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DC-Krise

Einigung mit Beschäftigungsgarantie

Foto: Daimler-Chrysler

Update ++ Details ++ Nach wochenlangem Streit haben sich Vorstand und Betriebsrat des Autokonzerns Daimler-Chrysler auf ein drastisches Sparpaket von jährlich 500 Millionen Euro geeinigt.

23.07.2004

Dafür werden im Gegenzug die Arbeitsplätze in Deutschland bis zum Jahr 2012 gesichert. Der Konzernvorstand verzichtet dauerhaft auf zehn Prozent Gehalt. Vorstandschef Jürgen Schrempp sagte am Freitag (23.7.) in Stuttgart, "die Einigung hat Modellcharakter für den Standort Deutschland".

Schmerzhafte Einschnitte

Betriebsrat und IG Metall sprachen nach der nächtlichen Einigung von "schmerzhaften Einschnitten" für die 160.000 Beschäftigten. Diese Einbußen würden aber durch die "bundesweit einmalige Stellengarantie" von mehr als sieben Jahren wettgemacht. Betriebsratschef Erich Klemm sagte, er sei stolz auf die Einigung ohne gravierende Eingriffe in den Flächentarifvertrag. Die Mitarbeiter würden auf eine früher vereinbarte Lohnerhöhung von 2,79 Prozent im Jahr 2006 verzichten. Allerdings werde bei der Reform des Entgeltrahmentarifvertrags (ERA) niemand weniger verdienen als bisher. Für 20.000 Beschäftigte in Forschung und Entwicklung wird gegen Mehrbezahlung die 40-Stunden-Woche eingeführt. Die 6.000 Dienstleister im Konzern (Kantine, Werksschutz, Druckereien) verdienen künftig weniger und arbeiten 39 statt 35 Wochenstunden.

"Baden-württembergische Krankheit" - Hubbert entschuldigt sich

Schrempp kündigte an, dass auch der Vorstand und die rund 3.000 leitenden Angestellten sich dauerhaft an dem Sparprogramm beteiligen. Der Konzernvorstand, der im Vorjahr insgesamt 40,8 Millionen Euro verdient hatte, wolle bereits im laufenden Jahr die Gesamtvergütung um zehn Prozent kürzen. Bei einem Scheitern der Verhandlungen hatte das Unternehmen mit dem Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen im Hauptwerk Sindelfingen und einer Verlagerung der C-Klassen-Produktion nach Bremen und Südafrika gedroht.

Der Konzernchef betonte, die Kostensenkungen sicherten die künftige Produktoffensive der Mercedes Car Group und ermöglichten dem Konzern zusätzliches profitables Wachstum, meinte Schrempp. Die neue C-Klasse mit Varianten, das Nachfolgemodell der E-Klasse sowie geplante Dieselmotoren könnten wie geplant in den nächsten Jahren an den deutschen Standorten produziert werden.

Alle Maßnahmen zusammen führen dazu, dass der Autokonzern von 2007 an jedes Jahr eine halbe Milliarde Euro an Kosten einspart. Wie Mercedes-Chef Jürgen Hubbert erklärte, werde der Standortnachteil von Sindelfingen gegenüber dem Bremer Werk deutlich reduziert. Derzeit wird in Sindelfingen im Jahr 72 Stunden weniger gearbeitet als im Norden, künftig sind es nur noch 42 Stunden. Ganz zufrieden sei der Vorstand jedoch nicht - "die schleichenden Wettbewerbsnachteile haben wir nicht ganz eliminieren können", meinte Hubbert.

Denn bei den symbolträchtigen Streitpunkten "Steinkühler-Pause" (fünf Minuten je Arbeitsstunde) und Schichtzuschläge setzte sich weitestgehend der Betriebsrat durch. Die Sonderregelungen werden zwar teilweise gekürzt, bleiben aber im Kern bestehen. Hubbert hatte diese Punkte als "baden-württembergische Krankheit" bezeichnet und war dafür von Gewerkschaften und Politikern scharf gerügt worden. Am Freitag entschuldigte er sich für seine Äußerung. "Der Prozess zur Abschaffung der baden-württembergischen Besonderheiten ist aber unumkehrbar", betonte er.

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