef Wennemer. Von Grünberg warnt vor einem "Kampf um jeden Preis". Der Conti-Gesamtbetriebsrat fordert konkrete Zusagen von Schaeffler im Falle einer Übernahme.

23. Juli 2008:
Der Conti-Aufsichtsrat lehnt das angekündigte Übernahmeangebot als nicht angemessen ab. Das Kontrollgremium unterstütze die Vorgehensweise des Vorstands "in vollem Umfang". Zugleich heißt es, eine Einigung mit dem fränkischen Familienunternehmen sei "erstrebenswert" - sollte die Schaeffler-Gruppe bereit sein, entweder den Preis zu erhöhen oder ihre Beteiligung auf 20 Prozent zu beschränken.

25. Juli 2008:
Conti verpflichtet nach und nach eine Reihe namhafter Banken zur Beratung im Abwehr-Kampf und prüft mehrere Optionen. So sucht Conti einen "weißen Ritter", einen freundlich gesonnenen Großinvestor.

30. Juli 2008:
Die Schaeffler-Gruppe legt ein offizielles Übernahmeangebot vor. Aus der Angebots-Unterlage wird ersichtlich, dass Schaeffler-Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler Ende Februar 0,002 Prozent an Conti gekauft hat. Zudem wird bekannt, dass Schaeffler mit der Bank Merrill Lnych am 17. März ein Swap-Geschäft abgeschlossen hat. Im Zuge dessen hat Schaeffler Zugriff auf 28 Prozent des Conti-Anteils. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hält Schaeffler rund acht Prozent. Conti verlangt, die Finanzaufsicht BaFin müsse die umstrittenen "Schaeffler-Swaps" untersagen.

11. August 2008:
Wennemer weist in einem Schreiben an die Aufsichtsräte Medienberichte zurück, Conti erwäge im Abwehrkampf den milliardenschweren Zukauf eines Autozulieferers. Die Schaeffler- Gruppe bietet Conti erneut eine schriftliche Vereinbarung über Zusagen im Falle einer Übernahme an. So solle es keine Zerschlagung der Conti geben.

13. August 2008:
In den Übernahmekampf kommt Bewegung. Conti lehnt zwar das Angebot der Schaeffler-Gruppe erneut als nicht ausreichend ab, strebt aber kurzfristig weitere Verhandlungen über eine friedliche Einigung an.

21. August 2008:
Continental und Schaeffler erzielen eine friedliche Einigung. Die Unternehmen vereinbaren ein umfangreiches Gesamtpaket. Schaeffler erhöht das Angebot und beschränkt sein Engagement innerhalb der nächsten vier Jahre auf eine Minderheitsbeteiligung. Zum Schutz der Arbeitnehmer gibt es umfangreiche Zusagen.

Conti-Vorstandschef Chef Manfred Wennemer tritt zurück

Die 11,4 Milliarden Euro teure Übernahme im Sommer 2007 hatte Conti zum größten Teil fremdfinanziert und sich dadurch hoch verschuldet. Zum Ende des ersten Quartals 2008 lagen die Nettofinanzschulden bei rund 11,2 Milliarden Euro.

Rückläufige Verschuldung

Zum Jahresende rechnet Conti aber mit einer deutlich rückläufigen Verschuldung. Der Schuldenabbau hat oberste Priorität. Mit VDO stärkte das 1871 gegründete Unternehmen mit Sitz in Hannover vor allem den Bereich Autoelektronik, der als Wachstumsmarkt gilt. Im Zuge der VDO-Integration ordnete Conti-Chef Manfred Wennemer den Konzern neu, der nun sechs Bereiche hat: Chassis & Safety, Powertrain, Interior, Pkw-Reifen, Nutzfahrzeugreifen und ContiTech. Zu den Produkten zählen Bremssysteme, Systeme und Komponenten für Antrieb und Fahrwerk, Infotainment-Lösungen, Fahrzeugelektronik und Reifen.

Conti-Boss Wennemer: Harter Kostenmanager

Der Konzern beschäftigt derzeit rund 150.000 Mitarbeiter an nahezu 200 Standorten in 36 Ländern. Seitdem Manfred Wennemer im September 2001 den Posten als Vorstandschef bei dem damals kriselnden Reifenproduzenten übernahm, ging es mit dem Geschäft stetig bergauf. Im Herbst 2003 kehrte Conti nach sieben Jahren in den größten deutschen Aktienindex DAX zurück. Wennemer gilt als harter Kostenmanager und Vorreiter bei der Verlagerung von Produktion in Billiglohnländer. Wennemer baute Conti durch Übernahmen deutlich aus, der Konzern ist heute ein Komplettanbieter rund ums Auto. 2007 erzielte Conti, größtenteils noch ohne VDO, einen Umsatz von rund 16,6 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei rund 1,67 Milliarden Euro, der Überschuss bei rund einer Milliarde Euro.

Im laufenden Jahr strebt Conti mit VDO einen Umsatz von mehr als 26,4 Milliarden Euro und nach bisherigen Ankündigungen eine Bestmarke beim Ergebnis an. Die hohen Rohstoffpreise drücken derzeit aber vor allem auf die Ertragslage im Reifengeschäft. Im Zuge der VDO-Integration will Conti mehrere tausend Stellen streichen und prüft auch Werksschließungen.

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