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DAVC-Clubtreffen 2008

Starker Auftritt: Deutschlandtreffen des DAVC

Foto: Michael Schröder 13 Bilder

Rund 70 Old- und Youngtimer in der Nürnberger Innenstadt – da darf man schon mal ins Schwärmen kommen und sein Tagesgeschäft vergessen. Meint Motor Klassik nach einem Besuch beim Deutschlandtreffen des DAVC.

27.08.2008 Michael Schröder Powered by

"Was, nur 34 PS?" Die türkischen Teenager im trendigen Hip-Hop-Look sind fassungslos. 2,8 Liter Hubraum und dann so wenig Leistung. Der Dreier-BWM des Bruders würde aus einem kleineren Triebwerk doch viel mehr Kraft schöpfen. DAVC-Präsident Heribert Simon gibt sich geduldig ob dieses offensichtlichen Erstkontakts mit Oldtimern und erteilt behutsam Nachhilfe in Sachen Fahrzeugtechnik und -geschichte. Dass sein Chevrolet National vor genau acht Jahrzehnten tatsächlich State of the Art gewesen sei, ruft abermals kollektives Staunen hervor. Mit Fotohandys wird der "voll krasse" Vierzylindermotor des grünen Klassikers während der minutenlangen Startprozedur für den großen Bruder dokumentiert.

"Technik, die man sieht und die sich bewegt, kommt immer gut an." Heribert Simon kennt die überaus positive Außenwirkung einer möglichst breit gefächerten Klassikerparade. Knapp 70 Fahrzeuge aus fast allen Winkeln der Republik sowie aus der Schweiz und Österreich sind am letzten Mai-Wochenende zum DAVC-Deutschlandtreffen gekommen, das alle zwei Jahre stattfindet und diesmal von der Landesgruppe Franken in Nürnberg organisiert wurde.

70 Jahre mobile Fahrzeuggeschichte erlebbar

Das Aufgebot, das sich am Freitag allmählich auf dem Sebalder Platz hinter der Sebalduskirche einfindet und bis zum späten Nachmittag dort stehen bleibt, während die Besatzungen Nürnbergs Altstadt samt Kaiserburg erkunden, kann sich wahrhaftig sehen lassen. Und sorgt bei Passanten ebenso wie bei diversen geführten Reisegruppen für spontane Änderungen im Tagesprogramm. Über Museen und Kirchen lässt sich auch später staunen, über eine solche Ansammlung von herausgeputzten und bisweilen pikfein restaurierten automobilen Klassikern vermutlich nicht: Das älteste Fahrzeug, ein Cadillac Thirty, stammt aus dem Jahr 1914, der jüngste Kandidat, ein Mercedes E 200 Cabrio, dagegen von 1984. Dazwischen trudelt so ziemlich alles ein, was einst beim Quartett-Spielen nahezu unschlagbar war (Jaguar E, 5,3 Liter Hubraum, zwölf Zylinder, 275 PS) oder ganz einfach bei vielen Menschen mitten ins Herz trifft (VW Samba Bus, Baujahr 1965). "Autos interessieren mich eigentlich gar nicht", meint eine Frau mit vollen Einkaufstaschen. Aber so ein Anblick sei einfach wunderschön.

Zu einem der Stars des Tages mausert sich allerdings einer der Kleinsten: ein BMW Dixi aus dem Jahr 1929, geparkt mit offener Motorhaube. Oder besser: Häubchen. Das Bonsai-Triebwerk darunter übt eine Anziehungskraft auf Passanten in allen Altersgruppen aus, wie man es allenfalls von einem Zwölfzylindermotor erwartet hätte, nicht aber von einem Antrieb, der gerade einmal 15 PS an die Räder drückt.

Die Autos, die heute hier auf diesem Platz stehen, repräsentieren hervorragend den DAVC", erklärt Heribert Simon. Mit rund 1600 Mitgliedern in insgesamt 16 Landesgruppen gilt der Deutsche Automobil- Veteranen-Club als größter markenunabhängiger Verein im Land (www.davc.de).

