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Das unbekannte Geely-Imperium

Das steckt hinter Volvo, Lotus, Terrafugia, Lynk & Co.

Lynk & Co Foto: Geely 32 Bilder

Der chinesische Autobauer Geely reitet derzeit auf einer Erfolgswelle: Die Volvo-Modelle verkaufen sich bestens, Proton mit Lotus wurde unlängst einverleibt, mit Lynk & Co steht eine weitere Premiummarke in den Startlöchern. Aber, was steckt hinter Geely? Ein Konzern-Portrait.

02.08.2017 Holger Wittich 1 Kommentar

Der Gründer von Geely

Firmengründer Li Shu Fu hat Geely am 6. November 1986 gegründet. Der 1963 geborene Li, Sohn eines Reisbauern, ist gelernter Maschinenbauingenieur. Er steht mit einem Vermögen von 5,2 Milliarden US-Dollar auf Platz 30 der Forbes-Liste der reichsten Männer Chinas.

Das Unternehmen Geely startete mit Kühlschrankteilen

Li Shufu Foto: Volvo
Geely-Gründer Li Shufu war am Anfang mit der Qualität seiner Autos nicht zufrieden. Der 54-Jährige gilt als gut vernetzt in China.

Zunächst produzierte Geely (übersetzt „Glück“ oder gar „Glück verheißend“) Kühlschrankteile, 1992 begann man mit dem Motorradbau, bevor 1998 das erste Fahrzeug vom Band rollte. Diese sollen jedoch so schlecht verarbeitet gewesen sein, dass Geely-Gründer Li sie sofort verschrotten ließ.

Geely ist übrigens der erste privatwirtschaftliche Autobauer in China. Neben der Automobilproduktion ist der Konzern auch im Import/Export-Geschäft, auf dem Immobiliensektor sowie in der Hotelbranche und als Reiseunternehmen tätig.

Die Geely Automobile Holdings Ltd machte 2016 einen Nettogewinn von 2,26 Milliarden Yuan (ca. 688 Mio Euro). Zum Vergleich, die Tochtermarke Volvo erwirtschaftete 2016 11 Milliarden schwedische Kronen (ca. 1,2 Milliarden Euro). Der Umsatz erhöhte sich von 164 Milliarden auf 181 Milliarden Kronen.

In China besitzt Geely aktuell über 920 Verkaufsstellen. Das Unternehmen ist in 23 weiteren Ländern mit 489 Verkaufsstellen vertreten. Zu den Top-Exportländern zählen Ägypten mit 4.800 Einheiten im Jahr 2016 sowie Weißrussland (4.430 Einheiten) und Saudi Arabien (3.893 Einheiten).

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Außerhalb Chinas, im schwedischen Göteborg, sitzt seit der Übernahme von Volvo wohl das wichtigste Entwicklungszentrum. Die China Euro Vehicle Technology AB (CEVT) entwickelt unter anderem die CMA-Plattform (Compact Modular Architecture) für Volvo und Lynk & Co. Dort arbeiten rund 2.000 Ingenieure, Designer und Berater. CEVT entwickelt auch für The London Taxi eine voll elektrifizierte Bodengruppe.

Bereits Mitte 2016 hat Geely 48 Prozent der Anteile am Batteriehersteller Shandong Forever New Energy von der Honbridge Holdings übernommen. Die Anteile kosteten über 43 Millionen Euro. Das Unternehmen fertigt Lithium Ionen-Batterien, zu den größten Kunden zählte bisher auch schon ein Geely-Joint-Venture. Damit wappnet sich das Unternehmen schon für eine drohende E-Auto-Quote und die Erfüllung des „Made in China“-Plans 2025 mit dem unter anderem die Entwicklung und der Verkauf von Elektroautos vorangetrieben werden soll. So sollen dem Plan nach vier von fünf in China verkaufen Elektroautos auch in der Volksrepublik gefertigt werden.

Die Produktion: Ab 2020 zwei Millionen Autos

In China werden an neun Standorten Automobile gefertigt inklusive der Volvo-Werke in Daqing (S90) und Chengdu (60er-Baureihe). Im Osten Chinas entsteht ein drittes Volvo Werk: In Luqiao, rund 350 Kilometer südlich von Schanghai, ist die Produktion der Modelle auf CMA-Plattform (Lynk&Co, XC40) geplant.

Die Produktionszahlen von Geely in China steigen von 414.465 Einheiten im Jahr 2010 bis 765.970 Einheiten 2016. Für 2017 wurde das Ziel von 1 Millionen Fahrzeuge nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr (530.627 Einheiten) um 10 Prozent auf 1,1 Millionen Fahrzeuge erhöht. Bis 2020 sollen es dann 2 Millionen Fahrzeuge sein.

