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Der Benzinskandal von Sao Paulo

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Um 21.45 Uhr Ortszeit jubelte Ferrari ein zweites Mal. Da gaben die Rennkommissare das Urteil zu dem angeblich zu kalten Benzin bei BMW und Wiliams bekannt. Die betroffenen Teams wurden freigesprochen, behielten Platz und Punkte, und damit war Kimi Räikkönen wieder Weltmeister.

22.10.2007 Marcus Schurig Powered by

Zuvor durfte Lewis Hamilton aber noch einmal vier Stunden lang hoffen: Wären Nico Rosberg, Robert Kubica, Nick Heidfeld und Kazuki Nakajima disqualifziert worden, wäre Hamilton auf Rang vier gelandet. Das hätte zum Titel gereicht. 100 prozentig dürfen sich Räikkönen und Ferrari noch nicht als Weltmeister fühlen. McLaren-Mercedes geht in Rekurs. Der Fall wird am 10. November in Paris verhandelt.

Die Sportkommissare gaben den Einwänden von BMW und Williams wegen Messungenauigkeiten und Verfahrensfehlern recht. Die Temperaturfühler der Rechteinhaberfirma FOM meldeten eine tiefste Außentemperatur von 37 Grad. Der Wetterdienst Meteo France, der alle Teams bedient, lieferte eine andere Zahl: 33 Grad. Das Reglement besagt, dass der Kraftstoff im Rennen höchstens zehn Grad unter dieser Außentemperatur liegen darf.

Nach FOM-Messungen hätte die untere Grenze 27, nach Meteo France-Daten bei 23 Grad betragen müssen. Die Statuten sagen aber auch, dass am Auto und nicht in der Tankanlage gemessen werden muss. Die FIA aber nahm die Benzintemperatur von einem Sensor am Boden der Tankanlage. Das ergab bei Heidfeld 24 Grad, bei Kubica 23, bei Rosberg 24 und bei Nakajima 25 Grad.

GP Brasilien 1995 als Präzedenzfall

Hätte man den GP Brasilien 1995 als Präzedenzfall genommen, dann hätten die Teams ihre Punkte verloren, die Fahrer aber behalten. Es betraf den Ersten Michael Schumacher und den Zweitplatzierten David Coulthard. Beide wurden mit Benzin erwischt, dessen Zusammensetzung nicht dem hinterlegten Musterbeispiel entsprach. Diesmal lag der Fall etwas anders. Die FIA erkannte ihren Fehler.

BMW-Technikchef Willy Rampf erklärte: "Die Tankanlage wird bis zum Start des Rennens so gekühlt, dass der Sprit im Rahmen der erlaubten Grenze liegt, aber auch nicht viel drüber. Bei Hitzerennen besteht die Gefahr, dass der Kraftstoff später im Tank zu kochen beginnt. Da sich der Schlauch in der Sonne bis auf 40 Grad erhitzt, fließt das Benzin schon mal wärmer in den Tank des Autos als er aus der Tankanlage kommt. Während der Fahrt kann sich das Benzin bis auf 60 Grad aufheizen."

Viele Unklarheiten

Warum die Kommissare bislang immer an der Tankanlage ihre Temperaturmessungen vornahmen und nicht am Einfüllstutzen des Autos ist eines der vielen Fragezeichen in dieser Affäre. Auch warum man die Außentemperatur so unpräzise misst. Der Sensor befindet sich mitten in der Sonne und gibt seit Jahren falsche Zahlen an.

Deshalb begründeten die Sportkommissare ihren Rückzieher wie folgt: "Die Angelegenheit ist wegen der beträchtlichen Diskrepanz zwischen den Messungen durch die FOM und Meteo France kompliziert. Es liegen deshalb genügend große Zweifel vor, ob die gemessene Außentemperatur und die Temperatur des Benzins an Bord des Autos in einem logischen Zusammenhang stehen, so dass eine Strafe gerechtfertigt ist."

Ob McLaren gegen dieses Urteil eine Chance hat, ist fraglich. Zweifelhaft ist allenfalls das Prozedere. Das erste Urteil, das dem endgültigen entsprach, war bereits halb geschrieben, als man noch einmal in Klausur ging. Es waren in der Zwischenzeit wohl verschiedene Anrufe aus Paris eingegangen, und die FIA-Entscheidungsträger hatten zuvor offenbar mit Ferrari-Chef Jean Todt und McLaren-Direktor Ron Dennis konferiert. Am Ende blieb man bei der ersten Fassung.

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