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Daimler verliert größten Aktionär

Abu Dhabi steigt bei Autobauer aus

Mercedes Stern Logo Foto: Daimler

Daimlers bedeutendster Großaktionär, das Scheichtum Abu Dhabi, verabschiedet sich von seiner direkten Beteiligung an dem deutschen Autobauer.

12.10.2012 dpa

Der Staatsfonds Aabar besitze keine direkten Stimmrechte mehr an dem Dax-Konzern, wie am Donnerstag (11.10.) aus einer Mitteilung an die Finanzwelt hervorging.

Ein Daimler-Sprecher erklärte auf Anfrage, dass Aabar keine physischen Aktien mehr halte, sehr wohl aber noch Zugriffsrechte auf die Papiere. Der Großaktionär habe seine Beteiligung an den Schwaben neu geordnet. "Das respektieren wir natürlich", sagte der Sprecher. Die Motive für den Rückzug wollte er nicht kommentieren. "Wir sind´mit unserer Aktionärsstruktur weiterhin sehr zufrieden." Wer die Anteile von Aabar übernommen hat, war zunächst nicht zu erfahren.

Araber verlieren Lust an Daimler

Die Scheichs hielten über den Staatsfonds Aabar Investments bisher 3,07 Prozent direkt an Daimler. Jedoch hatten sie weitere Anteile aus früher direkt gehaltenen Wertpapierpaketen an die Finanzwelt auch verliehen und besaßen dabei sogenannte Rücklieferungsansprüche. Unter dem Strich waren so damals insgesamt 9,04 Prozent Aabar zuzurechnen. Bereits im Anfang 2012 erschienenen Daimler-Geschäftsbericht ist von einer "Reihe von Finanzierungstransaktionen" die Rede, mit dem Aabar die Struktur seines Anteilsbesitzes verändert hatte.

Nach den Angaben des Sprechers halte Aabar nun keine Stimmrechte mehr - es lägen quasi keine Aktien mehr im Tresor. Jedoch besitze Aabar über Finanzinstrumente inzwischen indirekte Zugriffsrechte auf nunmehr 12,75 Prozent. Nach den Änderungen ist Kuwait Daimlers größter Ankerinvestor - mit 7,6 Prozent direktem Anteilsbesitz.

Für seinen Anteil hatte das Emirat Abu Dhabi 2009 je Aktie 20,27 Euro bezahlt, insgesamt flossen 1,95 Milliarden Euro. Derzeit sind die Papiere in etwa doppelt so viel wert. Die Araber hatten sich den Einstieg bei Daimler mitten in der Autokrise günstig gesichert und den Stuttgartern damit eine willkommene Finanzspritze gewährt. Damals hieß es, die neue Partnerschaft solle auf Jahrzehnte angelegt sein.

Doch seit Monaten gibt es Gerüchte, der Großaktionär wolle sein junges Engagement bei Daimler bald beenden. Angeblich verlor der Staatsfonds zunehmend die Lust an seinem Einsatz, weil das Investment - Daimlers gestiegenem Aktienkurs zum Trotz - bilanziell auch negativ zu Buche schlug. So weist Aabar in Berichten an die Finanzwelt auf langfristige Absicherungsgeschäfte für den Daimler-Kurs hin. In die Zukunft gerichtete Optionen dieser Art können Bilanzen auch belasten.

Andere deutsche Autobauer haben weitaus solidere Ankerinvestoren. BMW etwa hat die Familie Quandt im Boot, die fast die Hälfte der Papiere besitzt. Und Europas größter Autobauer  Volkswagen mit seinen Daimler-Konkurrenten Porsche und Audi ist komfortabel abgesichert über den Familienclan Porsche/Piëch und das Bundesland Niedersachsen.

Der Aktionärsmix von börsennotierten Firmen lässt erahnen, wie wahrscheinlich feindliche Übernahmen sind. Sinkt ein Aktienkurs in  einer Wirtschaftskrise merklich und sind genug Verkaufsinteressenten vorhanden, können Dritte unter Umständen leichter nach der Macht greifen - falls Ankerinvestoren als Fels in der Brandung fehlen.

Inwieweit der Rückzug Aabars Einfluss auf das Alltagsgeschäft hat, war am Donnerstag zunächst nicht zu erfahren. Beide Partner arbeiten etwa bei der Formel-1 zusammen. Dort gibt es gesonderte Verträge. "Heute gab es nur eine Stimmrechtsmitteilung. Darüber hinaus gibt es zu den laufenden Kooperationen keinen neuen Stand", sagte ein Daimler-Sprecher.

Experten sehen keine Alarmzeichen

Branchenexperten sehen in dem Rückzug des bedeutendsten Daimler-Großaktionärs Abu Dhabi kein Alarmzeichen für den Autobauer. "Es ist natürlich keine tolle Nachricht für Daimler, einen großen Ankeraktionär zu verlieren. Aber ich sehe darin auch keinen Grund zur Panik", sagte Autofachmann Stefan Bratzel am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Auch Börsenexperten werten den Rückzug Aabars nicht zwangsläufig als eindeutiges Zeichen für einen Vertrauensverlust in den Autobauer. Börsen- und Finanzfachleute gehen davon aus, dass die Entscheidung, dass die Scheichs ihren letzten direkt gehaltenen Anteil vor wenigen Tagen abstießen, eher mit der Entwicklung des Daimler-Kurses und der ganz generellen Befürchtung zusammenhängt, dass Geld in der Autobranche nicht mehr gut aufgehoben sein könnte.

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