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DC-Betriebsräte Klemm und Spies

"Ein Kulturschock"

Foto: Achim Hartmann

Die Daimler-Chrysler-Betriebsräte Erich Klemm und Jörg Spies über den von Konzern-Chef Dieter Zetsche geplanten Arbeitsplatzabbau.

03.02.2006

Daimler-Chrysler-Chef Zetsche hat seine Abbaupläne vor der Belegschaft in Möhringen dargelegt. Wie war die Reaktion der Mitarbeiter?

Spies: Er hat versucht, ein vertrautes Verhältnis herzustellen. Zetsche kann das, keine Frage. Nur wenn es an die konkrete Benennung der Konsequenzen geht, hört er auf. Dort habe ich angeknüpft, habe klar gemacht, dass diese global dargestellte Strategie in Möhringen für die Menschen zum Teil harte Konsequenzen hat, und das runter bis zum Platz in der Kindertagesstätte. Die Betroffenheit der Menschen war nach der Veranstaltung eine andere als zu Beginn.

Fehlt den Mitarbeitern in Möhringen, oder "Bullshit Castle“, wie es Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp nannte, schlicht die Erfahrung mit Arbeitsplatzabbau?

Spies: Das ist ein Kulturschock. Da sind viele Menschen, die im Umfeld der Vorstände arbeiten und nie gedacht hätten, dass ein Vorstand zu so einer Entscheidung fähig ist.

Klemm: Ich kenne den Ausdruck von Schrempp, weiß aber nicht, woher die Legende stammt, er habe damit Möhringen gemeint. Von "Bullshit Castle“ war schon die Rede, als es Möhringen noch gar nicht gab und die Zentrale in Untertürkheim saß.

Wird zur Erzielung von Effizienzsteigerung nicht generell zu schnell über Personalabbau diskutiert?

Klemm: Eine höhere Produktivität führt immer auch zu Personalabbau, es sei denn, man kann mehr Autos damit bauen und verkaufen. Das hat bei uns auch über Jahrzehnte gut funktioniert. Mittlerweile sind die Produktivitätssteigerungen allerdings so stark, dass ein Mengenwachstum das nicht mehr kompensieren kann.

Wie fühlt sich ein Betriebsrat, wenn er zu dieser Erkenntnis kommt?

Klemm: Das macht den Job nicht leichter. Deswegen sind wir auch sehr stolz darauf, dass es trotz solcher Rahmenbedingungen bei uns nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommt.

Das gilt aber nur für die tariflichen Mitarbeiter?

Klemm: Die leitenden Angestellten fallen in der Tat nicht in unseren Bereich. Doch der Vertreter der leitenden Angestellten hat gefordert, dass die Vereinbarungen im Rahmen der Zukunftssicherung 2012 auch auf die leitenden Angestellten angewendet werden sollen – was darauf hindeutet, dass wir gute Regelungen getroffen haben.

Was passiert, wenn es auf freiwilliger Basis nicht zu dem vom Vorstand geforderten Abbau kommt?

Klemm: Wir haben den Rahmen definiert, in dem der freiwillige Abbau stattfinden kann. Es entscheiden die Menschen im Unternehmen, wie viele es werden. Bei Mercedes sind es bis jetzt 5.000, ich bin nicht dafür verantwortlich, dass es mehr werden. Ich denke, entscheidend wird sein, ob das Unternehmen genügend Kontingente für Frühpensionierungen zur Verfügung stellt.

Und wenn der Vorstand sich damit nicht zufrieden gibt?

Klemm: Wir brauchen nicht für etwas zu streiken, was wir bereits erreicht haben. Wir haben das schon geregelt, dass es nur freiwillig geht. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Maßnahmen wie eine Arbeitszeitverkürzung wären theoretisch möglich, aber da müsste der Vorstand uns erst einmal die Notwendigkeit nachweisen.

Das ganze Interview mit Erich Klemm und Jörg Spies lesen Sie in auto motor und sport Heft 4, das ab Mittwoch (01.02.) im Handel ist. Weitere Themen:

• Audi Q7
• Frühjahrshits 2006
• Citroen C6
• Jaguar XK Cabrio
• Die besten Autos 2006
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