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Die höchsten Strafen für Autohersteller

Was VW zahlen muss - und wer schon gezahlt hat

VW USA TDI Foto: VW 21 Bilder

Volkswagen droht in den USA für den Manipulationsskandal eine Rekordstrafe. Angemessen? Vergleichen Sie selbst! Wir haben die Auto-Sünder und die höchsten Strafzahlungen gesammelt und erklärt.

25.09.2015 Kai Klauder

Strafzahlungen und finanzielle Folgen des VW-Abgasskandals

Wenn das Höchstmaß an möglichen Strafzahlung ausgeschöpft würde - 37.500 Dollar pro betroffenem Auto stehen im Raum -, würde sich das bei den 482.000 in den USA verkauften Fahrzeugen, um die es aktuell geht, auf 18 Milliarden Dollar summieren. Allerdings sind Amerikaner dafür bekannt, erstmal mit heftigen Zahlen zu drohen - oft muss danach die Suppe nicht ganz so heiß ausgelöffelt werden, wie sie gekocht wird. Allerdings kommen dazu so oder so noch Sammelklagen von Käufern, Händlern und anderen Geschädigten sowie Prozesskosten, Honorare für hochkarätige Anwaltskanzleien sowie Kosten für Rückrufaktionen und die Anpassung der Technik.

Das bedeutet: Die finanziellen Folgen sind kaum abschätzbar, aber in jedem Fall immens. Vor allem, seit VW zugegeben hat, dass insgesamt rund 11 Millionen Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda und Seat weltweit betroffen sind. Auch aus Deutschland werden - unter anderem von NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) - Entschädigungsforderungen laut.

VW mit Gewinnwarnung und Rückstellungen in Milliardenhöhe

Kein Wunder, dass Volkswagen schon am Tag 2, nachdem die Aktie nach dem Bekanntwerden gehandelt wurde, eine Gewinnwarnung ausgab. 6,5 Milliarden Euro seien zurückgestellt - und die drücken aufs Ergebnis. Allein über den abstürzenden Aktienkurs verlor das Unternehmen seit Bekanntwerden des Betrugsskandals zwischenzeitlich mehr als 30 Milliarden an Wert. Lag der Aktienkurs am 09.09.2015 noch bei 169,75, sank er im Zuge des Abgasskandals bis auf unter 100 Euro. Auch der Aktienkurs der Konzerntochter Porsche gab zwischenzeitlich um mehr als 30 Prozent nach.

Strafe muss sein

Eines ist völlig klar: VW hat den „clean diesel“ zum „mean diesel“ gemacht und mies betrogen. Wer Gesetze bewusst umgeht, handelt kriminell und muss bestraft werden - ohne Pardon. Das bedeutet im Minimum empfindliche Geldstrafen. Doch ist die Größenordnung von 18 Milliarden Dollar gerechtfertigt, wenn man einen Blick auf die weiteren finanziellen Folgen und den realen Schaden für Kunden und Öffentlichkeit wirft? Wir haben uns angeschaut, welche Rekordstrafen in der Vergangenheit in den USA bisher verhängt wurden:

Bisheriger Negativ-Spitzenreiter ist Toyota

Die beiden bisherigen Höchststrafen unterscheiden sich insofern von dem aktuellen Fall, weil bei ihnen nicht vorsätzlich betrogen wurde, sondern allenfalls fahrlässig Fehler gemacht wurden. Weiterer entscheidender Unterschied: Durch Konstruktionsfehler beziehungsweise das Verbauen von fehlerhaften Komponenten sind Menschen unmittelbar oder zumindest als Folge zu Tode gekommen.

Die bisher höchste Strafe musste Toyota bezahlen. 2014 kam es bei Fahrzeugen der Marken Toyota und Lexus zu Problemen mit klemmenden Gaspedalen und rutschenden Fußmatten. Tausende Käufer klagten über "unintended acceleration", also unbeabsichtigte Beschleunigung. Die US-Behörden warfen den Japanern aber vor allem mangelhafte Informationspolitik vor. Am Ende untersuchte gar die NASA. Letztlich einigten sich die Behörden mit dem Hersteller auf eine Strafzahlung von 1,2 Milliarden US-Dollar.

