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Die besten Geschichten aus 30 Jahren Motor Klassik

404 mit Fortsetzung

Peugeot 404 Foto: Archiv 9 Bilder

In der 30-jährigen Geschichte von Motor Klassik gibt es einige Storys, die besonders tiefe Spuren hinterlassen haben – auch bei ihren Autoren. Ulrich Bethscheider-Kieser erinnert sich an die Reportage über eine Frankreichreise mit der Folge, dass er von der Zahlenkombination 404 nicht mehr loskam.

13.02.2014 Ulrich Bethscheider-Kieser Powered by

Dies ist die Geschichte eines Anfangs. Eines Anfangs in mehrfacher Hinsicht. Die Motor Klassik-Ausgabe 1/1990 steht für meinen Anfang als Redakteur bei diesem Magazin. Für die erste Ausgabe durfte ich eine Reportage beisteuern, die damals zwar nicht topaktuell war, aber dafür umso persönlicher. Es lag gute zwei Jahre zurück, dass ich mit einem betagten Peugeot 404 gemeinsam mit Freunden eine Urlaubsreise in die Bretagne unternommen hatte.

Eine Reise mit einem Oldtimer war schon damals etwas Besonderes - und die Vorgeschichte dazu noch viel mehr: Ich kannte die cremefarbene Limousine aus meiner Heimatstadt. Ein alter Herr war mit dem Wagen gelegentlich unterwegs, und mein geschätzter Oldtimer-Freund Christian und ich freuten uns jedes Mal, wenn wir den 404 im Straßenverkehr erblickten.

Auf den Schrott und zurück

Irgendwann war er weg. Tauchte einfach nicht mehr auf. Bis ihn Christian auf der Suche nach irgendwelchen Ersatzteilen auf einem Schrottplatz wiederentdeckte. Der Fahrzeugbrief, noch jenes alte graue Exemplar, war entwertet, obwohl die Dokumente noch einige Monate TÜV für die Limousine auswiesen. Für Christian war klar: Dieses Auto darf nicht in der Schrottpresse landen. Obwohl aus den Tiefen seines Vierzylinders ein leichter Lagerschaden klang, kaufte Christian dem Alteisenhändler den 404 ab.

Auch einen weiteren Plan gab es schon: "Du brauchst einen 404", sagte er mir kurz und knapp, und mir wollte einfach kein geeignetes Gegenargument einfallen. Christian versprach, den 404 mit einem anderen, noch gesunden Motor zu bestücken und wieder TÜV-tauglich zu machen. Dass die Limousine mit den markanten Heckflossen angesichts des bereits vorhandenen Rostfraßes überhaupt noch mal den Freifahrtschein für zwei Jahre bekam, muss man aus heutiger Sicht wohl als Glücksfall bezeichnen. Vielleicht musste es so sein, vielleicht wurde für mich die 404 zu einer Art Glückszahl.

Peugeot legt ohne Probleme die 2.000 km-Reise zurück

Kaum war die Limousine mit neuem TÜV und Zulassung bestückt, stand eine Urlaubsreise an. Mit Freunden aus der Schulzeit sollte es in die Bretagne gehen, und für mich als Volontär bei der Motor Presse, der gerade eine Station bei Motor Klassik absolviert hatte, war klar, dass der Peugeot 404 eines der Reisefahrzeuge sein sollte.

Heute lässt sich dieses Vorhaben nur mit einer ordentlichen Portion jugendlichem Leichtsinn erklären und begründen. Ein Auto, das wenige Wochen zuvor noch auf dem Schrott gestanden hat, mit sehr begrenzten Mitteln wieder flottgemacht wurde, vollgepackt mit vier Personen und Gepäck auf eine 2.000-Kilometer-Tour quer durch Frankreich loszulassen? Gut, eine Werkzeugkiste hatte auch noch im Kofferraum ein Plätzchen gefunden, aber ob sie mir im Ernstfall wirklich geholfen hätte?

Die Kamera hatte ich auch dabei und im Hinterkopf die Idee, für Motor Klassik einen Bericht zu schreiben - wenn die Reise denn genügend Stoff bieten würde. Am Ende war sie in gewisser Weise sogar unspektakulär, denn der Peugeot 404 spulte brav und ohne jegliche Probleme die weite Tour zum westlichsten Zipfel Frankreichs und wieder zurück ab. Aber gerade das war angesichts seines eigentlich erfolgten Todesurteils ja schon etwas Besonderes - und Stoff genug für einen dreiseitigen Artikel in Motor Klassik.

Viel Fahrspaß im simplen und billigen Oldie

Als die Reportage erschien, bildete diese Story aus dem gewöhnlichen Alltag mit einem braven Oldtimer ein schönes Gegengewicht zu dem seltenen Mille Miglia-Ferrari, der auf der Titelseite des Magazins zu sehen war. Und sie zeigte auf, dass man in Zeiten des damals beginnenden Oldtimer-Investment-Denkens auch mit einem simplen und billigen Oldie, der so normal ist wie ein Baguette und ein Rotwein, ungeheuer viel Fahrspaß und Freude erleben kann.

Zwei Jahre lang hat mich die Limousine begleitet, nach Wien, nach Padua, in die Normandie, quer durch Deutschland. Sommer wie Winter. Mit all den kleinen Macken wie einer defekten Scheibenwaschanlage oder dem Bangen, ob bei Frost die Batterie es gerade noch schafft, den Vierzylinder des Peugeot 404 in Bewegung zu setzen. Die bereits kräftig vorangeschrittene Korrosion war es dann, die den endgültigen Schlusspunkt setzte. Der durch den Ganzjahreseinsatz grassierende Rostfraß ließ einen neuen TÜV-Stempel unmöglich werden.

Das Gute-Laune-Auto

Doch der Peugeot 404 hat Spuren hinterlassen: Mit einigen Unterbrechungen bin ich dieser Zahlenkombination treu geblieben. Heute steht mein insgesamt vierter Peugeot 404 in der Garage. Es ist natürlich wieder einer der frühen Generation mit dem herrlichen Breitbandtacho und dem Getriebe mit versetztem Schaltschema. Selbstverständlich auch mit Schiebedach.

Es ist mein Gute-Laune-Auto: Kaum aus der Garage rausgefahren, steht spätestens beim Schalten in den zweiten Gang das Grinsen im Gesicht. Beruflich darf ich heute den Peugeot 508 fahren, gewissermaßen der Urururenkel des 404. Wenn ich morgens mit dem modernen Löwen durch Köln ins Büro fahre, kommt mitunter der Gedanke: Im Sommer fährst du diese Strecke mit dem 404. Und dann träume ich von einer Reise in die Bretagne.

Hier lesen Sie die Originalgeschichte in voller Länge.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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