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Ferrari Fahrtraining Corsa Clienti

Fahrschule mit Michael Schumacher

Ferrari Fahrtraining Foto: Roberto Carrer 15 Bilder

Fahrtraining der elitären Art: zu Gast bei der Fahrschule Corsa Clienti mit dem Formel 1-Rekordweltmeister Michael Schumacher und Ferrari F 430, Ferrari 430 Scuderia sowie Ferrari 599 auf der hauseigenen Teststrecke Fiorano.

04.09.2009 Bernd Ostmann

Fiorano, die Ferrari-Piste in Maranello, ist für Michael Schumacher mehr als eine Hausstrecke. Hier legte der Formel 1-Rekordweltmeister in unzähligen Runden den Grundstein für fünf seiner sieben WM-Titel. Hier hält er mit 55 Sekunden immer noch den Rundenrekord.

Ferrari F430 Spider 2:17 Min.

Michael Schumacher: Schnell Auto fahren kannst Du auch spät noch lernen

Der Champion sitzt entspannt am Volant eines Ferrari 599. Während die Hinterräder qualmend durchdrehen, kontert Schumi elegant am Lenkrad und erklärt: "Das macht doch einfach Spaß." Er spult Runde um Runde ab - und ist dabei völlig locker. Allerdings hat sich der Formel 1-Champion längst einem anderen Speed-Hobby verschrieben: Er fährt Motorradrennen. "Mit dem Rennauto wird das Fahrverhalten bei schnellerer Fahrt wegen der Aerodynamik besser", sagt er, "beim Motorrad ist es andersherum." Und: "Beim Motorrad sind es nicht einfach nur zwei Räder weniger, da ist alles anders." Trotzdem mache es Spaß, "eins zu sein mit dem Motorrad". Wer ihn kennt, weiß, wie er sich reinkniet. "Trotzdem kann ich nichts mehr reißen, da hätte ich als kleiner Junge anfangen müssen." Und mit einem Blick auf seinen Beifahrer: "Schnell Auto fahren kannst du dagegen auch spät noch lernen."

Vorerst steht auch in der Corsa Clienti die graue Theorie im Vordergrund

Genau dies soll die Corsa Clienti, die wohl elitärste Fahrschule der Welt, vermitteln. Bevor es richtig losgeht, noch schnell ein Tipp vom Weltmeister. Was sind die Schlüsselstellen der drei Kilometer langen Teststrecke? Schumacher: "Es gibt zwei. Das Geschlängel gleich nach der ersten Kehre. Und dann die Links am Ende. Da siehst du den Ausgang nicht. Du glaubst, du könntest noch schneller rein - und bekommst am Kurvenausgang dann Probleme." Zunächst steht in Fiorano die graue Theorie auf dem Programm. Es geht beispielsweise ums korrekte Sitzen. Man kann richtig agieren, wenn man das Lenkrad hält und die Arme dabei einen Winkel von etwa 90 Grad beschreiben. Oder die richtige Haltung des Volants. Mit Blick auf die Uhr ist die Idealposition 9.15 Uhr. Alles schon gewusst, kein Problem.

Ferrari F 430 und Ferrari 599 als Fahrschulauto

Auf was kommt es beim schnellen Autofahren wirklich an? Wie fährt man am schnellsten durch eine Kurve? Teil eins: in die Kurve reinbremsen. Nicht zu hart, aber hart genug, damit die Fahrzeugnase unten bleibt. Das erleichtert das Einlenken. Teil zwei: erst den Kopf drehen und den Kurvenscheitelpunkt fixieren, dann am Volant drehen. Doch Achtung, der Kurvenscheitelpunkt ist die ideale Linie, aber nicht die schnelle. Schnell ist: spät einlenken, den Innenrand der Kurve erst nach dem Scheitelpunkt streifen und in einer möglichst flachen Linie wieder rausbeschleunigen. Grau ist alle Theorie. Also rein in den Ferrari F 430 mit 490 PS oder den Ferrari 599 mit 620 PS. Quasi als Highlight gibt es noch den 510 PS starken Ferrari 430 Scuderia, mit seinem straffen Fahrwerk und der superflinken wie knackigen Schaltung das ideale Gefährt für den Fiorano-Parcours. Die ersten Runden sind noch einmal eine Einweisungs-Tour an der Seite eines der erfahrenen Instruktoren. Die kommen aus dem Rallye-Sport, der Ferrari-Challenge oder wie der Tiroler Thomas Kemenater aus der GT-Serie. Nach so viel Beifahren brennt man förmlich aufs Selbstfahren. Jetzt sitzt der Instruktor auf dem heißen Sitz und gibt Anweisungen. Das erste Schumacher- Kriterium, das Geschlängel, ist erreicht.

