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Das Apple-Auto

IT-Gigant mit Kleinwagenidee

Apple, Symbol Foto: Apple 4 Bilder

Ein Fahrzeug ist eine der wenigen Komponenten, die Apple noch fehlen, um die Kunden vollständig in die eigens geschaffene Welt einzubürgern. Für dieses Projekt liebäugelt der IT-Konzern mit interessanten Partnern.

17.04.2015 Jens Dralle

Dass ein zu ausgeprägtes Selbstbewusstsein bei manchen Projekten hinderlich sein kann, muss Apple bislang noch nicht stören. "Ach wissen Sie", ließ eine Managerin des IT-Giganten ihr Pendant bei Mercedes im Rahmen der Zusammenarbeit beim Carplay-Projekt wissen, "wir sind Apple. Sie sind nur Mercedes." Trotzdem hätte auch Mercedes nichts gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Apple, denn die Marke gilt nach wie vor und mit großem Abstand als der Premium-Anbieter für IT-Produkte. Hinsichtlich des Volumens sind dagegen andere wie beispielsweise Samsung deutlich größer.

Apple in den Startlöchern

Dennoch: Über eine derart prall gefüllte Kriegskasse – rund 200 Milliarden US-Dollar stecken darin – verfügt wohl kaum ein anderes Unternehmen. Ein guter Grundstock also, um sich daran zu machen, ein riesiges, noch brachliegendes Stück Land in der Apple-Welt zu beackern: das Auto als solches. Schluss mit halbherzigen Versuchen, das eigene Betriebssystem auf fremde Elektronikarchitekturen aufzupropfen, eine Komplett-Integration ist das Ziel.

Die Systeme bei Mercedes und Ferrari stellen bislang keinen Nutzer sonstiger Apple-Produkte zufrieden. Woran das liegt? Da wäre es wieder, das Ego: Apple will nicht das nötige Wissen preisgeben, damit ein Autohersteller die Technologie vernünftig integrieren kann. Und die Autohersteller wollen sich nicht von Apple das Recht an den gesammelten Daten mopsen lassen. Also greifen die Kalifornier jetzt konsequent an.

Ob nun die etablierten Hersteller zittern müssen? Angst, dass Apple sie in ihrer Kernkompetenz an die Wand spielt, müssen sie zumindest keine haben. Aus eigener Kraft ein komplett eigenständiges Automobil zu schaffen, das tatsächlich schon 2020 auf den Straßen rollt, ist nicht der Plan.

JJ - der Neue bei Apple

Stattdessen heuert Apple Experten an, etwa den Ex-Mercedes-Manager Johann Jungwirth, der als President und CEO von Mercedes Research und Development North America auch das Forschungsstudio in Sunnyvale, Kalifornien, verantwortet hat. JJ, wie er in der Szene gerufen wird, kennt die gesamte Zukunftsstrategie von Mercedes, weiß alles über neue Bedienkonzepte, Infotainment, Telematik und autonomes Fahren. Als Apple ihn abwerben wollte, konterte Mercedes mit dem Angebot, dass er in eine höhere Position ins Designstudio Sindelfingen wechseln könne. Jungwirths Aufstieg bei Mercedes galt als sicher, doch Apple legte noch einmal nach – und der IT-Spezialist ist nun als Direktor der Mac-Systems-Engineering-Sparte in das Autoprojekt involviert.

Darüber hinaus arbeitet Apple derzeit eng mit Magna International zusammen, um zu verstehen, wie ein Auto entwickelt wird. Magna verfügt als einer der weltweiten Stars der Zulieferbranche über Einblicke in nahezu alle Autokonzerne der Welt. Magna dementiert die Zusammenarbeit im Übrigen nicht. Zudem agiert das Unternehmen am Standort Graz als Auftragsfertiger, kennt also die gesamte Bandbreite der Wertschöpfungskette – bis auf Vertrieb und Service.

Kooperation zwischen Apple und BMW?

