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Continental

Weitere Reifenwerke geplant

Foto: dpa

Continental plant weitere Übernahmen und den Bau von neuen Werken. Insbesondere im Reifenmarkt in Asien und Amerika seien Firmenkäufe denkbar, sagte Continental-Finanzchef Alan Hippe im Gespräch mit auto motor und sport.

04.06.2008 Harald Hamprecht

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrem globalen Reifengeschäft?
Hippe: Herausforderungen gibt es eine ganze Reihe: Zunächst wollen wir unsere internationale Position weiter ausbauen, insbesondere in Asien, in Nord- und Südamerika. Sie wissen, dass wir in China ein neues Reifenwerk bauen, auch Indien und Russland haben wir grundsätzlich im Blickfeld. In Brasilien wächst die Produktion im Werk Camacari weiter an.

Riesen-Opportunitäten sehen wir auch in Osteuropa, besonders nach der Akquise der Marke Matador im vergangenen Jahr. Und natürlich haben wir auch noch das Low Cost-Segment, das wir nicht außer acht lassen werden. Darüber hinaus wollen und müssen wir wie bisher kontinuierlich technologisch auf dem höchsten Niveau neue Produkte entwickeln und anbieten.

Nennen Sie uns doch ein paar Beispiele...
Hippe: ... ich erwähne nur den Zielkonflikt zwischen Rollwiderstandsoptimierung und damit CO2-Reduktion auf der einen Seite und dem Nassbremsen und damit Sicherheit in kritischen Situationen auf der anderen Seite. Wir sind beim Thema Rollwiderstand sehr gut positioniert, aber eines kann ich Ihnen versichern: Continental wird keine Kompromisse zu Lasten der Sicherheit machen! Für Sicherheit stehen nicht nur unsere Reifen, sondern der ganze Konzern.

Im globalen Ranking der Reifenhersteller stand Conti zuletzt mit einem Marktanteil von knapp sechs Prozent auf Platz 4 – deutlich hinter den Branchenriesen Michelin, Bridgestone und Goodyear mit jeweils über 17 Prozent. Wie wollen Sie sich weiter verbessern?
Hippe: Wir schauen uns grundsätzlich weniger globale Marktanteile an, da sie letztlich für unsere Strategie weniger wichtig sind, als auf den definierten Zielmärkten eine Top-Position zu haben – zum Beispiel in Europa, wo wir seit Jahren Marktführer bei Winterreifen sind oder seit 2003 mit heute mehr als 30 Prozent Marktführer in der Pkw-Erstausrüstung.

Sehen Sie trotzdem eine Chance, sich mittelfristig auch in dieser Sparte unter die Top 3 vorzuarbeiten, wie es Konzernchef Manfred Wennemer von jeder Division verlangt?
Hippe:Wachstum ist für uns sehr wichtig, aber dieses muss profitabel und Wert schaffend sein. Der Abstand zu den großen drei Wettbewerbern ist bezüglich des Absatzvolumens beachtlich. Wir müssen hier abwarten, wie der Markt sich weiter konsolidiert. Mir ist nicht wichtig, wann wir an die Weltspitze aufschließen, sondern dass wir besser wachsen als der Markt. Zudem liegen wir bei der Zielgröße Profitabilität schon heute ganz vorne.

Wo lag Ihre Gewinn-Marge im Reifengeschäft zuletzt und wird sie sich entwickeln?
Hippe: Die Pkw-Reifendivision hat 2007 knapp fünf Milliarden Euro Umsatz erzielt mit einem EBIT von knapp 740 Millionen Euro. Die Marge betrug damit 14,8 Prozent. Vor allem unterstreicht dieses Ergebnis die finanzielle Bedeutung des Reifen-Geschäfts für den Konzern. Wir werden auch dieses Jahr unseren klaren Beitrag zum angekündigten Konzernumsatz von mehr als 26,4 Milliarden Euro sowie dem Konzernergebnis leisten. Für eine präzise Prognose ist es aber noch zu früh. Denn hier spielen noch viele Unsicherheiten mit ein, allen voran die weitere Entwicklung der Rohstoffkosten.

Womit wir bei einem Reizthema sind: Mit welchen Erhöhungen haben Sie zu kämpfen? Und zwingen diese Sie zu Preiserhöhungen?
Hippe: Die Rohstoffpreisentwicklung betrachten wir sehr aufmerksam, auch mit gewisser Sorge, aber nicht mit Panik. Wir haben die Preise bereits in Nordamerika deutlich anheben müssen. In Europa steht die nächste Preiserhöhung – im Ersatzgeschäft – zum 1. Juni an. Sie wird zwischen drei bis vier Prozent liegen. Bei unseren Kunden in der Autoindustrie stehen ebenfalls harte Verhandlungen an. Wir müssen darauf drängen, dass diese Preiserhöhungen kompensiert werden. Und das wird bestimmt nicht einfach.

