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Daihatsu Charade G10 Restaurierung

Kleines Auto - große Tat

Daihatsu Charade G10, Frontansicht, Rainer Adam Foto: Fact 16 Bilder

Liebhaber klassischer Daihatsu sind rar, und dass jemand mit viel Aufwand einen 1980er Charade G10 restauriert, klingt unglaublich. Der österreichische Markenfan Rainer Adam hat es dennoch getan.

03.04.2014 Bernd Woytal Powered by

Dass er nicht das beliebtere, vor dem Facelift gebaute Coupé mit den runden Scheinwerfern und dem Bullauge in der C-Säule besitzt, stört ihn nicht die Bohne. Rainer Adam mag seinen Daihatsu Charade G10 von 1980 so, wie er ist. Doch wieso überhaupt ein Daihatsu? Der Wiener erinnert sich: "An den ersten Autos, die ich als Führerscheinneuling fuhr, gab es ständig Reparaturen, dann folgte ein Daihatsu G100, und an dem musste ich in sieben Jahren nur normale Servicearbeiten verrichten."

Ersteigert bei Ebay

Die japanische Marke hatte damit einen Fan gewonnen, auch weitere Daihatsu enttäuschten ihn nicht. Der Nachteil: Rainers Lust am Schrauben konnte nicht mehr gestillt werden, und da kam die Versteigerung eines alten Daihatsu Charade G10 auf Ebay gerade recht. Rainer hatte Glück und erhielt den Zuschlag.

Verkäufer war ein Herr, der Autos an Filmgesellschaften verleiht, und da sich Rainer natürlich brennend für die Vergangenheit seines G10 interessierte, erfuhr er von einem Filmeinsatz seines Charade, dem später ein weiterer folgen sollte. Ferner machte er alle Vorbesitzer ausfindig, darunter eine Dame, die den Wagen mit ihrer Tochter genutzt hatte. Sie erzählte, dass sie den Daihatsu einst einem Händler zum Verschrotten überlassen habe. Dass daraus nichts geworden war, freute sie sehr.

Rainer plante, den zwar fahrbereiten, aber doch recht verschlissenen Daihatsu Charade G10 wiederherzurichten. Zuerst wollte er vorhandene Rostschäden beseitigen, doch davon gab es dank guter Konservierung durch das Werk erstaunlich wenige. Kleinere angerostete Flächen, die er beim Zerlegen des Wagens fand, schliff er ab, befreite Karosseriekanten von Dichtmasse und behandelte alles mit Zinkspray.

147 Beulen sorgen für einen Schock beim Lackierer

Die leer geräumte Karosserie des Daihatsu Charade G10 stellte er hochkant, reinigte sie zunächst mit dem Hochdruckreiniger und entfernte dann den Unterbodenschutz. Nun musste er aber doch zum Schweißgerät greifen. Unter der Aufsicht seines Vaters, eines Kraftfahrzeugmeisters, schweißte er an den beiden Längsversteifungen kleinere Bleche ein. Die Träger wurden danach hohlraumversiegelt.

Die Lackierung des Daihatsu Charade G10 im originalen Blauton hatte er einem Lackierer anvertraut und mit ihm einen Festpreis ausgehandelt. Doch dessen überraschender Anruf mit der Bitte "Du musst dringend mal vorbeikommen, ich muss dir etwas zeigen" verhieß nichts Gutes.

Der Daihatsu-Fan machte sich so bald wie möglich auf den Weg, und am Ziel erwartete ihn eine mit unzähligen gelben Kreisen übersäte Karosserie. Der Lackierer hatte alle Dellen im Blech mit Kreide markiert, insgesamt 147 Stück. Okay, Rainer wusste von dem Hagelschaden, aber mit so vielen Beulen hatte er nicht gerechnet. Natürlich ließ sich der ausgemachte Festpreis so nicht halten, und so übertraf allein die Lackierung den Zeitwert des Daihatsu Charade G10 um das Dreifache. Von den anderen Arbeiten ganz zu schweigen.

Für die Teilesuche braucht man Geduld

Den von Ölverlust geplagten Dreizylindermotor des Daihatsu Charade G10 wollte Rainer selbst wieder instand setzen, sodass in diesem Fall nur die Kosten für die Ersatzteile anfielen. Teile gab es für dieses Auto damals zu relativ kleinen Preisen. Die Technikkomponenten steuerten Händler bei, anderes musste übers Internet ausfindig gemacht werden. Allerdings war teilweise Geduld gefragt. So dauerte das Aufspüren neuer Stoßstangen rund zwei Jahre.

