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Designkritik

Autodesign ist austauschbar geworden

Foto: Hans-Dieter Seufert 89 Bilder

"Früher war alles besser" - wenn Menschen älter werden, neigen sie dazu, die Vergangenheit zu verklären. Für Psychologen liegt das daran, dass vor allem Positives im Gedächtnis haften bleibt, Negatives wird mit der Zeit verdrängt. Dadurch wird Vergangenes eher als angenehm empfunden als Gegenwärtiges. Autofans sehen das bezogen auf Entwicklungen im Automobilbereich etwas anders.

06.10.2009

Denn dass sie ältere Autos - man denke nur an den Jaguar E-Type, die DS von Citroën oder den SL-Flügeltürer von Mercedes - schöner und aufregender finden als viele moderne, ist für sie keine Frage der Wahrnehmung: Für sie hat das Automobildesign stark nachgelassen.
 

Designeinheitsbrei: Es ist alles gesagt, was zu sagen war

Auch Prof. Paolo Tumminelli vom Goodbrands Institute for Automotive Culture in Köln kritisiert "den Einheitsbrei". Gewisse Dinge kämen immer wieder vor - zwangsläufig, wie er meint: "Wir haben alles gesagt, was zu sagen war." Für Prof. Stefan Heiliger gibt es noch einen weiteren Grund. "Alle wollen an derselben Zielgruppe verdienen", erklärt der ehemalige Autodesigner aus Frankfurt/Main. "Man produziert das, was der Mainstream will."
 
Als Folge kümmere sich kaum ein Hersteller vom Design her mehr um die Randgruppen. Selbst früher für ihren eigenwilligen Stil bekannte und von ihren Fans dafür geschätzte Marken wie Saab oder Volvo seien längst vom Design-Mainstream assimiliert, kritisiert Heiliger: "Es geht nur noch um kleinkarierte Variantenbildung. Winzige Abweichungen sind schon signifikant. Das ist für einen Designer eine erschreckende Entwicklung." Kein Wunder also, dass viele Autofans wehmütig auf Fahrzeuge aus den 50er, 60er oder 70er Jahren zurückblicken. "Die sind heute ein Augenschmaus, weil da einfach Charakter drinsteckt."

Vier Hauptdesignrichtungen
 
Bis in die 80er Jahre hat es im Fahrzeugdesign laut Paolo Tumminelli eine Phase der Qualitätsmaximierung gegeben. "Das haben wir erreicht." Gegenwärtig macht der Designer vier Hauptrichtungen aus: Erstens eckige Körper wie beim Nissan Cube oder Kia Soul mit der Botschaft "das Auto ist meine Burg". Zweitens weiche Körper mit fast femininen Rundungen - so sah etwa das Audi-Design vor Einführung des Singleframe-Grills aus. Drittens skulpturierte Körper mit konkav-konvexen Formen und angedeuteten "Muskeln" wie bei den aktuellen BMW-Modellen. Und viertens die Richtung "new classic", bei der auf Historisches oder auf Design-Ikonen verwiesen wird. Hierzu zählen Autos wie der Fiat 500.

Auf der Suche nach einer eigenständige Designsprache bedienen sich die Marken bei den verschiedenen Stilrichtungen und beeinflussen sich gegenseitig. Das führt mitunter zu absurden Kreationen - man denke nur an die jüngsten Gelände-Coupés. Dass das Autodesign heute in vielerlei Hinsicht austauschbar geworden ist, hat laut Paolo Tumminelli aber noch eine weitere Ursache: Die Designer wechselten häufiger von Marke zu Marke "und hinterlassen überall ihre Spuren".

Retro schafft keine neuen Ikonen
 
"Mir fehlt die Moderne", beklagt Prof. Heiliger. Er nennt das, was zurzeit passiert, "Retrofuturismus": Die Fahrzeuge seien vom Design her zurückgewandt, aber mit futuristischen Elementen versehen. "Retro schafft aber keine neuen Ikonen. Es bedient sich bei den alten und verbrämt diese mit dem Mainstream."
 
Der Nutzwert wird zudem oft optischen Kriterien geopfert, wie eine Studie des ADAC in München ergab. Der Club hat ermittelt, wie es sich bei modernen Autos mit der Rundumsicht verhält. Sie ist demnach äußerst schlecht: Hinter breiten C-Säulen und Dachholmen können Fußgänger verschwinden - beim Rangieren und Abbiegen ein Risikofaktor, der oft zu Unfällen führt.
 
Ein weiteres Dilemma des Autodesigns ist aus Prof. Tumminellis Sicht, dass es sich dabei um ein geschlossenes System handelt, dessen Entwicklungen zudem zeitlich verschoben präsentiert werden. Im Gegensatz zur Mode oder Architektur, wo Entwürfe und Einflüsse kurzfristig umgesetzt werden, steht bei den Autoherstellern schon im Voraus fest, wie ein in sechs Jahren vorgestelltes Auto aussieht.

Es fehlen Design-Impulse

Davon dürfen potenzielle Käufer aber lange Zeit nichts wissen - ganz zu schweigen davon, dass sie darauf Einfluss nehmen könnten. "Das Automobildesign setzt selbst Trends", sagt Tumminelli. "So entsteht eine Dynamik, die manchmal gut ausgeht, manchmal auch nicht."

Nur revolutionär Neues ist derzeit gar nicht dabei. "Wir haben im Automobildesign kein Apple iBook oder iPod", bedauert Tumminelli. "Es fehlt der eigentliche Motor für das Design", erklärt Prof. Heiliger.

Dieser sei meist ein gesellschaftlicher Wandel. Der lasse beim Auto noch auf sich warten, sei aber immerhin absehbar: Heiliger hofft auf neue Design-Impulse durch das Elektroauto. Immerhin hätten die Designer dann die Möglichkeit, Autos völlig neu zu gestalten - ohne auf Motor, Getriebe und Benzintank Rücksicht nehmen zu müssen. Kommt der Durchbruch für das Elektroauto, "wird sich alles ändern", glaubt er. Vielleicht rollt in nächster Zukunft ja doch noch mal ein stromgetriebenes "iAuto" als nächste Design-Ikone durch die Straßen.

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