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Daily Driver

Klassiker für den täglichen Einsatz

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Wer seinen Klassiker nicht nur an sonnigen Sonntagen, sondern auch im täglichen Leben genießen möchte, sollte Wert auf eine solide Konstruktion legen. Motor Klassik präsentiert 15 klassische Automobile, die den Anstrengungen des Alltags durchaus gewachsen sind.

29.09.2012 Malte Jürgens Powered by

Hans-Jörg Götzl über robuste Roadster: "Mit wehendem Haupthaar durch den Alltag."

Es gibt nicht wenige Zeitgenossen, denen ein Dach über dem Kopf während der Fahrt beinahe körperliche Schmerzen bereitet. Verständlich, denn eine rundum geschlossene Blechhülle hält nicht nur Wind und Wetter, sondern auch jede Menge Sinneseindrücke vom Fahrer fern – den Geruch von frisch gemähten Wiesen etwa, von feuchter Erde oder, auch das, von Schnee, den Temperaturanstieg bei der Einfahrt in eine Ortschaft, die unmittelbaren Lebensäußerungen des Motors oder das Rauschen des Fahrtwindes.


Wer all das jeden Tag so rustikal und unverfälscht wie möglich genießen möchte, kommt um den MGB kaum herum. Der kleine Zweisitzer kann als Archetypus des britischen Roadsters bezeichnet werden und gilt in seiner Heimat als zuverlässig wie ein Käfer. Das wiederum erscheint zwar etwas optimistisch, bei ordentlicher Pflege aber wird ein guter MGB seinen Fahrer niemals gänzlich im Stich lassen.

Mit seinem 95 PS starken Vierzylinder lässt sich auch heute noch flott über Landstraßen räubern, das knorrige Fahrwerk unterstützt sportliche Ambitionen mit stoischer Zielgenauigkeit. 386 961 Exemplare sind von 1962 bis 1980 entstanden. Gusseiserne Genießer wählen die Variante vor 1967 mit unsynchronisiertem erstem Gang oder zumindest vor 1970, weil dann das Verdeck noch wie ein Zeltdach aufgebaut werden muss und somit nur bei wirklich wüstem Wetter aus dem Kofferraum kommt.

Wer es insgesamt komfortabler, bei Bedarf schneller und, mit Verlaub, noch narrensicherer möchte, sollte zum Mercedes 280 SL aus der R107-Baureihe greifen. Über Qualitätsfragen ist der luxuriöse Roadster in jedem Fall erhaben, seine beste Eigenschaft aber besteht in der Wandelbarkeit. Mit dem 280 SL ist der Fahrer immer gut angezogen – ob auf der Jagd von Land’s End nach John O’Groats oder in feinem Zwirn vor der Oper. Allerdings hat die Solidität auf Rädern auch ihren Preis: Gut 18 000 Euro sollte man anlegen, wenn man nicht in einem Exemplar zweifelhafter Herkunft auf Baumarktfelgen unterwegs sein möchte.

Deutlich preiswerter und mit Preisen ab 3000 Euro tatsächlich ein Schnäppchen ist der Mazda MX-5. Der Japaner ist der legitime Erbe des MGB – mit der herausragenden Eigenschaft, dass er selbst bei minimalster Pflege kaum kaputt geht.

Mit wenigen Autos lässt es sich leichter driften, und die Verdeckbetätigung geriet so simpel, dass der Fahrer jede Gelegenheit nutzt, den Fahrtwind zu spüren – auch wenn er auf dem Haupt gar keine Haare mehr hat.

Alf Cremers über den beliebten Kleinwagen-Zoo Käfer, Ente und Mini: "Sie waren schon als Neuwagen Oldtimer."