Mit jeder Runde im Ferrari kommt mehr Fluss in die Fahrt und die Tipps werden subtiler

Kemenater ruft: "Schlepp- Gas." Ich bin am Gas, aber wohl etwas zu heftig. "Nur die Geschwindigkeit halten. Wenn du hier beschleunigst, dann treibt es dich am Kurvenausgang zu weit raus." Ich handle mir gleich die erste Rüge ein: "Weniger aggressiv. Dann kommt der richtige Fluss rein - und die gute Zeit kommt von allein. Du hast immerhin 620 PS an den Hinterrädern."Wir wechseln die Autos und die Instruktoren. Und gleich kommt der nächste Aha-Moment. Nach einer scharfen Rechts geht es über eine Brücke in den zweiten Streckenteil. Auf der Brücke wird gebremst, denn danach fällt die Bahn in eine Rechts ab. Hier bin ich recht spät auf der Bremse und brauche die vollen Curbs und noch etwas Wiese. Mein Beifahrer schüttelt nur den Kopf: "Das ist spektakulär, aber nicht schnell. Das geht flüssiger." Schumis zweite Schlüsselstelle ist wirklich gemein. Eingangs wird mein Beifahrer energisch: "Gas weg."

Wir rollen in die Linksbiegung und rutschen am Kurvenausgang bis an den Curb. "Wenn du hier das Auto verlierst, ist es platt. Da hilft auch das Kiesbett nichts mehr", mahnt der Instruktor. Mit jeder Runde kommt mehr Fluss in die Fahrt. Auch die Tipps werden subtiler: "Lass dich noch etwas weiter raustreiben. Mit dem Formel 1-Auto nehmen wir sogar noch einen Teil der Auslaufzone mit, um besser rausbeschleunigen zu können."

Die Ferrari-Fahrschulautos sind videoüberwacht

In den Autos sind Kameras montiert. Jeder Pilot hat seine eigene Speicherkarte. Und einige der Autos sind zusätzlich mit Telemetrie-Messgeräten ausgerüstet. Beim anschließenden Briefing in der Kommandozentrale der Fiorano-Box kommt es zur finalen Analyse. Die Runden von Instruktor und Schüler werden übereinandergelegt. Geschwindigkeit, Drehzahl, Gang, Gaspedalstellung sowie Bremskraft sind sauber aufgezeichnet. Ich bin spät und sehr hart auf der Bremse, am Ende aber doch etwas langsamer als der Profi. Warum? "Du fährst zu digital. Bist immer sofort voll am Gas - und verlierst Zeit." Aber warum? "Lenkrad und Gaspedal sind wie mit einem Seilzug verbunden. Je weiter du die Lenkung am Kurvenausgang aufmachst, desto stärker gehst du aufs Gas. Bist du zu früh auf dem Gas, drehst du dich weg oder wirst von der Elektronik eingebremst." Klingt eigentlich ganz einfach.

Ferrari Corsa Clienti ist für zwei Jahre ausgebucht

Zwei Mal pro Monat gastiert die Ferrari-Fahrschule in Fiorano. Ferrari-Chef Amedeo Felisa sagt: "90 Prozent unserer Kunden sind ganz normale Autofahrer. Denen wollen wir zeigen, was man mit einem Ferrari alles machen kann. Außerdem tun wir durch die Fahrerschulung auch etwas für die aktive Sicherheit. Und wir verkaufen unseren Gästen ein kleines Stück Ferrari-Feeling."

Dieses Feeling gibt es in verschiedenen Stufen: Das zweitägige Basistraining beginnt bei 7.400 Euro, die verschiedenen Ausbaustufen reichen bis zum Preis von 16.300 Euro. Mittlerweile werden die Trainings nicht nur in Fiorano angeboten. Geübt wird auch in Japan sowie in Amerika. In Shanghai lief gerade der erste Kurs, neun weitere sollen folgen. Mit Corsa Clienti trifft Ferrari den Nerv seiner Klientel. Felisa: "Wir sind die nächsten zwei Jahre ausgebucht."

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