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DC-Prozess

Kerkorian wirft Schrempp Täuschung vor

Foto: dpa

Der Investor Kirk Kerkorian hat am Dienstag (2.12.) bei seinem mit Spannung erwarteten Auftritt vor einem US-Gericht Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp "Täuschung" vorgeworfen.

02.12.2003

Er sei nach der Lektüre eines Zeitungsinterviews mit Schrempp im Oktober 2000 "sehr überrascht und sehr verärgert" gewesen, sagte der frühere Chrysler-Großaktionär bei seiner Zeugenaussage vor dem Bundesgericht in Wilmington (Bundesstaat Delaware). Der 86-jährige Kerkorian und seine Investment-Firma Tracinda fordern Schadenersatz in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar von Daimler-Chrysler, weil das Management den Zusammenschluss zwischen Daimler-Benz und Chrysler als Übernahme geplant, aber als "Fusion unter Gleichen" getarnt habe.

Schrempp (59) hatte 2000 im Gespräch mit der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times" gesagt, der neue Vorstand sei nach der Fusion aus "psychologischen Gründen" zunächst mit der gleichen Anzahl von Amerikanern und Deutschen ausgestattet zu haben. Wenige Wochen nach dem Interview musste Chrysler-Chef James Holden seinen Hut nehmen. "Zwei Leute aus Stuttgart kamen und übernahmen Chrysler", meinte Kerkorian vor Gericht. "Alles passte zusammen." Daraufhin habe er sich zur Klage gegen das Unternehmen entschlossen. "Zu einer Fusion unter Gleichen gehören Vertrauen und Ehrlichkeit. Man muss zusammenarbeiten, damit es funktioniert."

Schremmps Worte haben Kerkorian stutzig gemacht

Der Milliardär hat sein Geld überwiegend mit Geschäften in der Unterhaltungsmetropole Las Vegas verdient, scheut jedoch selbst das Rampenlicht. Befragt wurde Kerkorian zunächst von seinem Anwalt Terry Christensen. Der Nachfahre armenischer Einwanderer sollte Auskunft zu seinem Werdegang erteilen. "Das mag ich nicht, aber ich werde es tun", sagte Kerkorian. Bereits als Teenager sei er voll berufstätig gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte er ein Flugzeug, mit dem er den Grundstein für eine Firma und sein späteres Imperium legte, zu dem heute Casinos, Hotels und Unternehmensbeteiligungen gehören.

Kerkorian antwortete zügig auf Christensens Fragen. Der Prozess gegen Daimler-Chrysler sei der erste Rechtsstreit, den er mit Tracinda angestrengt habe. Seine Kontaktperson bei dem fusionierten Autohersteller sei der frühere Chrysler-Lenker und Co-Vorstandschef Bob Eaton gewesen. Dieser habe ihm bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung im März 2000 stets versichert, dass die Fusion gleichberechtigt umgesetzt worden sei. "Jeder wusste, dass Chrysler nicht zum Verkauf stand", meinte Kerkorian. Erst die direkten Worte Schrempps hätten ihn stutzig gemacht.

Schrempp soll in der kommenden Woche aussagen. Die Anwälte von Daimler-Chrysler halten Kerkorian entgegen, dass ihm die genauen Umstände der Fusion gleichgültig gewesen seien und er erst vor Gericht gezogen sei, als seine Anteile wegen des sinkenden Aktienkurses an Wert verloren hatten. Das Verfahren ist bis zum 17. Dezember angesetzt, ein Urteil des Richters Joseph Farnan, Jr. (58), wird erst im Frühjahr 2004 erwartet. Im Anschluss wäre eine Berufung in zweiter Instanz möglich, die mehrere Jahre in Anspruch nehmen würde. Der Prozess gilt als einer der spektakulärsten in der Wirtschaftsgeschichte. Nicht völlig ausgeschlossen ist auch ein Vergleich während der laufenden Verhandlung.

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