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Horst Koch

Cucica Italiana

Foto: 7 Bilder

Italienische Autos sind das Lieblingsmenü des Heilbronner Oldtimer- Händlers Horst Koch. Nebenbei baute der findige Schwabe Sechsrad- Panda - und für den Winter einen Fiat 500 als Schneepflug.

14.01.2007 Malte Jürgens Powered by

"Meine Oldtimer", zieht Horst Koch Bilanz - und verrät damit schon ein wenig von dem, was ihn an historischen Automobilen fasziniert -, "haben mich noch auf keiner Fahrt tatsächlich im Stich gelassen. Mit ein bisschen Improvisieren bin ich selbst bei unerwarteten Störungen bisher immer wieder nach Hause gekommen. Aber wenn ich mein modernes Auto nehme und die Elektronik spinnt, kann ich daheim nur noch anrufen und sagen, Jungs, kommt mit dem Abschleppwagen und holt mich. Die beherrschbare Technik ist einer der Gründe, weshalb ich Oldtimer liebe."

Daheim, das ist für Koch seit seiner Geburt 1955 Kirchhausen bei Heilbronn. Der gelernte Kfz-Meister betreibt dort in dem alteingesessenen Familienbetrieb drei Unternehmen. Zum einen ist Koch Chef eines Autohauses, das bis 1984 Ferrari und bis zum August 2000 Fiat und Lancia vertrat. Heute ist er nicht mehr an eine Marke gebunden und handelt europaweit mit Neuwagen aller Couleurs.

Daneben gibt es seit dem vergangenen Jahr das Pfandleih-Haus Koch, das hochkarätige Oldtimer als Sicherheit akzeptiert. Koch: "Immer mehr kleine und mittelständische Handwerks- und Familien-Unternehmen geraten finanziell in die Klemme. Hat der Chef ein Liebhaber-Auto in der Garage, bekommt er bei mir dafür Bargeld, und zwar zwischen 30 und 50 Prozent des Marktwertes."

Drittes und liebstes Standbein des unternehmungsfreudigen Schwaben aber ist der Klassikbetrieb, sein Handel mit Oldtimern. Die Auto-Welt des Horst Koch besteht dabei in ihrem Kern aus zwei geographischen Gegensätzen: Bei Vorkriegswagen neigt er sehr den Engländern zu: "Ein Vorkriegs-Alfa ist eine Diva, die entzückt, die einen aber auch ruinieren kann. Ein Bentley ist da klar zuverlässiger."

Die Leidenschaft rührt nicht von ungefähr

Bei Nachkriegsautos sind es jedoch eindeutig die Italiener. Diese Leidenschaft rührt nicht von ungefähr, und das kam so: Der Großvater mütterlicherseits hatte in Kirchhausen einen Fahrrad- und Nähmaschinenhandel eröffnet, nahm aber rasch auch Motorräder ins Verkaufsprogramm – wegen der Nähe zu Neckarsulm natürlich an erster Stelle die Marke NSU.

Mit dem Schwiegersohn Heinz Koch bekam Opa Kühner einen Kompagnon nach seinem Herzen. Vater Koch fuhr Motorradrennen mit 250er-, 350er- und 500er-NSU-Maschinen, pilotierte auch Gespanne und pflegte die Kameradschaft mit NSU-Werksfahrern wie Heiner Fleischmann, Werner Haas und Rupert Hollaus. Dann nahm das erweiterte Unternehmen Kühner und Koch die Marke Fiat ins Programm, denn Motorräder gehörten Ende der Fünfziger Jahre zu den stark bedrohten Arten unter den Verkehrsmitteln. Das Wirtschaftswunder fuhr Auto.

Junior Horst absolvierte die Lehre zum Kfz-Mechaniker bei der Fiat AG in Heilbronn. Er bildete sich an der Spöhrer-Privatschule in Calw betriebswirtschaftlich fort und machte dann in Nürnberg den Meister: "Die Prüfung konnte ich dort schon nach sechs Monaten ablegen."

