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Delage auf der Paul Pietsch Classic 2014

Der blaue Schmetterling

Delage D8S Open Tourer Foto: Rossen Gargolov 101 Bilder

Die Marke Delage zählte in den 30er Jahren zu den großen Automarken in Frankreich. Heute ist sie fast vergessen. Auf der Paul Pietsch Classic war einer der seltenen Delage D8S Open Tourer dabei.

11.06.2014 Dirk Johae Powered by

Wenn Patrick Dinkeldein bei der Paul Pietsch Classic die Routen durch den Kaiserstuhl und den Schwarzwald in Angriff nimmt, dann fliegt ihm stets ein großer silberfarbener Adler voraus. Der Raubvogel thront majetätisch auf dem Kühlergrill seines blauen Delage aus dem Baujahr 1931.

Paul Pietsch Classic 2014: Tag 2 21:45 Min.

Autobauer Delage

Der Adler, der mit seinen Krallen die Weltkugel umgreift, lässt erahnen, mit welchem Selbstbewusstsein Firmenchef Louis Delage im Pariser Vorort Levallois-Perret seine Autos baute. Das Model D8, wie ihn Patrick Dinkeldein fährt, gilt als „Höhepunkt in der Geschichte der Marke“. So urteilte der Schweizer Automobilhistoriker Ferdinand Hediger über das Modell mit dem stattlichen Achtzylinder-Reihenmotor. Der auf der Motorhaube angebrachte Spitzname „Le Papillon Bleue“ (Der blaue Schmetterling) wirkt angesichts der mächtigen Erscheinung des Autos wie eine liebevolle Untertreibung.

145 PS leistet der 4,1-Liter-Motor in Dinkeldeins Auto. Die dunkelblaue Open Tourer-Karosserie erinnert an die Aufbauten der Bentleys, die Ende der 20er Jahre unter anderem beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans einen Gesamterfolg nach dem anderen herausfuhren. „Das ist eine Karosserie von Vanden Plas, wie sie etliche Bentleys auch hatten“, sagt Patrick Dinkeldein zu seinem Delage, den er seit anderthalb Jahren fährt. „Aber auch für Delage-Chassis wurden diese Open-Tourer-Aufbauten gefertigt.“ Vanden Plas war ursprünglich die englische Tochterfirma eines belgischen Karosseriebauers, dessen Hauptabnehmer bis 1931 Bentley war.

Weltmeister 1927

So eng wie die englische Marke ist auch die Geschichte von Delage mit dem Rennsport verbunden: Schon 1906 setzte der Firmenchef eine Voiturette beim Coupé de l’Auto-Rennen ein, die zweitschnellstes Auto war - der Start zu einer erfolgreichen Rennkarriere. Der Höhepunkt war der Rennwagen vom Typ 1518 für die ab 1926 gültige 1,5-Liter-Formel. Im zweiten Jahr gewann der französische Delage-Fahrer Roger Benoist vier von sechs Grand-Prix-Rennen in Folge. Nach Alfa Romeo und Bugatti gewann Delage mit durch diese Erfolge die Weltmeisterschaft für Konstrukteure.

Wenn Patrick Dinkeldein seinen „Blauen Schmetterling“ mit einem Radstand von 3,30 Metern bei der 3. Paul Pietsch Classic über die kurvigen Straßen im Breisgau und im Schwarzwald dirigiert, klingt also immer die Erinnerung an große Motorsporthistorie mit. Ganz und gar ohne Nostalgie fanden der Delage Open Tourer und sein deutscher Besitzer zusammen: „Ich habe das Auto auf einem Internetportal für Vorkriegsautos entdeckt“, erzählt Dinkeldein und fügt an: „Ein Freund, der das Auto kannte, hat mir zum Kauf geraten. Da habe ich zugegriffen.“

Tragisches Ende von Delage

Die Firmengeschichte von Delage endete allerdings tragisch: Vier Jahr nach der Auslieferung des D8S-Chassis, das sich heute im Besitz von Patrick Dinkeldein befindet, stürzte der stolze Adler ab. Während zumindest der Markenname noch für einige Jahre unter dem Dach von Delahaye überlebt, lebt Louis Delage völlig verarmt. 43 Jahre nach seinem Tod im Jahr 1947 benannte seine Geburtsstadt Cognac eine Technikerschule nach dem großen Sohn der Stadt.

International halten Sammler wie Patrick Dinkeldein den Namen von Delage in Ehren. Klassiker der Marke sind Stars in Museen, bei Oldtimerrallyes sowie Concours d’Elegance auf der ganzen Welt.

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