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Die aktuellen Trends bei Gasautos

Erdgas lohnt sich

Gasantrieb, Tankstelle Foto: Archiv 16 Bilder

Erdgas ist nicht nur die preiswertere, sondern auch die umweltfreundlichere Alternative zum Otto- oder Dieselantrieb. Doch das Tankstellennetz ist löcherig. Die bessere Versorgung bietet Autogas.

08.02.2012 Brigitte Haschek Powered by

Erdgas (CNG) ist als alternativer Kraftstoff ganz groß im Kommen. Bei den Verbrauchskosten steht es bei einem Vergleich mit Autogas, Benzin und Diesel, der von der "Initiative erdgas mobil" auf Basis eines Fiat Punto angestellt wurde, an erster Stelle. Die Erdgasvariante schafft mit zehn Euro 241 Kilometer, die Reichweite bei Autogas beträgt 182 Kilometer, der Diesel-Punto fährt 173 Kilometer weit, und ein Benziner kommt mit zehn Euro nur 111 Kilometer voran.

Auch in der CO2-Gesamtbilanz stehen Erdgasfahrzeuge gut da. Sie stoßen bei der so genannten Well-to-wheel-Betrachtung je nach Kraftstoffart Autogas, Benzin oder Diesel zehn bis 25 Prozent weniger CO2-Emissionen aus. Und seit im größeren Stil Biomethan produziert und in das Erdgasnetz eingespeist wird, gilt CNG als neuer Hoffnungsträger sowohl der Automobil- als auch Biokraftstoffbranche. Biosprit-Sorten sollen nämlich bis 2020 zehn Prozent Anteil am gesamten Kraftstoffverbrauch in Deutschland haben. Alle deutschen Erdgastankstellen könnten nach Meinung von Fachleuten ohne zusätzliche Infrastrukturkosten auf Biomethan-Stationen umgestellt werden.

Nur rund 72.000 Erdgas-Fahrzeuge in Deutschland

Erdgas hat insbesondere in Kombination mit Biomethan das Zeug dazu, einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Nach Berechnungen der Deutschen Energie-Agentur (dena) ist eine Größenordnung von etwa 1,4 Millionen Erdgasfahrzeugen erforderlich, um die Klimaziele für 2020 zu erreichen. Obwohl Erdgasautos seit 1995 in Deutschland angeboten werden, ist deren Bestand mit rund 72.000 derzeit verschwindend gering.

Warum kaufen so wenig Autofahrer ein Exemplar mit Erdgasantrieb? Timm Kehler, Chef der Firma erdgas mobil, sagt: "Wir müssen diese Alternative bekannter machen." Im Gespräch mit Flottenbetreibern zeige sich immer wieder, wie groß das Interesse, aber auch der Beratungsbedarf sei. "Ist dann die Entscheidung zugunsten eines Erdgasfahrzeugs gefallen, werden in der Folge häufig weitere Erdgas-Modelle gekauft", so seine Erfahrung. Dennoch führen CNG-Versionen in Behördenfuhrparks und Firmenflotten eher ein Schattendasein. "Das Erdgasauto erreicht nicht jene Klientel, die wirklich viel fährt", sagt Dirk Peters von der dena.

VW Passat CNG in Schweden erfolgreich

In Schweden ist das ganz anders – der VW Passat CNG wurde dort 2010 mehr als 4.700 Mal verkauft. Der Erfolg ist hausgemacht: Bei der Berechnung des geldwerten Vorteils für den Dienstwagenfahrer werden in Schweden so genannte "Green Vehicles" – mit höheren Neupreisen – vergleichbaren Benzinern und Dieseln gleichgestellt. Bei besonders effizienten Antrieben, wozu Erdgas zählt, muss sich der Dienstwagenfahrer sogar nur 60 Prozent des Neupreises als Berechnungsbasis für den geldwerten Vorteil anrechnen lassen.

Audi plant 2013 die Markteinführung der Erdgasvariante A3 TCNG – ein Bestandteil in dem so genannten e-gas project, das Audi mit dem Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoffforschung, dem IWES sowie dem Unternehmen Solar-Fuel und dem Energieversorger EWE ins Leben gerufen hat. Im Emsland entsteht auf deren Initiative eine neuartige Anlage, die Strom aus Wind in Methan, also künstlich hergestelltes Erdgas, umwandelt. Mit dem Zwischenprodukt Wasserstoff können mittelfristig Brennstoffzellenfahrzeuge betrieben werden. Die Methanisierung läuft mit Hilfe von CO2 ab, das somit nicht in die Atmosphäre gelangt. Und das aus regenerativem Strom erzeugte Methan nutzt das bestehende Erdgasnetz als Transportweg und als Speicher. Das e-gas-Konzept stellt drei Energieträger bereit und bedient damit die unterschiedlichen Antriebskonzepte – Erdgasautos sowie Autos mit Elektro- oder Brennstoffzellenantrieb.

Kaufanreize schaffen

Fragen an Timm Kehler, Geschäftsführer der erdgas mobil GmbH:

Die Nachfrage nach Erdgasautos ist eher gering. Was muss sich ändern?

Kehler: Erdgasfahrzeuge belegten 2011 mit 17 Prozent mehr Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahr den Spitzenplatz unter den alternativen Antrieben. Allerdings brauchen wir auch stärkere Unterstützung aus der Politik, zum Beispiel in Form von Förderungen für den Bau von Erdgastankstellen. Es müssen, ebenfalls durch politische Maßnahmen, mehr Kaufanreize für umweltschonende Fahrzeuge geschaffen werden.

Wann ist mit einem flächendeckenden Tankstellennetz zu rechen?

Kehler: Das hängt von vielen Rahmenbedingungen ab. Wir merken aber, dass bei den heutigen Kraftstoffpreisen das Interesse von Investoren steigt, neue Tankstellen zu bauen. Aber bereits heute ist Erdgas als Kraftstoff für viele Kunden, insbesondere Pendler, sehr attraktiv. Mit einem Erdgasauto zahlen sie nur rund fünf Euro auf 100 Kilometer. Damit rechnet sich eine Anschaffung schon bei geringen Fahrleistungen.

Welche Chancen sehen Sie für die Methanisierung von Windstrom?

Kehler: Erdgasmobilität stellt eine perfekte Transfertechnologie hin zu erneuerbaren Energien dar. Bereits heute nutzen wir das Erdgasnetz, um Biomethan an Tankstellen zu bringen. Der nächste Schritt ist nun, andere regenerative Energiequellen wie Wind oder Sonne mit einzubeziehen.

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