Wenn so jemand zu Besuch kommt, gehört ein offizieller Empfang im Rathaus fast schon automatisch zum Programm. Doch viele DAVC-Freunde macht sich der Vertreter des Stadtrats an diesem Tag ganz sicher nicht, als er bei der für den nächsten Tag geplanten Ausfahrt diverse Pannen prognosziert. So etwas hören Oldtimer-Fans im Allgemeinen und die anwesenden DAVCler im Besonderen verständlicherweise gar nicht gerne. "Anders als unter Politikern", tönt es prompt aus der Menge, "wären wir in der Lage, uns dann gegenseitig zu helfen." Dieser spitze Konter gegen die Obrigkeit sitzt und wird mit Szenenapplaus belohnt.

Rollendes Museum soll für das Thema Oldtimer sensibilisieren

Tag zwei. Gleich nach dem Frühstück die erste Sonderprüfung: Das Hinterrad auf der Beifahrerseite soll direkt auf einem kleinen Quadrat zum Stehen kommen. Klingt kinderleicht. Ist es aber nicht. Die ersten Strafpunkte fallen und auf einmal kommen Ehre und Sportgeist ins Spiel - das so genannte Rallyefieber breitet sich aus. Als besonders empfänglich erweisen sich naturgemäß die Piloten der stärkeren Wagen. Die auf ihren Start allerdings ein wenig länger warten müssen, weil die älteren Baujahre beziehungsweise langsamen Fahrzeuge vorab auf die Strecke durch die nahe Hersbrucker Schweiz geschickt werden.

"Tatsächlich geht es bei dieser Ausfahrt trotz einiger Prüfungen am Ende nicht um Punkte oder Platzierungen", erklärt Dr. Reinhard Imsel, Präsident der Landesgruppe Franken. "Der Club möchte in erster Linie seine historisch wertvollen Fahrzeuge bewegen und sich dabei gleichzeitig einem interessierten Publikum präsentieren.

Wendelstein, Schwarzenbruck, Altdorf, Oberrieden, schließlich eine frisch gemähte Wiese bei Happung, auf der - Sonderprüfung Nummer zwei - Muttern den entsprechenden Schrauben zugeordnet werden müssen. Klingt ebenfalls kinderleicht. Und sorgt dennoch für die eine oder andere Verwunderung, selbst bei so manchem erfahrenen Schrauber.

Weiter übers Land

Nach Hirschbach und Hartenstein (dort Sonderprüfung Nummer drei: mit der Beifahrerseite möglichst nah an einem Pfosten vorbeifahren). Anschließend rollt der Tross entspannt durch das recht hübsche Pegnitz- Tal und sorgt in Orten wie Vorra, Hersbruck oder Gersberg bisweilen für (positiv) überraschte Bewohner. Eine imposant röhrende Corvette aus den Sechzigern vor einem mondänen Mercedes 230 aus dem Jahr 1936 und dahinter ein 56 Jahre alter Jaguar XK 120. Hannibal und seine Elefanten wären vermutlich kaum mehr aufgefallen.

Endspurt zurück nach Nürnberg. Alles wie gehabt - Kurven und Landschaft satt. Kompliment an die Streckenscouts. Wer nicht von hier stammt, hätte auf diesen bisweilen verwunschenen Wegen ohne fremde Hilfe ganz bestimmt nie wieder zurück ins Hotel gefunden.

Randnotiz: Bei der Kaffeepause im Örtchen Henfenfeld verlor der Wirt des Gasthauses beim Anblick der versammelten Klassiker-Meute trotz vorheriger Absprache offensichtlich kurzzeitig die Nerven und verschwand ganz einfach. Selbstbedienung war angesagt und damit hatten die hungrigen DAVCler glücklicherweise überhaupt kein Problem.

Dritter Tag: Der komplette Tross reiht sich ein letztes Mal auf, diesmal vor dem Nürnberger Ofenwerk. Die ehemalige Industrieanlage mausert sich allmählich zu einem angesagten Zentrum für klassische Fahrzeuge (www.ofenwerk.de). So gesehen ein ziemlich guter Ort, um ein wenig mehr über Fahrzeugtechnik und die Geschichte des Automobils zu erfahren. Ob unter den Besuchern der große Bruder der anfangs erwähnten türkischen Teenager anwesend war, ist allerdings nicht bekannt.

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