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DC-Krise

Erste Proteste - Bänder stehen still

Foto: dpa

Update ++ Mit dem Protest von mehr als 60.000 Beschäftigten hat sich am Donnerstag (15.7.) der Konflikt um die massiven Sparpläne beim Autobauer Daimler-Chrysler zugespitzt.

15.07.2004

Für etwa zwei Stunden standen während der Frühschicht in allen deutschen Pkw- und Nutzfahrzeugwerken die Produktionsbänder still. Den Auftakt der Proteste bildete in der Nacht ein Fackelzug von rund 600 Mitarbeitern des Werkes in Düsseldorf .

Produktionsausfall: 800 Mercedes-Fahrzeuge

Im größten Werk in Sindelfingen bei Stuttgart wurden nach Betriebsratsangaben 800 Mercedes-Fahrzeuge nicht gebaut. Dort sagte der Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm, die Belegschaft werde so lange keine Ruhe geben, bis die 6.000 bedrohten Arbeitsplätze gesichert seien. Der Konzernvorstand will beim Bau der neuen C-Klasse ab 2007 jährlich 500 Millionen Euro Kosteneinsparen.

Stimme der Betriebsrat den Einschnitten bei Lohnzuwächsen, Zuschlägen und Pausen nicht zu, werde die C-Klasse in Bremen und Südafrika gebaut. Dies würde 6.000 der über 30.000 Jobs in Sindelfingen kosten. Dort verließen am Morgen fast 20.000 Arbeiter die Bänder. In Stuttgart-Untertürkheim protestierten etwa 10.000 Beschäftigte, in Mannheim 8.000, in Wörth (Rheinland- Pfalz) und Bremen jeweils 5.000. Auch in Düsseldorf, Hamburg und Berlin gab es Kundgebungen.

Es "kotzt mich an"

Klemm, der stellvertretender Aufsichtsratschef des Autoriesen ist, sagte in Sindelfingen, die Standorte würden sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Der Betriebsrat habe in den Verhandlungen bereits den Verzicht auf Lohnzuwächse von mehr als 200 Millionen Euro angeboten. Eine halbe Milliarde Euro, wie vom Vorstand angepeilt, sei aber völlig abwegig. Zwischen diesen Zahlen müsse ein Kompromiss gefunden werden. Das Ziel sei die Sicherung der Beschäftigung und der Investitionen bis ins Jahr 2012. "Wir sind und wir wollen das profitabelste Werk des Konzerns bleiben."

Die Sparte Mercedes Car Group (Mercedes, Smart, Maybach), die 160.000 Menschen in Deutschland beschäftigt, ist mit Abstand der wichtigste Ertragsbringer von Daimler-Chrysler. 2003 trug der Geschäftsbereich mit rund 3,1 Milliarden Euro zum gesamten operativen Konzerngewinn (Operating Profit) von 5,7 Milliarden Euro bei. Nach einem Absatzminus von 5,5 Prozent im Halbjahr 2004 gehen die Verkaufszahlen dank neuer Modelle aktuell wieder nach oben.

Dem Konzernvorstand sind vor allem die im Vergleich zu Bremen höheren Arbeitskosten in Sindelfingen ein Dorn im Auge. Dort bekommen die Arbeiter unter anderem schon ab 12:00 Uhr mittags 15 Prozent Spätschichtzulage und eine Extra-Pause von fünf Minuten pro Arbeitsstunde ("Steinkühler-Pause"). Diese von Mercedes-Chef Hubbert angestoßene Diskussion "kotzt mich an", meinte Vize-Aufsichtsratschef Klemm. Hubbert will ab 2007 die Produktionskosten der C-Klasse um 500 Euro je Fahrzeug senken.

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