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Continental und Schaeffler

Heftige Streits um Werks-Schließungen

Foto: dpa

Bei der Conti brennt die Hütte. Der einst erfolgsverwöhnte Autozulieferer ist in die roten Zahlen gerutscht, Großaktionär Schaeffler bittet um Milliarden-Staatshilfen, die Zukunft ist höchst ungewiss - nun hat die Continental-Spitze auch noch Gewerkschaften, Betriebsräte und die Politik verprellt.

17.03.2009

Die Pläne, Reifenwerke am Stammsitz Hannover und in Nordfrankreich dicht zu machen, sorgen für einen Proteststurm. Conti habe ein "intaktes Wohnhaus" in Brand gesetzt, wetterte der kommissarische Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der Gewerkschaft IG BCE am Dienstag in Hannover bei einer Protestkundgebung vor mehr als 1.000 Beschäftigten - sie soll erst der Anfang im Kampf um die Jobs sein.  Die Conti-Arbeiter sind wütend. Auf einem Plakat steht: "Heuschrecken sind nichts gegen den Conti-Vorstand".

Massenentlassungen statt Kurzarbeit

Bischoff schimpft, Conti sei das erste Unternehmen in der Chemie-Industrie, das Massenentlassungen durchziehen wolle - statt die Kurzarbeit auszudehnen. Die Gewerkschaft habe Politik und Banken aufgefordert, dem Unternehmen zu helfen, sagt Bischoff mit Blick auf die Lage bei der Schaeffler-Gruppe, die sich mit der Conti-Übernahme verhoben hat. Um so "unverantwortlicher" seien nun die geplanten Werksschließungen. Auch Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) nennt das Vorgehen "inakzeptabel".

Werk Hannover soll geschlossen werden

Conti will wegen eines Nachfrageeinbruchs die Lkw-Reifenproduktion in Hannover bis zum Jahresende schließen und im nordfranzösischen Werk Clairoix die Herstellung von Pkw-Reifen einstellen. In Hannover sind direkt rund 780 Beschäftigte betroffen. Aus Sicht des Betriebsrats aber ist der gesamte Standort mit rund 2.900 Beschäftigten in Gefahr, inklusive etwa der Bereiche Forschung und Entwicklung und ContiTech. In Clairoix geht es um 1.120 Jobs.

Bei der Conti heißt es, die Entscheidung sei dem Unternehmen sehr schwer gefallen. Der Konzern aber habe keine andere Wahl. Der Nachfrageeinbruch sei dramatisch. Eine Ausweitung der Kurzarbeit würde das Aus für das Reifenwerk nur hinausschieben, aber nicht verhindern. Die Wettbewerbsfähigkeit der Reifen-Divisionen sei nur durch die Schließung der beiden Werke mit den höchsten Kosten zu halten - dies seien bei Pkw-Reifen Clairoix und bei Nutzfahrzeug-Reifen Hannover.

Betriebsrat will rechtliche Schritte einleiten

Der Betriebsrat dagegen vermutet, Conti wolle die Branchenkrise nutzen, um die Reifenproduktion aus Deutschland verschwinden zu lassen und stattdessen verstärkt in Billiglohnländern zu fertigen. Betriebsrat Michael Deister spricht von einer "perfiden Verlagerungsstrategie". Conti habe zudem eine Vereinbarung von Januar gebrochen, in der die Firma den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zugesichert hatte. Im Gegenzug waren Lohnverzicht und eine Ausweitung der Kurzarbeit geplant. Der Betriebsrat will nun rechtliche Schritte einleiten.
 
Conti dagegen argumentiert, die Grundlage für das Papier sei weggefallen, der Vorstand habe dieses daher nicht unterschrieben. Das Papier habe ein Produktionsvolumen von 930.000 Nutzfahrzeug-Reifen für das Jahr 2009 vorgesehen, durch den dramatischen Markteinbruch aber habe sich dies auf rund 380.000 Reifen verringert.

Die Werksschließungen sollen nun Thema auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrats Ende nächster Woche sein. Das Gremium könne dem Vorstand empfehlen, die Pläne rückgängig zu machen, sagt Bischoff. Auch Vertreter der Kapitalseite seien "stinksauer". Auf der Sitzung soll nach einigem Hin und Her auch ein neuer Aufsichtsratschef gewählt werden - der Schaeffler -Berater Rolf Koerfer.

Conti droht nun ein langer Konflikt um das Lkw-Reifenwerk - wie vor drei Jahren, als es um das Aus für die Pkw-Reifenproduktion in Hannover ging. Viele Conti-Arbeiter befürchten nun das Schlimmste. Günther Meyer (53) zum Beispiel hat im März sein 25-jähriges Betriebsjubiläum gefeiert, nun bangt er um seinen Job. Und sein Kollege Detlef Knabner (50) sagt: "Die Pkw-Schließung war ein Kindergeburtstag, jetzt geht es erst richtig los."

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