Zwei Generationen von Fahranfängern verdanken ihnen unvergessliche Erlebnisse: Die erste Urlaubsfahrt zu zweit, herrlich unvernünftige Reisen wie zum Frühstück nach Paris oder zur Mittsommernacht nach Schweden. Ente, Käfer und Mini sind, obwohl vielleicht erst Baujahr 1990, schon seit 20 Jahren Oldtimer – und sie fahren sich weit urwüchsiger und antiquierter als ein BMW 2002 oder ein Mercedes 230 Strichacht. Im Innenraum herrscht die Bescheidenheit früher Jahre, nur ein Tacho dient der Orientierung. So einfach wie ihre Ausstattung ist auch ihr technisches Konzept, das in allen Fällen eine gewisse Genialität nicht verleugnen kann.

Ein Kleinwagenkonstrukteur muss kreativ sein. Alec Issigonis verhalf dem 1959 noch Austin Seven getauften Mini mit dem heute in allen Klassen beliebten Rezept Quermotor und Frontantrieb zu einer unübertroffenen Raumökonomie.

Ferdinand Porsche entwarf einen robusten und komfortablen Volkswagen für Dauertempo 100 km/h auf den neuen Autobahnen. Dank hochwertiger Komponenten wie einem laufruhigen Vierzylinder-Boxer und der geschmeidigen Drehstabfederung war er in keiner Hinsicht primitiv.

Das ist bei der Ente anders, sie adelt das einfache automobile Leben zum genussvollen Savoir vivre in Gestalt eines komfortablen Cabriolets in spe. Das rustikale Lastenheft von Citroën-Konstrukteur André Lefèbvre sah vor, einen Sack Kartoffeln und einen Korb mit Eiern bei einem Reisetempo von 60 km/h über die Weite der französischen Kulturlandschaft zu tragen. Rührei durfte es dabei nicht geben, deshalb die unübertroffen weiche Federung.

Egal ob Käfer, Ente oder Mini – originell und alltagstauglich sind sie alle. Denn sie profitieren vom großen Netzwerk ihrer Fans und Spezialisten. Ersatzteilsorgen kennt man in diesen Hätschelkreisen nicht, und die Unterhaltskosten sind kaum der Rede wert.

Die Wahl fällt nicht schwer, unterschiedlicher können Autos kaum sein. Einzigartig ist das ursolide Vertrauen, das einem etwa ein 66er VW 1300 mit seiner Karosserie, Prädikat "Deutsche Wertarbeit“, und dem heimeligen Rauschen seines Boxermotors einflößt. Frappierend die Straßenlage des Mini, der selbst scharfe Kurven ohne Gaswegnehmen nimmt, und dessen Langhuber kräftig antritt. Die Ente ist weder sportlich noch solide. Sie macht einfach nur glücklich – wenn der Zweizylinder-Boxer zufrieden schnurrt, das Rolldach offen ist, und die Straßen einsam sind.

Heinrich Lingner über alltagstaugliche Sportwagen: “Stil und Originalität zu kleinem Preis."

Sportwagen müssen nicht unbedingt alltagstauglich sein. Jedoch ist ein gewisser Nutzwert einer längeren Beziehung durchaus zuträglich. Sprich, der Sportwagen sollte einigermaßen taugliche Rücksitze bieten, und sein Gepäckraum sollte für mehr als einen Werkzeugsatz, ein Warndreieck und ein Starthilfekabel ausreichen. All das gibt es im Alfa Romeo GTV 6.

Zwar missfällt der Sechszylinder-GTV durch allerlei triste Kunststoffanbauteile, der brillante Motor und das exzellente Fahrverhalten des Transaxle-Coupés machen das jedoch locker wett. Leider fällt die Bauzeit des GTV noch in eine Epoche, in der die Rostvorsorge bei Alfa eher nonchalant gehandhabt wurde.

Entsprechend klein ist die Angebotsfülle auf dem Klassikermarkt. Zudem wurden viele Autos von jugendlichen Heizern hingerichtet, denn der Sechszylinder nimmt mangelnde Sorgfalt ausgesprochen übel. Andererseits glänzt der Motor mit guten Fahrleistungen und akzeptablen Verbrauchswerten. Nicht umsonst wird er bis heute gebaut, allerdings in naher Zukunft durch ein GM-Triebwerk abgelöst. Ein Grund mehr, sich einen Sportwagen mit dem letzten echten Alfa-Motor zuzulegen.