Apropos Internet. Parallel zum Restaurieren engagierte sich Rainer mit großem Einsatz im Web. "Wenn man heute in eine Suchmaschine Daihatsu Charade G10 eingibt, stößt man in acht von zehn Fällen auf einen Link von mir", lacht er. Denn der 42-Jährige ist nicht nur in vielen Foren aktiv, er rief auch die Seite www.charade-g10.net ins Leben, wo er jede Menge Fakten über das Charade-G10-Modell zusammengetragen hat, um sie gleichgesinnten Fans zur Verfügung zu stellen.

Und die sind auf der ganzen Welt verstreut, wie Rainer aus den diversen Anfragen erkennt. Erst kürzlich bat ein Herr aus Pakistan per E-Mail um Hilfe, der sich einen Daihatsu Charade G10 wiederherrichten möchte.

Doch zurück zu Rainers Restaurierung. Den Motor seines Daihatsu Charade G10 baute er mit neuen Lagern, Kolbenringen und Dichtungen wieder auf, doch musste er einiges an Lehrgeld zahlen. Aber davon gleich. Zuerst einmal war er glücklich, als endlich die Karosserie fertig lackiert war. Er hatte ihr noch einen neuen Vorderkotflügel und eine neue Fahrertür spendiert.

Problem mit Querlenkern

Nun konnte die Montage beginnen, wofür er teilweise die zuvor gelb verzinkten Schrauben verwendete. Das Fahrwerk des Daihatsu Charade G10 samt Bremsen kam natürlich auch in den Genuss einer Überholung, wobei hier das größte Problem anstand: die vorderen Traggelenke. Diese sind nämlich mit dem Querlenker verschweißt, und das komplette Teil ist nicht mehr neu erhältlich.

Rainer hielt sogar Ausschau nach Firmen in Asien, um eine Nachfertigung anzustoßen, doch die wäre für die Unternehmen erst ab einer Anzahl von 500 Stück rentabel geworden. Angesichts der Tatsache, dass in Österreich und Deutschland zusammen noch nicht mal 50 Exemplare des Daihatsu Charade G10 angemeldet sind, also ein hoffnungsloses Unterfangen. Letztendlich fand er einen Spezialisten, der das alte Traglager ausbohrte und ein neues einsetzte, in dem er ein Gewinde vorsah. Dass diese Aktion nicht ganz billig war, kann sich jeder denken.

Dank Spenderfahrzeug zu neuer Inneneinrichtung

Nicht besonders attraktiv fand Rainer das schwarze Kunststoff-Interieur seines Daihatsu Charade G10. Auch hier half ihm das Glück. Er konnte ein anderes Fahrzeug kaufen, übrigens der einzige G10, der ihm seit Jahren in Österreich begegnet ist, und übernahm dessen beigefarbene Innenausstattung.

Als dann der Daihatsu Charade G10 endlich komplett montiert war, wollte es zunächst nicht so recht. Rainer war ein Fehler bei der Montage der Benzinpumpe passiert, und als dieser beseitigt war, endete die fröhlich begonnene Probefahrt mit einem dieselähnlichen Laufgeräusch. Diesmal stellte sich als Ursache ein Fehler beim Zusammenbau der Kurbelwelle heraus, weshalb der Motor mit neuer Welle instand gesetzt werden musste. Mittlerweile kann Rainer das alles im Schlaf.

Aber die Restaurierung war damit noch nicht zu Ende. Ein wenige Jahre später im Internet angebotener Daihatsu Charade G10 lockte ihn nach Holland. "Eine dunkelrote Innenausstattung, ein originales Mono-Radio und ein Daimatic-Getriebe", schwärmt Rainer von den Höhepunkten dieses Wagens, den er dann auf Achse überführte und dieser Dinge beraubte.

Der Daihatsu Charade G10ist seltener als ein Ferrari

Aber so einfach ging das nicht. Im Inneren seines Daihatsu Charade G10 musste alles raus samt Armaturenbrett, dann baute er den Motor wieder aus, um statt des Schalt- das Automatikgetriebe anzuflanschen, wozu auch der Kabelbaum umgebaut werden musste.

Den Motor des Daihatsu Charade G10 überholte er gleich noch mal mit einem neuen Block. Seit er damals eine neue Kurbelwelle aus einem jüngeren Modell eingebaut hatte, wozu der Block auf einer Seite wegen des etwas größeren Wellendurchmessers geändert werden musste, störte Rainer ein leichter Ölverlust. Auch optisch sollte der Motor nun perfekt werden, und so nutzte Rainer zum Reinigen zweier Teile sogar den heimischen Geschirrspüler. Kommentar der Gattin: "Wenn die Maschine danach kaputt ist, kaufst du eine neue."

Doch diese Ausgabe blieb ihm erspart. Hatte er doch genug Geld und vor allem Arbeitszeit in den Daihatsu Charade G10 gesteckt, von dem es derzeit vermutlich kein besseres Exemplar gibt. Und seltener als ein Ferrari ist er auch.

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