1982 übernahm der junge Meister Koch den elterlichen Betrieb. Ferrari, Lieblingsmarke seines Vaters, gab er jedoch zwei Jahre später ab: "Das Erste, was mir ein Mitarbeiter des damals neuen Importeurs Autexpo erzählte, waren Vorschriften, wie ich meinen Betrieb zu führen hätte. Von Technik hatte der gute Mann aber überhaupt keine Ahnung. Auf solche Geschäftspartner konnte ich schon immer schmerzfrei verzichten."

Zweites Standbein

Koch betreut die Ferrari seiner Kunden bis heute, wandte sich damals aber rasch auch neuen Geschäftsfeldern zu. Eine Moto-Guzzi-Vertretung kam aus alter Liebe zu den Zweirädern dazu, und die jüngste Liebe hieß: exklusive Umbauten. Dazu gehörten besondere Le-Mans-Guzzis mit verrückten Accessoires wie Tankdeckeln aus der Starfighter- Produktion – und Fiat Cabrios.

Der findige Meister: "In den achtziger Jahren gab es vor dem Golf-Cabrio praktisch kein erschwingliches Auto mehr mit Faltverdeck. Also baute ich 250 Panda- Cabrios. Die wurden ein richtiger Renner." Der Spleen wuchs – bis hin zu sechsrädrigen Pick-up-Pandas. Eine Wohnmobil-Vermietung kam hinzu.

Die eigenen Dienstwagen reichten vom ersten Fiat 124 Spider bis hin zu einem hellgelben Lancia Stratos. Trat Koch auf Veranstaltungen an, liefen seine Autos oft besser als die anderen. Allmählich erwarb er sich so den Ruf eines profunden Spezialisten für ältere Jahrgänge. Die Zukunft sah sonnig aus. Bis zum Jahr 1989; ein unverschuldeter Unfall, auf der Fahrerseite vom Gegenverkehr aufgegabelt, setzte ihn lange außer Gefecht. Koch musste neu sortieren.

Seit 1990 gibt es den Klassikbereich von Horst Koch

"Ich trennte mich von den Motorrädern, weil ich links nicht mehr schalten konnte, und stellte auch die Wohnmobil-Vermietung ein. Genauso die Sonderserien vom Panda. Ich wollte mich nur noch auf das Autohaus konzentrieren."

Doch Koch wäre nicht Koch, wenn es tatsächlich dabei geblieben wäre. 1990 eröffnete er den Klassikbereich. Die Kriterien, nach denen er Oldtimer kauft, sind einfach: "Das Auto muss möglichst original sein, eine nachvollziehbare Historie haben, und es sollte nicht aus einem Konkurs stammen." Edle Autos, deren Besitzern unterwegs das nötige Kleingeld ausgegangen ist, mussten oft schon lange vor dem Konkurs ohne Wartung auskommen.

Vor Pannen beim Ankauf ist allerdings auch ein Profi wie Koch nicht gefeit: "Die meisten Ferrari aus den 80er Jahren sind komischerweise erst 34.000 Kilometer gelaufen. Wenn im Scheckheft aber bereits 1992 die 24.000er- Inspektion gestempelt wurde, stimmt was nicht."

Lehrgeld musste Koch vor zwei Jahren in Form eines Abschleppwagen- Marathons zahlen, als er für eine Kundin einen auf Fotos perfekt wirkenden Ferrari Dino von Kopenhagen nach Heilbronn holen wollte: "Das Auto war aber nach einem Unfall links sieben Zentimeter kürzer als rechts, und die Schwellerbleche hätte man als Spätzle-Sieb verwenden können."

Die Sache fand dennoch ein Happy End. Koch: "Hinter einer Annonce in Motor Klassik stand ein perfektes Auto, und zwar in Saarbrücken. Die neue Besitzerin lacht heute noch über ihren Kopenhagen-Dino aus dem Saarland."

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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