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Daimler-Chrysler-Prozess

Kerkorian will eine Milliarde

Foto: dpa

Der US-Investor Kirk Kerkorian verlangt von Daimler-Chrysler mehr als eine Milliarde Dollar Schadenersatz. Das erklärte Kerkorians Anwalt Terry Christensen am Montag (1.12.) zum Auftakt des mit Spannung erwarteten Prozesses um die Umstände der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler 1998 vor einem Bundesgericht in Wilmington (Bundesstaat Delaware).

01.12.2003

Das erklärte Kerkorians Anwalt Terry Christensen am Montag (1.12.) zum Auftakt des mit Spannung erwarteten Prozesses um die Umstände der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler 1998 vor einem Bundesgericht in Wilmington (Bundesstaat Delaware). Bei der Einreichung der Klage vor drei Jahren war noch ein Betrag von acht Milliarden Dollar genannt worden.

Der frühere Chrysler-Großaktionär Kerkorian (86) wirft dem Management vor, den Zusammenschluss fälschlicherweise als "Fusion unter Gleichen" ausgegeben zu haben. Tatsächlich sei es eine Übernahme gewesen. "Sie übernahmen die Kontrolle und sie haben dafür nichts bezahlt", sagte Christensen in seiner Erklärung und sprach von einem "klassischen Betrug". Nach und nach seien aus dem Vorstand des fusionierten Unternehmens bis auf einen einzigen Manager sämtliche amerikanischen Vertreter verschwunden. Kerkorian habe von diesen Entwicklungen nichts ahnen können.

Kein Urteil vor Frühjahr 2004

Die mündliche Verhandlung begann am Montagmorgen mit einem großen Medienaufgebot. Bis zum 17. Dezember befragen die Anwälte die Zeugen der Gegenseite, ein Urteil wird erst im Frühjahr 2004 erwartet. Kerkorian und seine Investment-Gesellschaft Tracinda vertreten die Ansicht, sie hätten im Fall einer Übernahme einen höheren Preis beim Tausch ihrer Aktien erhalten können. Durch die angebliche Tarnung des "Takeovers" als Fusion unter der Federführung von Vorstandschef Jürgen Schrempp (59) sei ihnen ein hoher Schaden entstanden. Kerkorian wird nach Aussage eines Tracinda-Anwaltes an diesem Dienstag vor Gericht auftreten.

Daimler-Chrysler-Anwalt Mike Schell wies die Vorwürfe vor Beginn des Prozesses als "absurd" zurück. Der Zusammenschluss sei eine Fusion "im wahrsten Sinne des Wortes" gewesen. Ein Vergleich beider Seiten während der laufenden Verhandlung gilt als unwahrscheinlich, ist jedoch nicht völlig ausgeschlossen.

Jürgen Schrempp und Manfred Gentz werden aussagen

In einer Auseinandersetzung mit früheren Chrysler-Kleinaktionären, die aus dem gleichen Grund wie Kerkorian klagten, hatte sich Daimler-Chrysler im Sommer auf einen Vergleich geeinigt und 300 Millionen Dollar gezahlt. Der Fall wäre von Geschworenen entschieden worden, die als wenig berechenbar gelten. In dem Prozess mit Kerkorian fällt Richter Joseph Farnan, Jr. (58), das Urteil. Im Anschluss wären eine Berufung in zweiter Instanz, die mehrere Jahre in Anspruch nehmen würde, und theoretisch auch der Gang zum Supreme Court möglich.

Kerkorian hatte die Klage im November 2000 nach der Lektüre eines Interviews mit Schrempp in der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times" eingereicht. Darin wurde Schrempp mit der Aussage zitiert, man habe aus "psychologischen Gründen" den Umweg einer Fusion gewählt, um Chrysler anschließend in eine bloße Sparte des Konzerns zu verwandeln. Nach Darstellung von Daimler-Chrysler wurden die Aussagen des Managers in dem Interview jedoch nicht korrekt wiedergegeben. Seit Einreichung der Klage legten beide Seiten dem Gericht Papierberge an Unterlagen vor, außerdem wurden bereits Zeugen vernommen. In der mündlichen Verhandlung werden neben Kerkorian auch Schrempp und sein Vorstandskollege Manfred Gentz sowie frühere Chrysler-Manager aussagen.

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