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Die Autobahn wird 80

Straßen nur für Autos

Autobahn A555, Autobahnschild Foto: dpa 15 Bilder

Noch lange nach dem Krieg galten die deutschen Autobahnen als die "Straßen des Führers". Der Diktator wollte den Autobahnbau erfunden haben, um die Arbeitslosen von der Straße zu holen. In Wahrheit wurde die erste Autobahn schon 1932 eröffnet. Von jemand ganz anderem.

06.08.2012 dpa, Uli Baumann

Nicht alle Einfälle des passionierten Erfinders Konrad Adenauer haben sich durchgesetzt. So spricht heute niemand mehr von seinem beleuchteten Stopfei oder dem elektrischen Insektentöter. Doch mit ein wenig Wohlwollen kann man den ersten Bundeskanzler als Erfinder der Autobahn bezeichnen. Vor 80 Jahren, am 6. August 1932, eröffnete er als Kölner Oberbürgermeister die erste deutsche Autobahn, die heutige A 555. "So werden die Straßen der Zukunft aussehen", prophezeite er - und behielt recht.

Autobahnen nur für Autos

Mit dem Bau der deutschen Autobahnen ist im öffentlichen Bewusstsein bis heute ein anderer Name verbunden. Dass Adolf Hitler auf diese Weise Hunderttausende Arbeitslose von der Straße geholt habe, ist vielleicht die langlebigste Nazi-Legende.
 
Propagandaminister Joseph Goebbels pflegte zu behaupten, dass dem Führer die geniale Idee mit den Autobahnen schon während seiner Haftzeit nach dem misslungenen Putsch von 1923 gekommen sei. Da "schlug er die Karte unseres Vaterlandes auf seinen Knien auseinander und zeichnete in sie hinein seine Reichsautobahnen". In Wahrheit waren die Nazis bis zur Machtübernahme ausgesprochene Autobahn-Gegner. So wie die meisten Parteien. In der Weimarer Republik war es nahezu Konsens, dass reine Autostraßen als purer Luxus für die oberen Zehntausend zu betrachten seien. Für normale Leute war ein Automobil schließlich unerschwinglich. Wieso sollte der Staat da hingehen und Unsummen für ein Straßennetz verpulvern? Man konnte schließlich Bahn fahren.
 
Oberbürgermeister Adenauer sah es anders. Erstens hatte er ein Faible für schnelle Autos - später als Kanzler spornte er seinen Chauffeur immer wieder mit den Worten an: "Jeben Se Jas!" (Geben Sie Gas) - und zum zweiten war zwischen Köln und Bonn wirklich die Hölle los. Die alte Landstraße zwischen den beiden rheinischen Städten galt als die am stärksten befahrene des ganzen Deutschen Reiches - regelmäßig gab es Tote. Deshalb regte Adenauer eine "Nur-Autostraße" an, auf der Fußgänger und Radler ebenso verboten sein sollten wie das "Treiben und Führen von Tieren".
 
Die Realisierung des Projekts wurde paradoxerweise durch die Weltwirtschaftskrise begünstigt. Als die Arbeitslosigkeit immer weiter stieg, ließen sich die rheinische Provinzialregierung und die Reichsregierung in Berlin dazu bewegen, den Bau der Köln-Bonner-Autobahn als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu bezuschussen.

5.500 Männer fanden vorübergehend Arbeit. So kam es, dass Adenauer "seine" Autobahn ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Krise eröffnen konnte. Die örtliche Presse bejubelte die "breite, mit grauschwarzem Splitt bedeckte Straße", die schon fast so aussah wie eine heutige Autobahn. Das einzige, was fehlte, war die Mittelleitplanke - stattdessen gab es nur einen dicken Streifen zur optischen Abtrennung. Das führte dazu, dass bald auf der Gegenfahrbahn überholt wurde.
 
