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DC-Krise

Gehaltsverzicht - Betriebsrat kampfbereit

Foto: dpa

Unbeeindruckt von einem möglichen Gehaltverzichts des Daimler-Chrysler-Vorstands hat der Betriebsrat im Arbeitskostenkonflikt seine Kampfbereitschaft unterstrichen.

19.07.2004

Sollte es in dieser Woche keine Einigung geben, werde der Protest gegen das 500-Millionen-Euro-Sparpaket an diesem Freitag in allen deutschen Werken "mit voller Härte" fortgesetzt, sagte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm am Montag (19.7.). In der Nacht zum Dienstag wollten erneut einige Hundert Beschäftigte im Pkw-Werk Sindelfingen protestieren.

Das Topmanagement bekräftigte vor der möglicherweise entscheidenden Verhandlungsrunde am Dienstag und Mittwoch, einen eigenen Beitrag leisten zu wollen. Einen Gehaltsverzicht bis zu zehn Prozent, wie am Wochenende in Medien berichtet worden war, bestätigte das Unternehmen aber nicht. Bundesregierung und Verbände werteten das Angebot als ein richtiges Signal.

Klemm: Gehaltverzicht des Vorstandes "lächerlich"

Ein Konzernsprecher sagte in Stuttgart, der Vorstand sei zu einem Gehaltsverzicht bereit, wenn es eine Gesamtlösung mit dem Betriebsrat gebe. Er nannte aber keine konkrete Summe oder Prozentzahl. Der Daimler-Chrysler-Vorstand hatte 2003 laut Geschäftsbericht insgesamt
40,8 Millionen Euro verdient. Davon entfielen 13,4 Millionen Euro auf fixe und 27,4 Millionen Euro auf kurz- und mittelfristig erfolgsbezogene Vergütungskomponenten. Aktienoptionen waren darin nicht enthalten.

Klemm, der das Verzichtsangebot des Vorstands am Wochenende als "lächerlich" bezeichnet hatte, erneuerte seine grundsätzliche Kompromissbereitschaft. "Wir verhandeln mit dem ernsthaften Willen zur Einigung. Dies bedeutet aber nicht, dass wir uns über den Tisch ziehen oder erpressen lassen", sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef.

Die Pkw-Produktion von Daimler-Chrysler in Deutschland lief am Montag ohne Ausfälle. Am vergangenen Donnerstag hatten mehrere zehntausend Beschäftigte gegen das Management protestiert und zeitweise die komplette Daimler-Chrysler-Produktion in Deutschland lahm gelegt.

DSW: "Positives Signal"

Wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren war, sollen beide Seiten einer Einigung sehr nahe sein. Konsens soll es bei der Einführung der 40-Stunden-Woche für rund 20.000 Beschäftigte in Forschung und Entwicklung bei Mehrbezahlung geben. Zudem könnte es zu einem Tarifvertrag für Dienstleister kommen, wonach Arbeitnehmer in Kantinen, Druckereien und Werksschutz weniger verdienen würden als Metaller in der Autoproduktion.

Der Gesamtbetriebsrat teilte am Montag in einer Mitteilung bereits mit, nach einem positiven Abschluss der Verhandlungen werde es in allen Werken Betriebsversammlungen geben, um die Mitarbeiter zu informieren. Nach dpa-Informationen hat Daimler-Chrysler-Konzernchef Jürgen Schrempp den Konflikt mit dem Betriebsrat zur Chefsache gemacht. Er hat bereits mehrere Gespräche mit Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm geführt.

Die Bundesregierung begrüßte in Berlin grundsätzlich die Bereitschaft des Daimler-Chrysler-Managements zu Einschränkungen. CSU-Chef Edmund Stoiber sagte, er hoffe, dass die vom Daimler-Chrysler-Vorstand in Aussicht gestellte Kürzung Schule mache. Nach Auffassung des Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, kann die Kürzung von Managergehältern in der Diskussion um Arbeitszeitverlängerung und Lohnkürzungen ein richtiger "symbolischer Schritt" sein.

Wohlwollend bewerteten auch Aktionärsschützer die Vorstandsinitiative. "Das ist ein positives Signal", sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Er kritisierte aber die mangelnde Transparenz des nach Umsatz größten deutschen Konzerns: "Die zahlen amerikanische Gehälter, möchten aber nur schwäbisch-transparent sein."

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