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Conti-Werksschließungen

Widerstand aus Deutschland und Frankreich

Foto: Continental

Der Autozulieferer Continental stößt in Frankreich mit seinem Plan zur Schließung des Reifenwerks in Clairoix auf heftigen Widerstand. Auch am Standort Hannover wehrt sich der Betriebsrat.

12.03.2009

Regierungssprecher Luc Chatel erklärte, Conti werde sich "vor Gericht" verantworten müssen. Der Senator Philippe Marini äußerte die Überzeugung, das Ende der Reifenfertigung könne abgewendet werden. Conti habe "keinen Kopf, keine Führung mehr", sagte er am Donnerstag (12.3.) im Rundfunk.


Arbeitsplatzgarantie bis 2011

Die Schließung sei von "Leuten ohne Verantwortung, ohne Mandat und ohne Strategie" verkündet worden. Conti gehöre dem angeschlagenen Zulieferer Schaeffler, und in Wirklichkeit hätten die Banken das Sagen. Jetzt sei deutsch-französische Zusammenarbeit gefragt.

Conti-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Nikolin hatte am Mittwoch erklärt, die Reifensparte könne nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn die "beiden Werke mit den höchsten Kosten" geschlossen würden. "Das sind für Pkw-Reifen Clairoix und für Nutzfahrzeugreifen Hannover." Für Frankreich würde das Ende des Werkes nördlich von Paris mit 1.120 Arbeitsplätzen den größten einzelnen Arbeitsplatzverlust seit Beginn der Krise bedeuten. Der Konzern hatte angekündigt, die Lastwagen-Reifenproduktion in Hannover zum Jahresende einzustellen, in Clairoix soll die Herstellung von Pkw-Reifen nicht vor Ende März 2010 enden.

Die Mitarbeiter könnten die Conti-Entscheidung "als einen Verrat betrachten", sagte Chatel. Conti hatte 2007 für Clairoix eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ausgehandelt - bei einer gesetzlichen Arbeitswoche von 35 Stunden. Dafür erhielten die Mitarbeiter eine Arbeitsplatzgarantie bis 2011. Wenn der Konzern auf seinen Plänen beharre, werde er "die Gründe für solche Entlassungen vor den Gerichten rechtfertigen müssen", sagte Chatel.

Gewerkschaften fühlen sich verraten

Von Verrat sprechen auch die Gewerkschaften. Die CFDT erklärte, noch vor drei Monaten habe das Unternehmen Schließungspläne klar dementiert. Eier flogen, als Unternehmensvertreter den Mitarbeitern die Entscheidung begründen wollten. Gewerkschafter äußerten die Ansicht, Conti wolle mit der Werksschließung den Standort Saargemünd (Saarguemines) in Lothringen retten. Clairoix fertigt laut Conti 13 Prozent teurer als Saargemünd. Die europäischen Reifenhersteller und auch Conti haben große Überkapazitäten und stehen vor dem Zusammenbruch der Märkte.

Betriebsrat droht mit Gericht

Der Betriebsrat des Autozulieferers Continental erwägt, gegen die angekündigte Schließung des Werkes in Hannover vor Gericht zu ziehen. "Für uns ist die Schließung noch nicht offiziell", sagte Betriebsratschef Michael Deister am Donnerstag. Conti hatte am Mittwoch angekündigt, wegen Nachfrageeinbrüchen die Produktion in Hannover einzustellen. Davon wären rund 780 Mitarbeiter betroffen.

Der Conti-Betriebsrat prüft nun, ob ein im Januar unterschriebenes Grundlagenpapier rechtens ist. Dort hatte die Werksleitung den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zugesichert, im Gegenzug waren Lohnverzicht und eine Ausweitung der Kurzarbeit geplant. Eine entsprechende Betriebsvereinbarung dazu wurde aber bisher nicht abgeschlossen. Am Freitag wollen Betriebsrat und Gewerkschaften das weitere Vorgehen besprechen.

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