Was sind heute schon die Top 5-Reifenmärkte für Conti? Und wo wollen Sie am stärksten wachsen?
Hippe: Wir sind natürlich in Europa sehr gut aufgestellt, wobei Deutschland als Heimatmarkt eine wichtige Rolle spielt. Aber auch in Osteuropa wachsen wir rasant, unter anderem in Polen und in Russland, wo wir der größte Importeur sind.

Wie sieht es im Rest der Welt aus?
Hippe: In Malaysia haben wir mit Continental Sime Tyre eine führende Position, vergessen Sie außerdem nicht, dass wir auch in den USA nach langen Jahren wieder festen Boden unter den Füßen haben – mit noch relativ niedrigen Marktanteilen im Ersatzgeschäft, aber mit einem stark verbesserten Produktportfolio und einem sehr erfreulichen Wachstum . In China haben wir die Weichen ebenfalls bereits auf weiteres Wachstum gestellt. Absolut gesehen wachsen wir derzeit am stärksten in Nord- und Südamerika, vor allem in Brasilien – und das auch gegen den Markt. Das alles stimmt uns zuversichtlich.


Welches prozentuale Wachstum erwarten Sie für den globale Reifenmarkt, der 2006 auf ein Volumen von 106 Milliarden Dollar beziffert wurde? Und wie stark wollen Sie selbst zulegen?
Hippe: Wir wollen immer stärker wachsen als der Markt, für den Experten jährliche Mengenzuwachsraten von drei Prozent erwarten. Getrieben wird das Mengenwachstum des Gesamtmarktes vor allem durch die Zuwachsraten in den Emerging Markets, die den Rückgang der Großen 3 in den USA mehr als kompensieren. Wir selbst konnten vergangenes Jahr um fünf Prozent zulegen. Dieses Jahr werden wir irgendwo zwischen fünf und neun Prozent abschneiden.

Wer sind Ihre größten Abnehmer in der Automobilindustrie – und wo haben Sie noch Nachholbedarf?
Hippe: In Europa pflegen wir zu allen großen Premium-Herstellern gute Beziehungen. In den USA sind die großen drei Hersteller trotz reduzierter Volumina wichtig für uns. Allerdings haben wir in den letzten drei Jahren das Geschäft mit den sogenannten „Transplants“ aufgebaut und uns ein signifikantes Volumen erschlossen. In Asien ist sicher noch viel Luft nach oben, auch wenn wir den Vertrieb seit vielen Jahren zusammen mit dem lokalen Anbieter Yokohama organisieren. Beim Wachstum in Asien wird uns unser neues Werk in China helfen, auch das Volumen mit den dortigen Herstellern zu steigern.

Wird die Zahl Ihrer Mitarbeiter in der Reifensparte parallel zum Umsatz und Absatz ausgebaut?
Hippe: Die Pkw-Reifendivision beschäftigte zum Jahresende 2007 rund 26.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das waren gut fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 22 Prozent, das heißt etwa 5.500 Beschäftigte arbeiten in Deutschland, vor allem an den beiden Standorten Aachen und Korbach – neben unseren Entwicklungsingenieuren in Hannover. Und der Trend wird sich insgesamt fortsetzen: Etwa stabil in Deutschland, steigend in Wachstumsmärkten wie in Osteuropa, Asien oder Südamerika.

Wie viele Reifen-Werke haben Sie weltweit? Wie viele neue wollen Sie errichten?
Hippe: Wir haben derzeit 13 Werke, dabei ist Camacari in Brasilien im Ausbau, in China wird gerade ein neues Werk gebaut. Produktionsstart ist 2010. Für die Märkte in Russland ebenso wie Indien prüfen wir Optionen. In Russland haben wir mit dem Matador-Joint-Venture in 2007 und einem dazugehörenden Produktionsstandort in Omsk zwar schon einen ersten Schritt getan; damit sind wir aber nicht im Zentrum dieses riesigen Marktes. Mittelfristig stellt sich hier die Frage nach einem weiteren Werk. Auch Asien behalten wir im Blick. 60 Prozent des asiatischen Reifen-Marktes werden hier bislang zwar von Japan und Korea bestritten. In Japan haben wir bereits ein erfolgreiches Joint-Venture, Korea behalten wir auf dem Radar.


Was kostet Sie ein neues Werk?
Hippe: Ein Reifenwerk mit einer vernünftigen Produktionskapazität kostet grundsätzlich zwischen rund 150 und 200 Millionen Euro.

