Daimler: Marktgerüchte treiben Aktienkurs

Mit dem Autozulieferer Continental verbindet der Daimler-Konzern strategische Zukunftsthemen und den Durchbruch in der
Batterie-Technologie. Spätestens seitdem Conti die Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe droht, hat auch das Daimler-Management seine Ziele neu ausgerichtet. Der Autokonzern wird wie einer seiner wichtigsten Lieferanten als ernsthafter Übernahme- oder Einstiegs-Kandidat gehandelt. Die Daimler-Aktien sind wegen der Spekulationen seit Tagen auf dem aufsteigenden Ast.

Gerüchte über einen Einstieg des schwedischen Finanzinvestors Cevian Capital wirkten zunächst wie interessengeleitete Fantasien des Kapitalmarktes. Mittlerweile wird auch der größte Staatsfonds der Welt, ADIA aus dem Emirat Abu Dhabi, als ernsthafter Einstiegs-Kandidat gehandelt. Auto-Experten sehen das Emirat Kuwait, das mit einem Anteil von 7,6 Prozent der einzige nennenswerte Anteilseigner bei den Stuttgartern ist, als gewichtigen potenziellen Investor.

Daimler wirbt für Aktienkäufe

Nun ist Daimler spätestens nach den monatelangen Diskussionen über einen Käufer für die schwächelnden US-Tochter Chrysler gewohnt, Spielball der Spekulationen zu sein. Neu ist an der aktuellen Situation, dass das Daimler-Management die Diskussion kräftig mit anheizt und offen über die Zukunft mit einem potenziellen Investoren kokettiert. Neben dem Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche und Finanzchef Bodo Uebber rühren auch Aufsichtsratschef Manfred Bischoff und sogar der Betriebsrat die Werbetrommel für den Kauf von Daimler- Anteilen.

Mit diesem Kurs hat es das Management offenbar geschafft, was zuvor weder durch strategische Aussagen von Konzernlenker Zetsche noch durch den Kurs stützende Aktienrückkäufe erreicht wurde: Die Daimler-Papier werden von Anlegern gesucht, der Kurs steigt. Nach dem absoluten Tiefpunkt als Reaktion auf die Gewinnwarnung zum Halbjahr mit einem Absturz der Aktie um mehr als elf Prozent gab es kaum noch Abschwünge. Nur als BMW jüngst wie Daimler Produktions-Drosselungen ankündigte, zog das die Stuttgarter an der Börse kurz mit in den Abwärtsstrudel.

Finanzexperten sehen noch viel Potenzial

Mittlerweile hat sich der Daimler-Kurs auf einem Niveau von rund 42 Euro stabilisiert. Das ist zwar immer noch deutlich unter dem Spitzenwert von über 78 Euro im Herbst vergangenen Jahres. Autofachleute wie der Nord/LB-Finanzmarktexperte Frank Schwope oder Frank Biller von der LBBW sehen aber das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Wie beim bayerischen Konkurrenten BMW seien die Aktien von Daimler derzeit stark unterbewertet. Sollten sich die Verkaufszahlen der Autobauer in die richtige Richtung entwickeln und die Währungsrisiken verringern, sei mittel- und langfristig mit einem
weiteren deutlichen Anstieg zu rechnen, prognostizieren die Experten.

Wie die Finanzfachleute sieht auch der Gelsenkirchener Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer die sich verdichtenden Spekulationen um den Einstieg eines Investors bei den Stuttgartern jedoch als den entscheidenden Kursmotor. "Die VW-Aktien lagen vor dem Einstieg von Porsche auch auf dem heutigen Daimler-Niveau. Außer, dass (Porsche-Chef) Wendelin Wiedeking jetzt das Thema bei VW ist, hat sich wirtschaftlich kaum was verändert", betont Dudenhöffer. Der Kurs der Wolfsburger liegt mittlerweile bei rund 203 Euro.

Dass die Stuttgarter Vorstandszentrale aber nur auf Marketing-Tour ist, um Hedge-Fonds-Heuschrecken oder Schnäppchen-Jäger abzuschrecken, nehmen die Branchenkenner indes nicht an. Die Automanager führten im Gegenteil zahlreiche Gespräche mit potenziellen Interessenten, ist aus Unternehmenskreisen zu hören. "Durch den extrem hohen Streubesitz und den aktuellen Börsenwert ist Daimler im Moment der interessanteste Autowert überhaupt", erklärt Schwope.

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dpa

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