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Volvo hat indes 2016 534.332 Fahrzeuge weltweit abgesetzt. In China, dem größten Einzelmarkt, waren es 90.930 Modelle, eine Steigerung von 11,5 Prozent. Bis 2020 sollen 800.000 Volvo-Modelle weltweit verkauft werden. Übrigens: Konzernweit sollen 1 Millionen Fahrzeuge auf der neuen CMA-Plattform aufbauen, davon rund 300.000 Modelle der neuen Volvo 40er-Baureihe (V40, S40 und XC40).

Die Marken

Bis 2012 hat Geely in China noch Fahrzeuge unter dem eigenen Namen (chinesisch „Jili“) auf den Markt gebracht. Die ersten Modelle waren die CJB 6360-Limousine, der CJB 6410 Kombi sowie das Pickupmodell CJB 1010 auf Daihatsu-Basis.

Geely Logo Foto: Geely
Der Autobauer fasst seine Marken Emgrand, Englon und GLEagle wieder unter der gemeinsamen Marke Geely zusammen.

Aktuell besinnt man sich wieder auf diese Marke und subsummiert unter der Marke Geely die frühere Modellreihen „GLEagle“, „Emgrand“ und „Englon“ für den Massenmarkt, Volvo beackert den Premiummarkt, dazwischen ist Lynk&Co als neue globale Marke mit europäischem Design positioniert. Sie wird in klassischen Autohäusern vertrieben, aber auch online. Im 4. Quartal soll die Marke in China in 200 Autohäusern in 120 Städten angeboten werden und eine lebenslange Fahrzeug-Garantie sowie einen kostenlosen Assist-Service bieten. In Europa kommt das erste Modell Lynk&Co. 01 im 1. Quartal 2019 auf den Markt, danach wird Lynk&Co. in den USA vertrieben.

Die Modelle

Der große Plan von Geely ist, bis 2020 die Verbräuche seiner Modelle auf unter 5 Liter pro 100 Kilometer zu senken, dazu sollen Plug-in-Hybride zum Preis konventioneller Modelle angeboten werden. Der Anteil von Plug-in-Hybirden und Elektromodellen soll 90 Prozent betragen, in welchem Zeitraum lassen die Chinesen noch offen. Hier die wichtigsten Modelle der Marke:

Geely GC9 Foto: Geely
Der GC9 wurde vom ehemaligen Volvo-Designer Peter Horbury gezeichnet, der unter anderem für die erste Generation des Volvo S40 verantwortlich war.

Geely GC 9: Die Limousine ist 2016 in China zum „Car of the year” gewählt worden. Angetrieben wird der fast 5 Meter lange GC9 von einem 1,8-Liter-Turbo sowie einem 2,4-Liter und einem 3,5-Liter-V6-Sauger mit 162 beziehungsweise 270 PS sowie einem 2,0-Liter-Sauger mit 162 PS. Der Turbo leistet 220 PS und stemmt ein maximales Drehmoment von 250 Nm auf die Kurbelwelle. Die Kraftübertragung erfolgt über einen Sechsgang-Automatik. Der Preise beginnen bei umgerechnet 16.700 Euro. 2016 wurden 52.569 Modelle abgesetzt.

Geely Boyue: Der große SUV mit 4,519 Metern Länge kommt ebenfalls mit einem 1,8-Liter-Turbo-Benziner und einem Zweiliter-Sauger daher. Der Turbo leistet 184 und 163 PS und ist in der starken Version für 285 Nm Drehmoment gut. Der Zweiliter leistet 141 PS. Die Preise für den SUV starten bei rund 12.700 Euro. 2016 hat Geely 111.539 Boyue abgesetzt.

Geely Vision X6: 4,50 Meter misst der SUV in der Länge und geht unter anderem mit einem 1,3-Liter-Turbo oder einen 1,8-Liter-Suager an den Start. Der Turbo leistet 130 PS ebenso wie der Sauger und 185 Nm. Außerdem bietet Geely noch einen Zweiliter mit 141 PS an. Kraftübertragung: Per Achtgang-CVT oder Fünfgang-Schaltgetriebe. Kostenpunkt in China: rund 10.500 Euro. Im vergangenen Jahr wurden vom Vision X6 52.087 Modelle abgesetzt.

