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Design-Studien der 70er Jahre

Echt Keil

12 Bilder

Sie wirken wie aus einem Science-Fiction-Film. Sie waren und sind noch heute die Publikumsmagnete der Automessen - Design-Studien aus Italien. Man glaubt es kaum: Auch Serienautos wie Golf I oder Fiat X 1/9 waren von ihnen beeinflusst.

12.06.2007 Franz-Peter Hudek Powered by

Italien galt schon immer als das Land der Mode und des Designs. Klangvolle Markennamen wie Armani und Gucci, Ferrari und Ducati bis hin zu den phantastischen Küchenhilfen von Alessi stehen seit Jahrzehnten für attraktive, formschöne, weltweit begehrte Produkte.

Klangvolle Namen, die jeder Automobil-Fan kennt

Bei den Autos sind es vor allem die rollenden Kreationen von Bertone, Frua, Ghia, Giugiaro, Pininifarina und Zagato, die uns noch heute faszinieren. Deren radikalste Design-Studien entstanden vor rund 30 Jahren und zeichneten sich im Großen und Ganzen durch drei Stilmerkmale aus: markante Keilform, fast nur gerade, wie mit dem Lineal gezogene Linien und große Fensterflächen.

Kampf um die schärfsten Linien

Vor allem Giorgetto Giugiaro und Nuccio Bertone kämpften bis aufs Messer um die schärfsten Kanten und spitzesten Ecken. Sie präsentierten ihre Kreationen auf den Messen von Frankfurt, Genf, Paris und Turin.

Die bizarren Boliden basierten oft auf Serientechnik und galten als Visionen für die Zukunft. Es war wie bei der Haute Couture, wenn die Modewelt im Winter die Laufstege von Paris, Londen und Rom beobachtete, um den aktuellen Trend für den Sommer herauszufinden: Mini oder Hot Pants, Trevira oder Baumwoll-Strick? 

Autogenerationen aus italienischen Designbüros

Auch die in unserer Fotoshow präsentierten Auto-Keile und -Kisten aus den italienischen Design-Studios beeinflussten die Automobil-Mode der nachfolgenden Jahre.

Nicht nur Sportwagen wie BMW M1, Lotus Esprit (beide Giugiaro/ Italdesign), Fiat X 1/9 und Lamborghini Countach (beide Bertone), sondern auch Allerweltsautos wie VW Passat I, VW Golf I, Fiat Panda, Lancia Delta (alle Giugiaro/ Italdesign) und Citroën BX (Bertone) wirken wie aus Holz gezimmert und basieren zum Teil auf exklusiven Design-Studien.

Der Citroën BX von Bertone erblickte das grelle Licht der Autowelt sogar als Volvo 343 Tundra. Dass wir heute die mutigen Zukunftsvisionen von damals auf zeitgenössischen Farbbildern bewundern dürfen, verdanken wir dem Stuttgarter Fotografen Werner Eisele.

In seinem neuesten opulenten Bildband "Cars and Girls" erlaubt das Kapitel "Visions" einen Blick auf rund 50 Design-Studien, die uns noch heute den Atem rauben. Das Gleiche gilt für das Hauptthema von Cars and Girls: Junge, attraktive Mädchen, die sich ganz im Stil der 70er Jahre in und auf potenten Autos räkeln.

Mit Farbfotos zum Erfolg

Fotograf Eisele besuchte damals wie viele seiner Kollegen die großen Automobil- Messen, um Zeitschriften mit aktuellen Fotos der neuesten Automode zu beliefern. Der feine Unterschied: "Obwohl eigentlich nur in Schwarzweiß gedruckt wurde, habe ich immer Farbfotos gemacht", berichtet Eisele.

Außerdem hätte er auch jene Autos abgelichtet, "die damals schon ziemlich extrem wirkten und nie in Serie gegangen wären. Irgendwann, so dachte ich, kommt die Zeit, in der man sich wieder für diese einzigartigen Autos interessiert." Last but not least hat der Fotograf seine Arbeit offenbar trotz der oft miserablen Platz- und Lichtsituationen in den Messehallen ganz gut gemacht.

Lob von höchster Stelle

Designer Anatole (Tony) Lapine, der bei GM unter Bill Mitchell die Corvette Sting Ray mitentwickelte und Jahre später den Porsche 928 kreierte, schreibt im Vorwort von Cars and Girls: "Werner Eisele hat mit seinen Aufnahmen die Formensprache der Automobildesigner in diesem Buch absolut realistisch dokumentiert."

Eisele kennt seine Kundschaft bis heute zum Großteil persönlich, bei Giugiaro mit Fabrizio sogar in der zweiten Generation. Die zeichnenden Visionäre waren allesamt "sehr offene und zugängliche Menschen", denen man auch mal bei Fotowünschen entgegenkam.

Eisele erinnert sich: "Als Porsche 1977 in Genf erstmals den 928 präsentierte, wollte Anatole Lapine, dass ich den Wagen schräg von vorn fotografiere. Ferry Porsche fand nämlich, dass das Hinterteil etwas zu breit geraten sei."

Enthüllung war und bleibt Chefsache

Trotzdem durfte auch Eisele keinen geheimen Vorpremieren-Blick auf die kantigen, unter Tüchern verborgenen Exponate werfen. Nach wie vor zieht der Design- oder Konzernchef persönlich - "mit Hilfe von ein paar netten Mädchen" - das wallende Gewebe von den glatten, glänzenden Karosserien. Und Applaus brandet auf - mal laut, mal weniger laut. Gab es eigentlich einen richtigen Reinfall? "Nein", sagt Eisele, "geklatscht wurde immer, schon aus Höflichkeit gegenüber den großen Namen, die hinter den Neuschöpfungen standen."

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