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Eifelrennen

Die Geschichte des Eifelrennens

Foto: Archiv Födisch, Mercedes, Weitmann, Audi, Hofmann 17 Bilder

1922 fegte das Eifelrennen erstmals rund um Nideggen, zog 1927 auf den Nürburgring um und feiert im September Wiederauferstehung als Klassik-Rennen. Eberhard Reuß erinnert an die wechselvolle Geschichte.

26.12.2008 Eberhard Reuß Powered by

"Fünf Siege in Monza können einen Nürburgring-Sieg nicht aufwiegen", charakterisierte Rudolf Caracciola die lebenslange Beziehung zur Eifelrennstrecke. Es mag als Fingerzeig des Schicksals gelten, dass ausgerechnet er das Eröffnungsrennen des neuen Nürburgrings am 19. Juni 1927 gewonnen hat - damals als Eifelrennen auf der 28 Kilometer langen Kombination aus Nord- und Südschleife gestartet. Vor den Sportwagen sind bereits tags zuvor die Motorräder an der Reihe gewesen. Sieger wurde Toni Bauhofer auf einer BMW - schließlich ist das Eifelrennen von Anfang an bis 1974 eine gemischte Veranstaltung, ehe sich die Sicherheitsbedürfnisse der Zwei- und Dreiradartisten mit den Interessen des Renn- und Tourenwagensports nicht mehr miteinander vereinbaren lassen.

Es begann als ADAC-Eifelrundfahrt

Schon vor der Eröffnung des Nürburgrings ist ein Eifelrennen aus der Taufe gehoben worden - als ADAC-Eifelrundfahrt auf einer 33,2 Kilometer langen Rundstrecke bei Nideggen, die durch sieben Ortschaften führte. Eine Art deutsche Ausgabe von Targa Florio und Tourist Trophy, erstmals ausgetragen am 15. Juli 1922 in fünf Motorrad- und vier Wagenklassen. Prominentester Sieger ist Fritz von Opel. Der so genannte "Ruhrkampf" und "passive Widerstand" gegen die französische Besatzungsmacht sorgen dafür, dass die zweite Auflage der Eifelrundfahrt erst im Jahr 1924 stattfinden kann, wieder mitten im Juli, doch diesmal bei Sturm, Regen und Hagel.

Auch das Wetter hat also eine lange Tradition - ebenso, dass sich 1924 schon Rudolf Caracciola in der Siegerliste verewigt. Dank dieser bis 1926 veranstalteten Eifelrundfahrten ist die Bevölkerung der herben und kargen Vulkanlandschaft auf den Geschmack gekommen an Motorsport als touristischer Attraktion. Bis zu 70.000 Zuschauer sollen damals die ersten Rennen verfolgt haben - die wichtigste Argumentationshilfe, um den Bau des Nürburgrings mit massiven Steuermitteln auf den Weg zu bringen. Der AvD wechselt 1927 mit seinem Großen Preis von Deutschland in die Eifel, und der ADAC macht auf dem neuen Kurs die Eifelrundfahrt zu seinem Eifelrennen. Es findet indes von 1928 bis 1931 auf der Südschleife statt, ehe ab 1932 die Nordschleife Schauplatz der nach Hubraumklassen ausgetragenen Automobilrennen wird.

Caracciola gewinnt in einem Alfa Romeo

Damals gewinnt Caracciola in einem Alfa Romeo - ein Alarmsignal für die deutsche Autoindustrie und der Beginn, massiv den Bau eines staatlich subventionierten "Nationalrennwagens" zu fordern. Der steht dann 1934 gleich in zweifacher Variation am Start des Eifelrennens: Mercedes-Benz gegen Auto Union lautet das Duell, nachdem die Stuttgarter zuvor auf der AVUS noch passen mussten und die Zwickauer an den Tücken von Regen und Technik gescheitert sind. Auf der Nordschleife trägt Manfred von Brauchitsch den Sieg davon, um bis heute Stoff für silberne Legenden zu liefern. Kräftig am Lack der Mercedes-Benz W 25 gekratzt hat allerdings erst Bernd Rosemeyer im Jahr 1935, als er bei seinem zweiten Einsatz für die Auto Union gleich Rudolf Caracciola hinter sich lassen kann - ehe der Altmeister ein paar Kilometer vor dem Ziel doch noch vorbeizieht. Der Korrespondent der "Frankfurter Zeitung" zitiert die Aussage von Auto Union-Rennleiter Willy Walb, "dass bei Rosemeyers Wagen in der letzten Runde zwei Kerzen ausgesetzt hatten, so dass er an der Entfaltung seiner vollen Geschwindigkeit auf der Geraden verhindert gewesen sei." Das ruft die NS-Zensur auf den Plan: Die "Reichspressekonferenz" untersagt, diese Erklärung weiterzuverbreiten.

Rosemeyer-Siege 1936 und 1937

Dafür hält sich Bernd Rosemeyer in den nächsten beiden Jahren schadlos und gewinnt zweimal in Folge das Eifelrennen. Wobei der Sieg von 1936 bis heute legendär geblieben ist, weil der Ausnahmerennfahrer der Auto Union bei Regen und dichtestem Nebel in einem beispiellosen Zweikampf den Alfa Romeo des legendären Tazio Nuvolari hinter sich lassen kann. Noch schwieriger sind in den dreißiger Jahren jedoch die politischen Bedingungen, unter denen in Deutschland Rennsport betrieben wird: NSKK-Führer Adolf Hühnlein sagt 1938 kurzerhand das Eifelrennen ab, weil die Auto Union nach Rosemeyers tödlichem Unfall nicht in der Lage ist, mit ihren neuen Rennwagen auf dem Nürburgring gegen Mercedes-Benz anzutreten. Der ADAC ist im gleichgeschalteten DDAC aufgegangen, Entscheidendes mitzureden hat man nicht mehr: In den Archiven finden sich Bittschreiben, die auf die für die Region so wichtigen Einnahmen aus dem Eifelrennen verweisen.

Doch Hühnlein bleibt hart. Erst 1939 gibt es wieder ein Eifelrennen, das Hermann Lang im Mercedes-Benz W 154 gewinnt. Anlass für Rudolf Caracciola, sich bei Daimler-Benz-Vorstandschef Wilhelm Kissel bitter über angebliche Benachteiligung gegenüber seinem schwäbischen Stallgefährten zu beklagen. Alles schon mal dagewesen, mag sich der geneigte Leser an den Zwist zwischen Fernando Alonso und Lewis Hamilton erinnern. Nach Kriegsende sind es in erster Linie die altgedienten Motorradasse, die den Rennsport in der Eifel wiederbeleben. Das Geld ist knapp, die Ära der Silberpfeile vorbei.

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