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Dakar

Nissen nennt Mitsubishi als Favorit

Foto: VW

Der VW-Sportchef verrät im Interview, warum er seine Mannschaft bei der Rallye Dakar nicht in der Favoritenrolle sieht, was VW 2007 besser machen muss und warum sein Konzern auch in Zukunft in der Rallye Raid-Szene bleibt.

28.12.2006 Powered by

Wie geht es dem eingefleischten Rundstreckenmann Kris Nissen nach drei Jahren Wüstenrallyes?

Kris Nissen: "Mir ging es von Anfang an sehr gut. Ich denke, dass es ein großer Vorteil ist, dass es dabei zwar auch um Motorsport geht, aber um ein für mich ganz neues Gebiet. So ist nie die Gefahr gekommen, dass ich sofort sage: Das kann ich besser. Ich bin ja nie Rallyes gefahren. Mir war schnell klar, dass wir viel Know-how ins Haus holen und viel lernen müssen. So hat man einen schwierigeren Start, aber danach legst du viel steiler los."

Sie haben mehrmals betont, ihre Mannschaft wäre jetzt ein richtiges Team. Woran wird das erkennbar?

Kris Nissen: "2006 ist uns klar geworden, dass es nicht reicht, einfach nur die Autos schneller zu machen. Eine weitere Sache sind Logistik und der Service. Das andere ist die Bereitschaft der Fahrer, als Team anzutreten. Da geht es zum Beispiel darum, Informationen auszutauschen. Es müssen alle offen und ehrlich miteinander sein. Und da ist es vielleicht auch mal nötig, zu zweit zu fahren oder notfalls auch anzuhalten, um sich gegenseitig zu helfen."

Trotz all Ihrer Anstrengungen: Viele sehen immer noch Mitsubishi als Favorit ...

Kris Nissen: "Auch ich sehe Mitsubishi als Favorit. Die haben elf Siege, das hat noch kein anderer geschafft. Sie hatten in den letzten drei Jahren drei Siege. Aber wenn man die Erfolgskurve von Volkswagen ansieht - auch im Weltcup - kommt immer mehr Blau ins Spiel. Wir waren im Offroad-Gebiet noch nie so nah dran. Ich glaube, dass wir auf einem Teil der Strecke das schnellste Auto haben, auf einem anderen Teil sicherlich Mitsubishi und Schlesser, aber das ist gar nicht der Schlüssel. Man darf den Faktor Fahrer nicht vergessen. Auch wenn mir meine Fahrer jetzt vielleicht böse sind: Mit Peterhansel hat Mitsubishi einen kleinen Vorteil, der ist ja quasi in der Wüste geboren."

Sie betonen immer wieder die kontinuierliche Steigerung ihrer Mannschaft. Letztes Jahr waren Sie Zweiter, müssen Sie da nicht jetzt gewinnen?

Kris Nissen: "Ich schätze, dass wir mindestens zwölf Autos haben, die für Tagessiege in Frage kommen und fünf oder sechs, die eine Chance auf den Gesamtsieg bei der "Dakar" haben. Die ersten vier Plätze gehen an Volkswagen und Mitsubishi. Unsere Chancen sind auf jeden Fall größer als im Jahr 2006. Aber einen kalkulierbaren Sieg gibt es bei der Dakar nicht."

Wie hoch ist der Druck aus der Vorstandsetage? Heißt es da: Entweder ihr gewinnt, oder wir drehen den Geldhahn zu?

Kris Nissen: "Nein, das wäre auch der falsche Weg. Man kann den Motorsport nicht betrachten wie einen Schalter, wo es heißt: Licht an, Licht aus. Wenn man in der Fußball-Bundesliga nicht Meister wird, sagt auch niemand: Wir machen den Verein zu. In der Formel 1 würden sonst nur noch Renault und Ferrari mitfahren. Ein Konzern macht Motorsport nicht zum Spaß, er fragt sich, wo ist der Return on Investment? Habe ich viele positive Schlagzeilen? Da ist die Dakar nach der Formel 1 das größte Motorsport-Event, und wir sind vorn dabei. Natürlich ist ein Sieg auch ein Erfolgskriterium, aber wenn alles stimmt, kommt der Sieg automatisch oben drauf. Es gibt Hersteller, die sind mit viel Geld und schönen Farben nicht so weit gekommen wie wir. Darauf können wir stolz sein."

Besteht dennoch die Gefahr, dass der Vorstand nach der Dakar den Stecker zieht?

Kris Nissen: "Wir haben heute nicht mehr das Fragezeichen, ob wir übermorgen noch fahren. Volkswagen ist im Marathonsport heute eine feste Größe. Ich sehe Volkswagen auch 2008 im Spitzensport, und im Moment ist das ganze Team für Rally Raids aufgebaut. Natürlich kann man die Mannschaft auch auf etwas anderes einstellen, aber einen erfolgreichen Wechsel vor 2009 halte ich nicht für einfach."

Macht Sie als ehemaliger Fahrer die passive Rolle des Sportchefs nicht manchmal fertig?

Kris Nissen: "Es gab Situationen, wo ich enttäuscht war, wenn Dinge nicht umgesetzt wurden. Aber nach drei "Dakar" sehe ich viel besser, was geht und was nicht. Ein Beispiel: Bei den Fahrern sieht manches so aus, als ob sie sich herausreden möchten, aber vom Cockpit aus sieht die Situation tatsächlich völlig anders aus als von außen. Der Fahrer hat nur sehr wenig Zeit für seine Entscheidungen. Die Fernsehbilder dagegen kann man immer wieder zurückspulen. Da ist Verständnis für beide Seiten gefragt."

Was macht VW 2007 außer der Dakar?

Kris Nissen: "Grundsätzlich setzen wir unsere erfolgreiche Nachwuchsförderung mit dem Polo-Cup fort. Darüber hinaus laufen Gespräche mit Importeuren, wie wir mit unseren Produkten in verschiedenen Ländern günstigen Breitensport betreiben können. Wir werden Renn-Polo mit verschiedenen, sehr zuverlässigen Motor-Varianten vorbereiten und zu möglichst niedrigen Preisen für eigene Markenpokale anbieten."

VW Südafrika hat einen Rallye-Polo nach dem neuen Super 2000-Reglement entwickelt. Gibt es mit diesem Auto irgendwelche Pläne?

Kris Nissen: "Wenn alles nach Plan läuft, kann ich mir gut vorstellen, dass das Auto künftig in Belgien in privater Hand fährt, aber das ist kein Werks-Engagement. Wir planen derzeit nicht in diese Richtung."

Aber bei der Super 2000 geht es laut FIA doch auch um Breitensport für Kundenteams ...

Kris Nissen: "Wir wissen doch alle, dass es auch im Kundensport ohne Werksunterstützung nicht geht und enorme Investitionen nötig sind, um konkurrenzfähig zu sein. Egal, wie man das Reglement macht, es wird immer so sein, das am Ende ein Auto überlegen ist. Und wenn ein Auto nicht siegfähig ist, ist es besser zu sagen, man engagiert sich nicht."

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