Emgrand GS: 4,440 Meter misst der Crossover-SUV Emgrand GS, der wahlweise von zwei Vierzylinder-Benzinern mit 1,3 (130 PS, 185 Nm) und 1,8 Litern Hubraum befeuert wird. Für die Kraftübertragung sorgen wahlweise ein Sechsgang-Schaltgetriebe oder ein automatisiertes Sechsgang-Schaltgetriebe. 2016 wurden 61.224 Emgrand GS ab 10.000 Euro an den Chinesen gebracht.

Emgrand GL: Die Limousine mit 4,725 Metern Länge ist über dem Emgrand Sedan (oder Emgrand 7) positioniert und verfügt über einen 1,3-Liter-Turbo mit 130 PS und einen 1,8-Liter-Turbo mit 134 PS. Als maximales Drehmoment stehen ihm 170 beziehungsweise 185 Nm zur Verfügung. Die Preise beginnen ab 10.100 Euro.

Geely Emgrand EV Foto: Geely
Der Emgrand EV ist das erste neue reine E-Auto der Marke Geely und kommt auf eine Reichweite von 330 Kilometer.

Das wichtiges Zukunftsmodelle ist für Geely jedoch der Emgrand EV, ein reines E-Auto mit 130 Leistung und 240 Nm Drehmoment sowie einer Top-Speed von 140 km/h. Die Reichweite beträgt 330 Kilometer bei 60 km/h. Der Emgrand EV ist das erste Elektro-Modell von Geely und wurde Ende 2016 in China eingeführt. Schnell machte sich der Emgrand EV auf, an die Spitze der Zulassungen zu fahren, im Dezember griffen 6.023 Chinesen zu. Das Modell kostet umgerechnet ab 32.500 Euro.

Des Weiteren hat das Unternehmen noch den Geely Yuanjing X1 seit Mai 2017 im Angebot. Der kleine Crossover basiert auf dem Kleinwagen Geely Panda, den es seit 2009 auf dem Markt gab und mit dem X1 eingestellt wurde. Der X1 kostet ab 5.100 Euro und erhält die alte Panda-Technik bestehend aus eine, 68 PS starken 1,0-liter—Benziner und einem neuen 1,3-Liter mit 88 PS. Den Kraftschluss stellen wahlweise eine Viergang-Automatik oder ein manuelles Fünfganggetriebe her.

Neben dem X1 plant Geely noch einen weiteren kompakten SUV. Hier nutzen die Chinesen die neue CMA-Plattform von Volvo. Als ausgeschlossen gilt jedoch, dass dieses Modell auch als Volvo XC20 auf den Markt kommen wird.

Apropos CMA-Plattform: Auf ihr basieren auch die beiden Modelle Lynk & Co. 01 sowie Lynk & Co. 02. Der SUV Lynk & Co. 01 wird noch 2017 auf den Markt kommen und einen Plugin-Hybrid-Antrieb aufweisen. Den Antrieb übernehmen zunächst zwei Benzin- und ein Dieseltriebwerk mit einem Leistungsspektrum von 150 bis 197 PS. Der Dreizylinder-Benziner soll 180 PS leisten, der Zweiliter-Vierzylinder 197 PS. Dazu kommt ein Turbo-Dreizylinder-Benziner in Kombination mit einem Elektromotor. Die Limousine Lynk & Co. 03 wird später auf den Markt kommen, vermutlich 2018. Auch sie nutzt die CMA-Plattform und bedient sich beim kommenden Volvo S40. Technische Angaben zu dem Modell gibt es indes noch nicht. Hybrid-Antriebe scheinen gesetzt, auch der 1,5-Liter-Verbrenner. Insgesamt sollen 10 neue Modelle der Marke bis 2020 entstehen.

Lynk & Co 03 Sedan ConceptChina-Limo auf S40-Basis

Der Proton/Lotus-Deal

Mitte 2017 hat Geely 49,9 Prozent am malayischen Autohersteller Proton übernommen und damit Zugriff auf den Sportwagenbauer Lotus erhalten. Damit haben die Chinesen fortan die Hoheit über Lotus samt deren Fertigungs- und Entwicklungs-Knowhow. Insbesondere die Leichtbau-Technologien sollen Geely bei der Verbrauchsreduktion seiner Flotte helfen. Dazu haben die Chinesen indirekt auch einen Marktzugang mit rechtsgelenkten Fahrzeugen, der immerhin 8 Millionen Fahrzeuge ausmacht. Außerdem ist Proton als asiatische Marke besonders auf den großen schnellwachsenden Märkten von Malaysia und Thailand bereits eingeführt und bekannt.