Deutlich anspruchsloser ist ein Ford Capri der dritten Serie. Der brave V6 aus dem Ford-Baukasten ist kaum umzubringen. Nur der Rost nagt heftig an der formschönen Coupé-Karosserie. Lange Jahre litt der Capri unter einem Image, das jenes des Manta B mühelos unterbot. Das ist heute zum Glück vorbei. Das Ford-Coupé ist ein stilvoller Youngtimer, mit guten Fahrleistungen und einem exakt definierten Eigenlenkverhalten: Er übersteuert schon beim Ausparken. Nicht ganz einfach ist die Suche nach einem guten Exemplar. Die Zeiten, in denen tadellos erhaltene Autos aus erster Rentnerhand im Anzeigenblatt standen, sind leider lange vorbei.

Das Problem gibt es beim Porsche 944 nicht. Er ist auf dem Gebrauchtmarkt in ausreichender Zahl verfügbar. Selbst Versionen mit G-Kat und aus überschaubarem Vorbesitz kosten selten mehr als 5000 Euro. Für die bärenstarken S2 sind bis zu 10 000 Euro fällig. Der bullige Großkolben- Vierzylinder glänzt mit sattem Drehmoment, niedrigem Verbrauch und Langlebigkeit. Jedoch muss sich der 944- Eigner mit dem zweifelhaften Image des Billig-Porsche abfinden. Leider gilt das nicht für die Unterhaltskosten. Wartungs- und Teilepreise unterscheiden sich kaum vom 911. Aber ein Porsche muss nicht immer Heckmotor haben.

Bernd Woytal über Geländewagen: "Auf allen vieren durch den Alltagssumpf."

Ihr guter Stern auf allen Straßen", diesen Slogan dichteten die Mercedes-Werbetexter glatt am G-Modell vorbei. Denn der 1979 vorgestellte Geländewagen brach lieber ungeniert durchs Gebüsch als brav vorgegebenen Wegen zu folgen.

Dass der rustikale Sternträger von seinen Besitzern dann doch vorwiegend auf staubfreien Pisten bewegt wurde, erhöht die Wahrscheinlichkeit, heute ein noch brauchbares Exemplar ausfindig zu machen. Denn dieses Auto ist wie seine allradgetriebenen Markenkollegen eine interessante Alternative, wenn einem Limousinen, Sportwagen oder Cabrios nicht genügend Individualität bieten.

Besonders die frühen Vertreter der G-Klasse haben mittlerweile die Youngtimer-Szene erobert. Allerdings machte ihnen der Rost mehr zu schaffen als ihren jüngeren Nachfahren. Ein prüfender Blick auf Scheibenrahmen und Heckbereich ist vor dem Kauf ratsam. Welcher Motorisierung der Vorzug gebührt, lässt sich nicht eindeutig sagen.

Die Diesel-Versionen sind jedenfalls teurer, warten mit einem gewissen Verbrauchsvorteil auf, setzen sich aber eher zögernd in Bewegung. Dass sie dafür länger halten als die etwas flotteren Benziner, gilt nicht pauschal. Immerhin hat Hannes Wahle vom Mercedes G-Club mit seinem 280er die 300 000-Kilometer-Marke geknackt.

Wem das G-Modell zu träge ist, der fühlt sich vielleicht eher zu einem Jeep Cherokee hingezogen – sozusagen der Sportwagen unter den Geländefahrzeugen. Für einen Offroader kommt er recht flach daher, was ihm Vorteile beim Verbrauch und in der Höchstgeschwindigkeit verschafft. Immerhin erreicht der dank Servolenkung handliche und überraschend kletterfreudige Ami mit der empfehlenswerten Vierliter-Sechszylindermaschine über 170 km/h.

