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Die neuen Design-Chefs

Die Designer von BMW, Mercedes und Renault

BMW-Designchef Adrian Van Hooydonk Foto: Hersteller 6 Bilder

Generationenwechsel in der Designerszene: Letztes Jahr übernahm Gorden Wagener bei Mercedes das Amt des Designchefs von Peter Pfeiffer. Adrian van Hooydonk ersetzt Chris Bangle bei BMW, und Laurens van den Acker folgt im August auf den langjährigen Renault-Designchef Patrick Le Quément. Was unterscheidet die jungen Wilden von ihren Vorgängern?

20.06.2009 Birgit Priemer

Rein räumlich hat sich in der Mercedes-Stylingabteilung nichts geändert. Gorden Wagener residiert als neuer Designchef im gläsernen Büro seines Vorgängers Peter Pfeiffer.

Wageners neuer Führungsstil bei Mercedes

Der frische Wind weht aus einer anderen Ecke – und zwar kräftig: "Der Designbereich ist nicht mehr der, der er einmal war", erklärt Wagener, der gerade 39 Jahre alt geworden war, als er dieses Amt beim Traditionsunternehmen Mercedes übernahm. "Wir haben einen großen neuen Kreativbereich geschaffen, Interieur von Exterieur getrennt und alle Schlüsselpositionen neu besetzt."

Keine Frage: An Selbstbewusstsein mangelt es Gorden Wagener nicht. Gelassen erläutert er an seinem neuen gläsernen Forster-Schreibtisch ("der alte aus Plexiglas hing durch") seine Strategie: „"ch bin sehr geprägt durch den amerikanischen Führungsstil. Ich bin mit jedem hier per Du und will nicht so hierarchisch arbeiten." Wagener, 1968 in Essen geboren und Absolvent des Royal College of Art in London, hat vor seiner Berufung jahrelang das Mercedes- Designstudio in Pasadena geleitet – daher rührt seine USA-Affinität. Und weiter: "Wenn man sich junge Start-up-Unternehmen wie zum Beispiel Google anschaut, dann sieht man, dass die ebenfalls nur mit ganz flachen Hierarchien arbeiten."

Neue Herausforderungen für den BMW-Designer

Ungewohnte Töne im Hause Mercedes, aber vielleicht will man die gerade hören. Eines ist Wagener vollkommen klar: "Mercedes hat mit meiner Berufung mit nur 39 Jahren als einer der traditionsreichsten Hersteller ein klares Zeichen gesetzt. Und vielleicht hat das dann auch die anderen Marken ermutigt, junge Designer zu benennen." Die Verjüngungskur soll sich natürlich auch im Designstil widerspiegeln. Wagener: "Ich will Mercedes zu der Design-Company schlechthin machen. Wir wollen immer stilvoll sein, aber auch sportlich, denn das ist einfach ein weltweites Gesellschaftsphänomen. Selbst 60-Jährige legen heute keinen Hut mehr auf die Ablage. Sie tragen Jeans, spielen Golf und wollen ihre sportliche Lebenseinstellung auch mit der Wahl ihres Autos dokumentieren."

Einen wichtigen Unterschied zu seinem Vorgänger sieht er auch in der Ausbildung: "Die junge Generation hat durch die Bank an richtigen Designschulen studiert, die es vor 20 bis 30 Jahren noch gar nicht gab. Wir müssen viel professioneller sein. Schließlich gab es früher drei Limousinen-Baureihen, mittlerweile haben wir 18 verschiedene Linien."

Vor neue Herausforderungen sieht sich auch Adrian van Hooydonk gestellt, der im Februar das Amt des BMW Group Designchefs von Chris Bangle übernommen hat: "Durch die Wirtschaftskrise und die Erfordernisse zur CO2-Reduzierung ergeben sich ganz andere Anforderungen als noch vor fünf oder zehn Jahren", so der gebürtige Niederländer (45), der am Art Center Vevey in der Schweiz zum Autodesigner graduierte. Wie Wagener hat auch er eine Zeitlang das Außenstudio in den USA geleitet und war in dieser Funktion Chef von BMW-Designworks. Van Hooydonk liebt auf die Frage nach seiner Führungsrolle leise Töne: "Ich möchte ich bleiben. So wirkt man als Führungskraft auch am überzeugendsten." Und: "Es ist in dieser Firma nicht üblich, dass sich eine Mannschaft als Kopie des Chefs darstellt. Wichtig ist im Prinzip der gute Entwurf eines Autos."

Design-Neuanfang bei BMW und Mercedes

Dazu lässt van Hooydonk seinen Teams mit insgesamt weltweit rund 500 Mitarbeitern am Anfang viele Freiräume und bringt sich bewusst erst ein, wenn es um die Projektfortschreitung geht: "Man darf sich nicht zu früh in Details verlieren." Genauso wie Wagener pflegt er zu seinem Vorgänger ein freundschaftlich-distanziertes Verhältnis: "Ich kenne Chris Bangle seit 16 Jahren. Ich habe ihn lange erlebt und weiß, wie er diesen Job gemacht hat und wie er es immer wieder geschafft hat, Leute zu motivieren. Aber ich bin anders aufgewachsen und habe meinen eigenen Werdegang." Mit Wagener und van Hooydonk wagen Mercedes und BMW einen Neuanfang, ohne das Risiko einer Revolution einzugehen.

Wagener ist seit 1997 bei Mercedes, van Hooydonk seit 1992 bei BMW. Anders sieht es mit Laurens van den Acker (43) aus, der im August Patrick Le Quément als Renault-Designchef folgt – er hat noch nie bei der Marke gearbeitet. Van den Acker ist ebenfalls Niederländer und hat seinen Abschluss als Industriedesigner 1990 in Delft gemacht. Nach einer Station in Italien war er bei Audi, Volvo und Ford tätig, bis er 2006 das Amt als Mazda-Designchef übernahm und mit Frau und Kind nach Hiroshima/Japan gezogen ist.

Das Eintauchen in die Welt Asiens war für van den Acker keinesfalls ein Kulturschock – es hat ihm gefallen, und er hat sich dabei intensiv mit dem Schicksal der Stadt Hiroshima beschäftigt, auf die 1945 eine Atombombe abgeworfen worden ist. Als Designer hat er sich mit einer Serie von Studien schnell einen Namen gemacht. Keiner verstand es besser, die Formen von Meereswellen, Sanddünen, Felsformationen und im Wind schwingenden Wüstengräsern so gekonnt ins Autodesign zu übertragen. Kein Wunder, dass Renault-Konzernchef Carlos Ghosn, der wie van den Acker lange in Japan gelebt hat, Gefallen an dessen Arbeit fand. "In spätestens drei Jahren", so hat van den Acker bei Mazda versprochen, "werden wir diese Formen auf der Straße sehen." Er wird es sich nur noch aus der Distanz anschauen können.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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