Weltweit musste Toyota in Summe 9 Millionen Fahrzeuge zurückrufen. Ob der Hersteller allerdings für die Unfälle verantwortlich gemacht werden kann, ist zumindest fraglich. So wurde Toyota/Lexus von Sachverständigen der NASA entlastet. In den allermeisten Fällen, in denen Menschen zu schaden kamen, konnte menschliches Versagen nachgewiesen werden. Der deutsche TÜV wies mit einem eigens durchgeführten Fahrversuch zudem nach, dass auch Toyota-Fahrzeuge mit der Betriebsbremse jederzeit zum Stillstand gebracht werden können - selbst wenn gleichzeitig Vollgas gegeben wird. Nichtsdestotrotz einigte sich Toyota mit den Behörden schließlich auf eine Zahlung von 1,1 Milliarden Dollar, nachdem bereits 66 Millionen bezahlt worden waren.

124 Todesofper durch defekte Zündschlösser - 900 Mio. Dollar

Ganz aktuell ist die Einigung von General Motors. Der US-Hersteller muss 900 Millionen US-Dollar zahlen, weil er die Informationen über defekte Zündschlösser zurückgehalten hatte. GM waren die Probleme mit den Zündschlössern schon seit Jahren bekannt, aber die Amerikaner reagierten erst nach einer großen Zahl von Todesopfern - es geht um mindestens 124 Personen, die bei der Pannenserie ums Leben kamen. Bei den betroffenen Fahrzeugen konnte der Zündschlüssel während der Fahrt in Position "0" zurückspringen und so die Zündung unterbrechen, so dass der Motor ausging. Infolgedessen fielen im Extremfall die Servolenkung, der Bremskraftverstärker und die Airbags aus.

GM muss mindestens 2,6 Millionen Fahrzeuge zurückrufen, die Kosten hierfür liegen ebenfalls im höheren dreistelligen Millionenbereich. In beiden Fällen kamen mehrere Personen zu Tode. Alleine bei General Motors sind Zivilklagen und Schadensersatzforderungen in rund 1.380 Todes- und Verletzungsfällen anhängig, weitere Zahlungen in Millionenhöhe werden erwartet.

Chrysler muss 2015 rund 255 Mio. Dollar zahlen

Auf Platz 3 und 4 der höchsten Strafen steht Chrysler. 150 Millionen Dollar plus Rückruf von 1,56 Millionen Fahrzeugen waren 2015 fällig, weil das Unternehmen seine Informationspflicht gravierend verletzt hatte. Ausgangspunkt für die Behördenermittlungen war ein Unfall, in dessen Verlauf der Tank eines Jeep Grand Cherokee leck schlug und in Flammen aufging. Ein 3-jähriger Junge kam bei dem Unfall ums Leben.

Im gleichen Jahr wurde Fiat Chrysler außerdem zu 105 Millionen US-Dollar wegen fehlerhafter Rückrufaktionen verurteilt.

Takata-Airbags - der größte Rückruf aller Zeiten

Einen Negativrekord hält das japanische Unternehmen Takata. Denn der Automobilzulieferer gestand nach Jahren der Ermittlung durch amerikanische Behörden ein, dass fehlerhafte Airbags bei rund 34 Millionen Fahrzeugen verbaut worden waren. Takata gehört zu den größten Airbag-Produzenten und belieferte mit den schadhaften Schutzmodulen die Hersteller BMW, Fiat Chrysler, Ford, General Motors, Honda, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru und Toyota.

Dokumentiert sind durch die US-Verkehrsaufsicht bisher 6 Todesfälle und mehr als 100 Verletzte. Takata weigerte sich lange Zeit, mit den Behörden zusammenzuarbeiten und einen Rückruf zu starten. Takata erklärte sich erst zur Zusammenarbeit bereit, als im Februar 2015 eine Strafzahlung in Höhe von 14.000 Dollar täglich verhängt wurde.

Exponentielle Steigerung der Strafzahlungen

Bemerkenswert ist die Höhe der Strafzahlungen, zu denen die Unternehmen verurteilt werden - sie nehmen exponentiell zu. Kam Daimler im Jahr 2008 noch mit vergleichsweise geringen 30 Millionen Dollar wegen falscher Verbrauchsangaben davon, musste Hyundai/Kia 2014 wegen mangelhafter Verbrauchsangaben schon 100 Millionen Dollar zahlen.

Der Verstoß gegen Umweltauflagen wird von den US-Behörden - den kalifornischen zumal - immer rigider bestraft. Volkswagen muss mit einer Rekordstrafe rechnen, die über dem liegt, was alle bisherigen Strafzahlungen zusammen betragen.

Weitere Rekordstrafen nennen wir in unserer Fotoshow.

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