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Die Geschichte des Cabriolets

Offen und herrlich

Lincoln Continental, John K. Kennedy Foto: Ullstein-Bild 12 Bilder

Das Cabriolet ist die beliebteste Karosserieform für Klassiker. Besonders sportliche offene Autos stehen hoch im Kurs, weil sie bei den meist in der Freizeit genutzten Autos den größten Fahrspass bieten. Zu beginn des Automobilbaus waren offene Karosserien aber die Regel - und kein Spassfaktor.

21.01.2014 Dirk Johae Powered by

Es war schlicht und einfach eine Frage des Preises: Autos mit offener Karosserieform waren kostengünstiger als solche mit einem geschlossenen Aufbau. Die ersten Wagen mit festem Dach über den Köpfen der Insassen gab es erst etwa 20 Jahre nach der Erfindung des Automobils. Doch bis in die dreißiger Jahre blieb das Fahren mit einem Wagen eine offene Angelegenheit. Erst danach wandelten sich Funktion und Preis von Cabriolets - sie verloren ihren Alltagscharakter und wurden teurer.

Woher kommt die Bezeichnung?

Aber was ist eigentlich ein Cabriolet oder kurz Cabrio? Im Duden ist die Definition ganz einfach: ein Auto mit aufklappbarem oder versenkbarem Verdeck. Damit fallen auch alle Sonderformen wie zum Beispiel Spyder, Roadster, Speedster oder Drop Head Coupé (DHC) unter diesen Sammelbegriff.

Ursprünglich stammt er wie viele Karosseriebezeichnungen aus dem Kutschenbau. Das Cabriolet war zunächst ein leichter zweisitziger Pferdewagen mit Verdeck, der über zwei Stangen starr mit dem Pferdegeschirr verbunden war - ähnlich wie noch heute bei einem Sulky im Trabrennsport. Der Besitzer war meist selbst der Kutscher, und an Komfort war bei diesen "Kabrioletts" nicht zu denken. Die Bezeichnung für den Kutschentyp lässt sich laut Historikern bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Der Begriff entstand in Frankreich, wurde aber später auch von den Kutschenbauern in England und Deutschland übernommen.

Im Gegensatz zu den Pferdewagen waren die als Cabriolets bezeichneten Automobile entweder sportliche Luxuswagen mit leistungsstarken Motoren und edlen Karosserieaufbauten oder kleinere, leichte sportliche Zweisitzer vornehmlich für junge Fahrer, die für einen relativ günstigen Preis ein recht schnelles Auto bekamen.

Exklusives Auto für kleinen Kundenkreis

Die englischen Roadster wie die MG-Sportwagen richteten sich in den 30er Jahren damit an die Kundschaft, die ein Jahrhundert zuvor vermutlich eine Cabriolet-Kutsche gefahren wäre. Auf dem Kontinent allerdings fanden die kompromisslosen Roadster von der Insel nur wenig Freunde. Ein Cabriolet blieb hier das exklusive, teure Auto für einen kleinen Kundenkreis.

Mercedes-Benz fächerte für diese Klientel sein Angebot an offenen Modellen gründlich auf: Für die Baureihe 500K/540 K gab es vom Karosseriewerk Sindelfingen offene Versionen, die je nach Modifikation von A bis F durchdekliniert wurden.

Dieses System wurde auch für Nachkriegsmodelle fortgeführt. Cabriolets stammten jetzt mehr und mehr von einer Coupé-Version ab - wie beim 220 S, dessen offene Variante Cabriolet A/C hieß, übrigens mit selbsttragender Karosserie. Mit 21.500 Mark war der Preis für beide Versionen gleich, überstieg aber den Preis der entsprechenden Limousine um 9.000 Mark.

Export in die USA

Zwei Jahre vor dem 220 S Cabriolet präsentierte Mercedes-Benz den 190 SL, den zweisitzigen Sportwagen mit 105 PS starkem Vierzylinder und einer Karosserie mit Zitaten des 300 SL Coupé. Zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurde der Open-Air-Sportler nicht etwa in Frankfurt, sondern in New York - die USA und vor allem die sonnigen Südstaaten waren der größte Markt für offene Autos. Das galt auch für die klassischen britischen Roadster.

Das Angebot an einigermaßen erschwinglichen offenen Autos in Deutschland war zur Wirtschaftswunderzeit noch recht überschaubar. Im Straßenbild war etwa der bei Karmann gebaute VW Käfer eine Seltenheit. Der Automobilhistoriker Halwart Schrader verweist auf die nüchternen Zahlen: Nur rund 1,7 Prozent aller gebauten Käfer waren Cabriolets.

Roadster-Renaissance dank Mazda MX-5

Einige Hersteller wie Audi oder Opel spielten mit dem Gedanken, offene Modelle anzubieten - angesichts geringer Stückzahlen verließ sie der Mut. In der 80er Jahren stieg auch hier zu Lande die Nachfrage nach Cabriolets, wie die wachsende Zahl von Modellen diverser Anbieter zeigt: Das Saab Cabriolet oder der offene BMW auf Basis des E30 sorgten für den Durchbruch, der Mazda MX-5 läutete eine Roadster-Renaissance ein.

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