Damit stellt er etwa einen Land Rover weit in den Schatten. Der urige Brite ist mit Vierzylinder nur unwesentlich schneller als eine Wanderdüne, bietet aber alles, was einen Geländewagen von echtem Schrot und Korn ausmacht. Er ist ein Blickfang ersten Ranges, bemerkenswert unkomfortabel, bietet zumindest in der Version 109 jede Menge Platz, und der Fahrer überblickt den Verkehr wie ein durchs Turmfenster schauender Burgherr seine Ländereien.

Gute Exemplare sind allerdings rar – auch die jüngeren, die der Serie III entstammen und ein Vollsynchron-Getriebe haben. Der Reiz all dieser Autos ist natürlich das Abenteuer abseits der Straße.

Doch wer sich legal durch den Schlamm wühlen will, nutzt am besten Fahr-Events der 4x4-Clubs.

Malte Jürgens über Citroën CX, Alfa Romeo Giulia Nuova und BMW 528i: "Der tägliche Urlaub vom Alltag."

Nicht nur Familienoberhäupter schauen ihnen nach, sondern auch Youngtimer- Liebhaber, die sich statt des modernen Kompaktwagens lieber eine zuverlässige Bastion gegen die Mainstream-Hektik gönnen: Eine geräumige, viertürige Limousine der siebziger Jahre – verbinden diese praktischen Stil-Möbel doch ideal das Angenehme mit dem Nützlichen.

20 Jahre nach dem DS lancierte Citroën den Nachfolger: 1975 kam der CX. Windschlüpfig und komfortabel, trägt er unter dem Blech noch viele technische Gene seines Vorgängers. Dazu gehören etwa die hydropneumatische Federung, die auf vier Zylinder beschränkte Motorenpalette und das Einspeichen-Lenkrad. Gewöhnungsbedürftig ist die Knopfdruck-Bremse, die die vertrauten Bedienstandards wie etwa einen fühlbaren Pedalweg vermissen lässt. Nach dem Abstellen des Motors senkt sich die Karosserie auf ihr Minimalniveau ab, aber im Betrieb kann der Fahrer den CX pneumatisch eine Hand breit anheben – für Inhaber sehr steiler Garagenzufahrten ist Citroën bisweilen überhaupt die einzige infrage kommende Automarke.

Wer sich mit den Motorleistungen der frühen Jahre von 75 bis 115 PS nicht begnügen mag, findet beim bis 1988 gebauten GTI oder beim Turbo mit bis zu 166 PS den Zusatz-Druck, der dem CX-Fahren Sportlichkeit verleiht. Der Preis dafür: 16 oder 17 Liter auf 100 Kilometer gelten als Durchschnitt.

Wer unter den Kindern italienischer Eltern nach einer viertürigen Limousine mit geräumigem Kofferraum fahndet, findet bei Alfa Romeo eine animierende Alternative zum CX.

Die von 1974 bis 1978 gebaute Giulia Nuova belässt es zwar bei den beiden relativ kleinen Vierzylindern mit 1,3 und 1,6 Liter Hubraum, glänzt aber mit gelifteter Frontpartie, gleich großen Rundscheinwerfern, Holzdekoren im Innenraum und einem Paar Zusatzinstrumenten auf der Mittelkonsole.

Der kleinere Motor ist dabei vom Laufverhalten her der harmonischere Antrieb, in der Leistung jedoch mit 87 PS ein Stück weit von den bis zu 103 des 1600ers entfernt.

Wer die Fahrleistungen eines Porsche 911 in einer viertürigen Mittelklasse-Limousine sucht, wird vielleicht hinter dem Leder-Lenkrad eines BMW 528i glücklich. Der bajuwarische Sechszylinder ist ein schon legendäres Triebwerk: Er bringt es auf 184 PS, die den 528i bis auf 212 km/h beschleunigen.

Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt, die leichte Neigung zum Übersteuern gefällt sportlich ambitionierten BMW-Piloten. Die Qualitätsanmutung? Hochklassig.

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