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Daihatsu-Chef

"Wir sind die Kleinwagen-Profis"

Foto: Seat

Daihatsu Deutschland-Chef Matthias Heinz spricht im Interview mit auto motor und sport über die Zukunftspläne der Toyota-Tochter. Dabei schließt Heinz unter anderem eine Ausweitung der Angebotspalette nach oben aus.

30.05.2008 Harald Hamprecht

Im vergangenen Jahr hat die Marke Daihatsu 13.555 Neuzulassungen in Deutschland verbucht - und damit einen Marktanteil von 0.4 Prozent. Wann holen Sie die Marke aus der Versenkung?
Heinz: 2008 wollen wir in Deutschland 15.000 Neuzulassungen verbuchen - und zwar ohne zusätzliche Modelle. Mit einem daraus resultierenden Marktanteil von 0.5 Prozent wären wir schon zufrieden. Mittelfristig, das heißt frühestens kommende Dekade, halte ich 20.000 Einheiten für sehr wahrscheinlich. Und zwar nur über organisches Wachstum. Wir kaufen uns keinen Marktanteil.

Aber auch damit wären Sie noch weit von der magischen Ein-Prozent-Hürde entfernt. Warum profitieren Sie nicht vom gigantischen Wachstum Ihres Mutterkonzerns Toyota?
Heinz: Daihatsu ist eine eigenständige Marke innerhalb des Toyota-Konzerns. Natürlich ergeben sich daraus zwangsläufig Synergien; aber als Marke haben wir unseren eigenen Auftrag; die Marke Daihatsu ist in Japan führend im Kleinwagensegment; als Spezialist im Kleinwagenbereich möchten wir auch in Deutschland weiter punkten.

Ihr Produktportfolio besteht aus sechs Modellen: dem Terios, Materia, Sirion, Copen, Trevis und Cuore. Wie werden Sie dieses Portfolio ausbauen?
Heinz: Der Cuore ist unser Einstiegs-Fahrzeug - zum Preis von 8.990 Euro. Unser größtes Modell ist der kompakte SUV Terios mit Preisen zwischen 15.000 bis maximal 22.000 Euro. In dieser Größenordnung fühlen wir uns wohl. Wir werden immer in diesen drei Segmenten vertreten sein, also im A- und B- sowie Kompakt-SUV-Segment - und niemals ins C- oder D-Segment eine blutige Nase holen. Wo wir heute auftreten, haben wir Kompetenz und wollen hier auch weiter zuhause bleiben. Wir sind als Marke mit der optimalen Preis-Wert-Relation positioniert - und auch als Zweitmarke eine schöne Abrundung für viele Händler. Unser Claim heißt "Made in Japan." Treffender wäre eigentlich: "Wir sind die Kleinwagen-Profis."

Dürfen wir wenigstens mit Modellpflegen und Nachfolgern rechnen?
Heinz: Ja, im März 2007 haben wir den Materia neu in den Markt gebracht, im September den Cuore und das Sirion Facelift. Diese drei Neuheiten werden 2008 erstmals voll verfügbar sein. Damit müssen wir und unsere Händler aber auch zwei Jahre arbeiten. Erst Ende 2009 bis Anfang 2010 folgt der Nachfolger des Sirion. Und ich kann mir vorstellen, dass unser Konzern mittel- bis langfristig auch noch die Lücke im oberen B-Segment schließen wird.

Momentan haben Sie keinen Diesel im Angebot. Wird sich das ändern?
Heinz: Derzeit nein, und dies ist auch nur bedingt nötig in den von uns vertretenden Segmenten, in denen der Diesel-Anteil insgesamt unter 20 Prozent liegt. Darüber hinaus ist die Preisentwicklung kein Argument mehr für Diesel. Unsere Kunden sind nicht die Vielfahrer, daher würde sich der Dieselaufpreis für unsere Kunden nur schwerlich rechnen.

Was ist mit Alternativen- wie Erdgas oder Hybrid?
Heinz: Nein, auch das macht in diesem Segment aus Kostengründen keinen Sinn. Mit einer Ausnahme: Wir werden zur Jahresmitte 2008 eine Flüssiggas-Lösung für den Terios anbieten. Zudem pochen wir an die Tür unserer Konzernmutter und hoffen, dass sie uns für den Terios mit einem Diesel-Aggregat aushelfen wird.

Gibt es weitere Synergien mit Toyota?
Heinz: Auf Verbraucherebene nutzen wir seit Anfang 2008 die gleiche Bank für die Kundenfinanzierung - und wir prüfen derzeit Möglichkeiten im rahmen der Händler-Einkaufs-Finanzierung. Einige Toyota Partner vertreten auch die Marke Daihatsu. Eine Separierung ist hierbei Grundvoraussetzung. Die Konzentration beider Marken im Handel, wie bei anderen Konzernen mit Mehrmarken durchgeführt wurde, ist nicht vorgesehen.

Wie groß ist Ihr Handelsnetz?
Heinz: Wir haben derzeit ein einstufiges Netz mit rund 400 Standorten. An dieser Zahl wollen wir grundsätzlich festhalten. Wir planen ein zweistufiges Händlernetz , welches in der Endstufe aus ca. 180 Händlern und 220 Vertriebspartnern bestehen wird. Die Planung soll 2010 abgeschlossen sein. Wir werden unsere Partner im Juni darüber informieren und die Vorgehensweise besprechen. Wir haben das Ziel, das beide Partner, also Händler und Vertriebspartner mit der neuen Struktur eine Win-win-Situation bekommen. Kleinere Partner werden also nicht aus dem Netz gedrängt, sondern integriert. Durch den Einsatz von Neuhändlern werden für uns noch dieses Jahr 60 neue Standorte besetzt, vor allem in Metropolen. Von Radikal-Schnitten halte ich nichts.

Kann ein Händler mit Daihatsu Geld verdienen?
Heinz: Durchaus. Wir möchten erreichen, das Daihatsu - Händler künftig mindestens 2 Prozent Umsatzrendite erwirtschaften. Um dies zu schaffen, benötigt der Händler zum einen ein wirtschaftlich interessantes Mindestvolumen und schlanke Prozesse. Daihatsu wird den Handel auch künftig nicht mit unnötigen Standards konfrontieren. Unser Fokus für die nächsten Jahre liegt sehr stark im Bereich der Qualifikation der Verkaufsprozesse unseres Händlernetzes.

Verdient Daihatsu Deutschland Geld?
Heinz: Ja. Aber auch hier wollen wir uns verbessern. Wir planen unser Wachstum profitabel, also nicht um jeden Marktanteils-Preis.

Wie groß ist Ihre Belegschaft?
Heinz: Wir haben insgesamt 90 Mitarbeiter - einschließlich unserer Belegschaft im Ersatzteillager. Mit unserem Lager bedienen wir nicht nur die deutschen Händler, sondern liefern mittlerweile Teile und Zubehör in insgesamt 23 Länder bis hin nach Japan.

Vor Ihrem Amtsantritt hatte Daihatsu acht General Manager in Deutschland, die das Geschäft führten. Inzwischen sind es vier. Werden Sie die oberste Führungsmannschaft noch weiter verschlanken?
Heinz: Nein, ich denke, inzwischen sind wir schlank und schlagkräftig genug. Ich habe jetzt ein sehr engagiertes und erfahrenes Führungs-Team. Ich selbst habe die Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit übernommen; dahinter steht natürlich ein professionelles Pressebüro. Mein Credo ist, Geschäftsführer sollten greifbar sein für die Journalisten; deshalb auch hier die gewählte Konstellation.

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