Schon im nächsten Jahr wurde Adenauers Autobahn von den Nazis zur Landstraße herabgestuft, damit sich Hitler als Erfinder der Autobahn profilieren konnte. Der Führer - der übrigens nie einen Führerschein besaß - überwand dafür sogar seine Abneigung gegen jedes Form von körperlicher Anstrengung und tat am 23. September 1933 vor einem Pulk von Fotografen selbst ein paar Spatenstiche. Generalinspektor Fritz Todt verkündete: "Wir gehen nicht mehr stempeln, sondern wir bauen Straßen."
 
Die Bevölkerung glaubte dies nur zu gern, da die Arbeitslosigkeit nun tatsächlich sprunghaft abnahm. Das hatte allerdings nur zu einem geringen Teil mit den Autobahnen zu tun. Historiker führen Hitlers Beschäftigungswunder heute vor allem auf die staatlichen Rüstungsprogramme und das Anziehen der Weltkonjunktur zurück.
 
Die Reichsautobahnen blieben unter Hitler immer nur Teilstücke. Ein zusammenhängendes Autobahnnetz entstand erst, als Adenauer erneut regierte - diesmal allerdings nicht in Köln, sondern am anderen Ende seiner Autobahn: in Bonn.

Fakten zu deutschen Autobahnen

Heute umfasst das deutsche Autobahnnetz 12.845 Kilometer und damit rund sechs Prozent des Gesamtstraßennetztes. Dennoch müssen die deutschen Autobahnen rund 30 Prozent des gesamten Verkehrs abwickeln. Derzeit sind knapp 40 Prozent des deutschen Autobahnnetzes dauerhaft oder zeitweise geschwindigkeitsbeschränkt, weitere rund zehn Prozent sind mittels Streckenbeeinflussungsanlagen limitierbar. 

Deutschlands Autobahnen führen über fast 500 Brücken. Die Höchste davon ist die Kochertalbrücke auf der A6 mit 185 Meter, die Längste ist mit 4.285 Meter die "Hochstraße Elbmarsch" in Hamburg auf der A7. Zudem sind derzeit 75 Autobahntunnel in Betrieb. Der Längste ist der Rennsteigtunnel bei Oberhof mit einer Länge von 7.916 Meter. Insgesamt sind die deutschen Autobahnen mit rund 520 Autobahnkreuzen verknüpft. Nach Angaben des ADAC gab es auf deutschen Autobahnen 2011 Staus mit einer Gesamtlänge von mehr als 450.000 Kilometern. Integriert in das deutsche Autobahnnetz wurden 29 Behelfslandeplätze für Militärflugzeuge. Entlang der deutschen Autobahnen betreibt die Tank&Rast GmbH mit einem Marktanteil von 90 Prozent etwa 350 Tankstellen, 380 Raststätten und gut 50 Hotels. Im Durchschnitt findet man in Deutschland alle 60 Autobahnkilometer eine Autobahnraststätte. Etwa 500 Millionen Reisende besuchen die Raststätten im Jahr.

Die längste deutsche Autobahn ist die A7 von der dänischen Grenze bis nach Füssen an der österreichischen Grenze mit einer Streckenlänge von 961,6 Kilometer. Die kürzesten Autobahnen sind die A831 bei Stuttgart sowie die A255 und die A252 bei Hamburg mit jeweils zwei Kilometer Streckenlänge. Der längste Autobahnring Deutschlands und Europas ist der Berliner Ring, der auf einer Gesamtlänge von 196 Kilometer zehn Autobahnen miteinander verbindet. Berlin bietet auch den meistbefahrenen Autobahnabschnitt. Auf der A100 zwischen Dreieck Funkturm und Kurfürstendamm rollen täglich 186.100 Fahrzeuge. Das geringste Verkehrsaufkommen hat die A20 bei Uckermark mit täglich nur 2.500 Fahrzeugen.

Autobahnen mit geraden Endziffern verlaufen überwiegend in West-Ost-Richtung, jene mit ungerader Endziffer in Nord-Süd-Richtung.

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