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Daimler-Chrysler-Hauptversammlung

Zornige Aktionäre

Foto: dpa

Deutschlands führende Fondsgesellschaften sowie Kleinaktionäre haben die Strategie von Daimler-Chrysler-Konzernchef Jürgen Schrempp heftig kritisiert.

06.04.2005

Auf der Hauptversammlung des Stuttgarter Autokonzerns in Berlin entlud sich ihr Zorn vor allem über die massiven Qualitätsmängel bei Mercedes-Benz und das milliardenschwere Smart-Sanierungsprogramm.

Das vorgelegte Restrukturierungsprogramm für Smart sei eine "Bankrotterklärung", sagte DWS-Manager Klaus Kaldemorgen. Er habe den Eindruck, es gehöre inzwischen zur Unternehmenskultur von Daimler-Chrysler, Ergebnisse "schön zu reden". Die Qualitätsmängel bei Mercedes seien jahrelang verdrängt worden. Die Mercedes Car Group werde 2005 in die roten Zahlen rutschen. "Eine Ikone ist Mercedes längst nicht mehr." BMW sei inzwischen bei den Premiumherstellern das Maß aller Dinge. Die DWS-Muttergesellschaft Deutsche Bank ist mit 10,4 Prozent größter Einzelaktionär von DaimlerChrysler.

Schrempp selbstkritisch

Die Fondsgesellschaft Union Investment schloss sich der Kritik an. Der Vorstand habe in den letzten Jahren mehrfach die Prognosen zur operativen Entwicklung revidieren müssen, sagte Union-Sprecher Thomas Meier. Auch die Aussagen zur Ergebnisentwicklung für die Jahre 2005 bis 2007 seien "zu unbestimmt". Union Investment werde sich bei der Entlastung des Vorstandes der Stimme enthalten, sagte Meier unter dem Beifall der Aktionäre.

Konzernchef Jürgen Schrempp zeigte sich teilweise selbstkritisch: Er gebe jedem Aktionär Recht, der die Entwicklung bei Mercedes und smart kritisiere. Gerade die Ergebnissituation bei der Kleinwagenmarke sei "total inakzeptabel". Die Qualitätsmängel bei Mercedes seien aber erkannt und in Angriff genommen worden.

Mehrere Kleinaktionäre warfen Schrempp Missmanagement und Realitätsverlust vor. Seine Strategie der Welt-AG, die auf vier Konzernsäulen ruht, sei gescheitert. Er habe tatenlos dabei zugesehen, wie der Ruf der Marke Mercedes durch schlampige Qualität gelitten habe.

Erstes Quartal: Absatzrückgang

Schrempp deutete an, dass das schlechte Branchenumfeld den Konzern im ersten Halbjahr noch stärker belaste als bislang angenommen. Das erste und zweite Quartal würden "sehr schwierig", sagte er. Noch am Freitag hatte der Vorstand für die ersten sechs Monate lediglich von einer "schwächeren" Entwicklung gesprochen. Der Konzern wird zumindest im ersten Quartal voraussichtlich in die Verlustzone rutschen. Der Mercedes-Benz-Absatz soll 2005 leicht über dem Vorjahresniveau liegen.

Im März hat die Mercedes Car Group den weltweiten Absatz um 1,8 Prozent auf 117.500 Fahrzeuge gesteigert. Bei der Kernmarke Mercedes- Benz sanken die Verkaufszahlen um 2,5 Prozent auf 103.300 Autos. Die defizitäre Kleinwagenmarke Smart steigerte den März-Absatz im Vorjahresvergleich um knapp 50 Prozent auf 14.100 Fahrzeuge, teilte der Konzern mit. Im gesamten ersten Quartal betrug der Absatzrückgang in der Mercedes Car Group mit 261.700 verkauften Autos 4,5 Prozent. Bei Mercedes-Benz gab es ein Minus von 9,2 Prozent auf 226.400 Fahrzeuge, smart steigerte den Absatz zwischen Januar und März um 44 Prozent auf 35.200 Stück.

Für die Smart-Sanierung werden vor allem im ersten Quartal Kosten von bis zu 1,2 Milliarden Euro verbucht. Hinzu kommt unbestätigten Angaben zufolge eine dreistellige Millionensumme für den Mercedes- Rückruf von 1,3 Millionen Fahrzeugen. Am Freitag hatte das Unternehmen die Jahresprognose für den operativen Gewinn reduziert. Die Zielmarke von über 5,8 Milliarden Euro könne wegen der hohen Kosten für die smart-Restrukturierung nicht mehr erreicht werden.

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