Und trotz allen Selbstbewusstseins – diesen Klotz will sich Apple offenbar nicht ans Bein binden. Dafür spricht, dass derzeit ein intensiver Austausch zwischen dem IT-Konzern und BMW stattfindet. Die Gespräche mit Mercedes wurden dagegen bereits vor einigen Monaten ergebnislos abgebrochen. BMW jedoch erscheint vor allem aufgrund der i-Modelle interessant. "Die haben uns immer wieder gesagt, wie mutig sie diesen Schritt finden", verrät ein hochrangiger BMW-Manager. Nach wie vor zeigen beide Konzerne Interesse an einer gemeinsamen Zusammenarbeit, Gespräche laufen, fixiert ist hingegen noch nichts.

Wie könnte so ein Szenario aussehen? Apple will unbedingt ein Fahrzeug, in dem das eigene Betriebssystem von Anfang an vollständig integriert ist, und bekommt somit Zugriff auf sämtliche Daten. Der Kunde wird damit geködert, dass nun nicht nur sein Telefon, seine Uhr, sein Tablet, sein Laptop und sein Rechner zu Hause miteinander kommunizieren, sondern auch noch sein eigenes Auto.

BMW profitiert durch den Image-Schub des i-Projekts und möchte sich weiter als führend auf dem Infotainment-Sektor positionieren. Und ganz nebenbei könnte ein umgestrickter i3 die Marke bei einer Klientel ins Bewusstsein rücken, die sich bislang vielleicht gar nicht so sehr für das Auto als solches interessierte. Ein i3 mit Apfel statt Propeller auf der Haube also? Zumindest passt das innovative Elektroauto bestens ins Apple-Konzept: anders als alle anderen, nicht der klassischen alten Schule verpflichtet, sondern zukunftsorientiert, urban, hochwertig – und teuer.

Offene Fragen

Im Prinzip könnte sogar der Vertrieb in den Apple-Stores der Metropolen dieser Welt stattfinden, um den Service kümmert sich dann die örtliche BMW-Niederlassung. Klingt einfach? Für Apple erscheint diese Lösung zumindest attraktiver, als selbst eine komplette Vertriebs- und Service-Infrastruktur zu etablieren – damit würde schlicht zu viel Geld verbrannt, was trotz dicker Konzern-Geldbörse die Anleger verärgern dürfte.

Zwischen BMW und Apple müssen jedoch noch einige offene Fragen beantwortet werden, vor allem die eine: Wie weit lassen sich beide vom anderen in die Karten schauen? Denn soll das Betriebssystem iOS vollständig auf den i3 appliziert werden, müssten die Bayern ihr Antriebs-Management offenlegen, zumindest in Teilen. Und wenn BMW den Service übernehmen soll, braucht das Personal intensive Schulungen für das Betriebssystem.

Ähnlich schwierig dürfte die Vermarktung werden, denn die Bayern möchten sicher vom Apple-Image profitieren – aber umgekehrt? Hier kommt wieder das Selbstbewusstsein der Kalifornier ins Spiel. "Ach wissen Sie, wir sind Apple. Und Sie nur ..."

Fazit

An Apple a day ...

... keeps the doctor away. Na, in der Automobilbranche dürfte Apple eher für Bauchschmerzen sorgen. Klar ist: Neben Smartphones, Tablets und so weiter wird künftig auch ein Automobil das Angebot bereichern. Aber keines mit dreieckigen Rädern oder wenigstens ohne Lenkrad. Noch nicht einmal ein völlig eigenständiges Fahrzeug wird es werden. Vielmehr möchte Apple zeigen, wie unverzichtbar das eigene Betriebssystem für ein Automobil und dessen Nutzer sein kann – zumindest in bestimmten, eher hochpreisigen Segmenten.

Also suchen sich die Kalifornier nun einen Partner, der ihnen die dafür passend erscheinende Basis sowie die nötige Infrastruktur liefert. Dabei führt sicher kein Weg an BMW mit den i-Modellen vorbei, speziell der i3 passt perfekt. Das gilt sowohl für die Technologie als auch für das Image. Und so ein "i3 by Apple" könnte für beide Unternehmen neue Käuferschichten erschließen. Spannende Frage am Rande: Fahren ihn dann auch die Apple-Vorstände? Einige von ihnen genießen derzeit noch unter anderem lieber ihren Bentley Mulsanne – ganz klassisch und konventionell.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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