Welche Investitionen planen Sie dieses Jahr in der Reifensparte?
Hippe: Wir haben 2007 in der Pkw-Reifendivision mehr als 220 Millionen Euro investiert. Diese Zahl wird in 2008 noch mal deutlich ansteigen – vor allem aufgrund der zahlreichen Kapazitätsausweitungen in unseren bestehenden Werken und dem Neubau in China.

Pirelli wirbt damit, das größte Reifenwerk Deutschlands in Breuberg zu betreiben. Was ist Ihr größtes deutsches Werk – und kann diese Fertigung in Deutschland langfristig profitabel sein?
Hippe: Wir können die Angaben von Pirelli nicht nachvollziehen, denn wir produzieren in Aachen rund neun Millionen und in Korbach mit 10,7 Millionen Pkw-Reifen deutlich mehr als die von Pirelli für Breuberg genannten 10 Millionen Pkw-Reifen pro Jahr. Tatsächlich haben wir in den vergangenen Jahren an beiden Standorten die Produktion sukzessive ausgeweitet. Dies ist insbesondere in den Bereichen Ultra-high-Performance- und Winterreifen geschehen. Damit erfolgt in Deutschland rund 20 Prozent unserer globalen Produktion – und wir beschäftigen hier 20 Prozent unserer weltweiten Belegschaft. Ob diese langfristig profitabel zu halten sein wird, das wird die Entwicklung in den kommenden Jahren zeigen. Im Rückblick der letzten drei bis vier Jahre haben sich beide Standorte im globalen internen Wettbewerb behauptet. Die deutlichen Lohnsteigerungen in diesem Jahr sind in dieser Hinsicht aber nicht hilfreich, denn der Lohnkostenanteil bei Reifen liegt bei rund 30 Prozent in Deutschland. Wenn Märkte irgendwo stagnieren oder schwächer werden und diese Märkte dann auch noch Hochkosten-Länder sind, werden wir unsere Kapazität anpassen. In diesem Jahr sehe ich aber derzeit keinen Handlungsbedarf.

Pirelli positioniert sich als Anbieter von Premium- und Luxus-Reifen. Wie halten Sie dagegen?
Hippe: Da können wir bestens mithalten. Wir sind als Premium-Marke genau richtig positioniert, sehen Sie sich einfach unsere Produktpalette an: Der ContiPremiumContact 2 oder der ContiSportContact 3 stehen für kompromisslose Sicherheit und besonders kurze Bremswege. Im Winter sind wir mit dem ContiWinterContact TS 830 und TS 810 bzw. 810 Sport ebenfalls sehr gut aufgestellt. Aber gleichzeitig haben wir mit unserem Mehrmarken-Portfolio ausgezeichnete Chancen, die verschiedensten Marktsegmente und Preis- bzw. Leistungsklassen abzudecken. Wir fühlen uns da absolut wohl in unserer Aufstellung.

Bridgestone und Toyo haben jüngst ihre Kooperation im Reifengeschäft angekündigt. Gibt es bei Conti ähnliche Bestrebungen für solche Aktionen?
Hippe: Wir haben bereits Kooperationen, zum Beispiel mit Yokohama in Japan. Und natürlich denkt man immer wieder mal über diese oder jene Option nach. In Südkorea ist das durchaus denkbar. Aber aktuell haben wir hier keine konkreten Pläne.

Stehen Mergers oder Akquisitionen in der Reifensparte an?
Hippe: Für mich als noch amtierenden Finanzvorstand lautet nach der Akquisition von Siemens VDO die oberste Divise im Unternehmen zunächst: Schuldenabbau. Trotzdem prüfen wir natürlich Optionen, vor allem in Asien sowie auf dem gesamten amerikanischen Kontinent. Und sollte sich eine gute Gelegenheit ergeben, werden wir sicher ganz genau hinschauen. Mittelfristig werden wir unsere Aktivitäten intensivieren.

Wieviele Reifen-Marken haben Sie schon heute im Portfolio? Und wie wird sich diese Zahl entwicklen?
Hippe: Wir vermarkten unsere Premium-Marke Continental genau wie unsere Budget-Marke Barum global. Dazwischen nutzen wir die starken Regionalmarken wie z. B. Uniroyal (besonders in Frankreich, BeNeLux), Semperit (Alpen), Gislaved (Nordics und Russland), Viking (Nordics), Euzkadi (Mexiko), Sime (Asien), Mabor (Portugal, Spanien und Osteuropa) und seit Ende letzten Jahres auch Matador (Zentral- und Osteuropa) sowie General Tire (USA und Europa) besonders im 4x4-Segment. Das sind sicherlich ausreichend viele Marken, um individuell attraktive Vermarktungskonzepte anbieten zu können. Breiter müssen wir uns hier nicht aufstellen.

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