Der Volvo Deal

Li kaufte für umgerechnet 1,8 Milliarden US-Dollar (1,4 Milliarden Euro) Ende März 2010 die schwedische Nobelmarke von Ford, die die Amerikaner finanziell zu Grunde gerichtet hatten. Zu diesem Zeitpunkt war Geely bereits mit rund 400.000 Fahrzeuge Chinas größter privater Autobauer, in Sachen Umsatz jedoch deutlich kleiner als Volvo. Außerdem war Geely zum Zeitpunkt der Übernahme hoch verschuldet, so dass Finanz-Experten die Übernahmen durchaus kritisch sahen.

Auch die Sanierung des schwedischen Autobauers gestaltete sich schwierig, 2012 wäre Volvo fast in die Insolvenz geraten, nicht zuletzt wegen interner Querelen zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Jacoby und dem ehemaligen Volvo Aufsichtsrat und Li-Berater Hans-Olov Olsson. Erst als Carl-Peter Forster als Aufsichtsrat und Hakan Samuelsson als CEO die Geschicke von Volvo im Herbst 2012 steuerten – nach einer unschönen Entlassung Jacobys während eines Krankenhausaufenthalts – nahm das Unternehmen langsam an Fahrt auf. Auch, weil die beide Volvo-Manager für eine kooperative Zusammenarbeit mit dem chinesischen Besitzer standen.

Übrigens: Für den Volvo-Deal musste Li in China auf Betteltour gehen, fand in den Städten Shanghai und Daqing Geldgeber für 49 Prozent der Geely-Anteile, die mittlerweile wieder ausgelöst wurden. Geblieben sind die beiden Standorte für Produktion und Design sowie insgesamt 6.000 Arbeitsstellen. Außerdem konnte Li bei der China Development Bank 1,5 Milliarden Euro zur Tilgung von Altlasten und zur Entwicklung der SPA-Plattform auf der die aktuelle 90er-Baureihe basiert, erhalten.

Kauft Geely Flugautobauer Terrafugia

Mit dem Flugautohersteller Ferragugia will Geely ein amerikanisches Unternehmen, das 2006 aus dem Massachusetts Institute of Technology hervorgegangen ist, übernehmen. Bereits vor einigen Jahren hatte Terrafugia mit dem Transition ein erstes Modell mit Luft- und Straßenzulassung für die USA vorgestellt und in die Luft gebracht. Als Nachfolger stellte das Unternehmen mit dem TF-X einen viersitzigen Senkrechtstarter mit Hybridantrieb vor. In Serie soll das Modell ab 2021 gehen. Terrafugia gehört aktuell einer chinesischen Investorengruppe namens Haiyin, die auf Start-Ups spezialisiert ist. Ein offizielle Bestätigung für die Übernahme gibt es indes noch nicht.

Terrafugia TF-XNeuer Traum vom fliegenden Auto

Wichtig in diesem Zusammenhang. Die Beratungsfirma Frost & Sullivan erwartet noch bis 2022 mehr als zehn Flugauto-Prototypen und geht davon aus, dass Autohersteller fliegende Autos bis 2035 mit einer “ganze Reihe Reihe neuer Unternehmensdienstleistungen vorstellen werden, darunter Rundflugangebote, Luftüberwachung als Dienstleistung, den Transport lebenswichtiger Hilfsgüter, Lufttaxifahrten zu Festpreisen sowie Unternehmensleasingangebote für fliegende Autos.„

Neuester Kommentar

wusste ich doch, dass ich zuletzt zu viele komplimente verteilte...
im artikel ist die rede von konzernmarken, E-antriebe, zukünftige modellen, der kauf von Proton, also auch Lotus.
gleichzeitig mit dem Lotuskauf machte Geely auch publik, dass Polestar zu E-sportwagenmarke werden soll, Polestar wird aber hier nicht einmal genannt.
es wird ein riesenhype um jeden E-renn-LKW gemacht, um revolutionen die keine sind, oder vorerst nur angekündigt, um jeden alibi-hybrid, und sowas wird glatt übersehen?
es besteht die ziemlich konkrete möglichkeit, bald (echte!) sportwagen auf Lotus-plattform, aber mit E-technik von Volvo auf den strassen zu sehen, und die entwicklungen von Lotus Engineering beschränken sich nicht nur auf sportwagen, mal sehen was daraus wird wenn Geely auch hier in den markentugenden investiert, anstatt sie einzusparen wie die anderen machen.
vorsicht, liebe redaktion, vor lauter Tesla und E-trons verpasst ihr vielleicht noch die tatsächliche revolution.

naja... 19. Juli 2017, 22:04 Uhr
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