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Die neuen R5-Rallye-Autos

Druck-Stufe in der Rallye-WM

Skoda Fabia Super 2000, Frontansicht Foto: McKlein 9 Bilder

Die erfolgsverwöhnten Super 2000 mit ihren kreischenden Saugmotoren sind im internationalen Geschäft zum Tode verurteilt. Abgerüstete World Rally Cars und die neue R5-Kategorie mit Aufladung sind schneller, zum Leidwesen der Aktiven aber nicht billiger.

26.03.2013 Markus Stier Powered by

Ein Skoda Fabia Super 2000 ist eigentlich die beste Investition, die sich als privates Rallyeteam so tätigen lässt. Verglichen mit einem World Rally Car nahezu ein Schnäppchen, dazu einsetzbar in fast jeder Meisterschaft.

Zudem gibt es kein erfolgreicheres Sportgerät: Skoda gewann im Vorjahr die Intercontinental Rally Challenge (IRC), die Europameisterschaft und die Asien-Pazifik-Meisterschaft. Raimund Baumschlagers BRR-Team ist im Kundengeschäft eine der besten Adressen. Der Österreicher hat zwei Fabia Super 2000 in der Halle stehen und müsste ein glücklicher Mann sein. Stattdessen sagt er: „Im Grunde müsste ich das alles jetzt verkaufen.“

Rennwagen fürs Museum

Die Uhr läuft ab. Vermutlich hat ein top vorbereiteter S 2000 in einem Jahr nur noch Museumswert. Der Grund ist eine neue Fahrzeugkategorie namens R5, deren Reglement ist seit dem 1. Januar in Kraft ist. Schon seit Jahren existiert für die unteren Klassen mit verbesserten Fronttrieblern die Gruppen-Einteilung R1 (1,4 Liter), R2 (1,6 Liter) und R3 (2,0 Liter). Die Gruppe R4 gilt seit 2010 für die Gruppe-N-Allrader mit Zwei-Liter-Turbomotoren - ein vergeblicher Versuch der FIA, die seriennahen Mitsubishi Evo und Subaru Impreza mit größerem Lufteinlass und weniger Gewicht mit den reinen Renngeräten der S 2000 zu nivellieren.
 
Die beiden japanischen Hersteller stellten in ihren besten Jahren die Mehrheit der Starterfelder, heute sind die Flügel-bewehrten Kult-Autos eine aussterbende Gattung. Beide Hersteller lassen ihre Rallye-Aktivitäten langsam einschlafen, und neue Konkurrenz ist nicht in Sicht.

Preise sind deutlich angestiegen

Aber auch bei den S 2000 liegt manches im Argen, vor allem die Kosten. Die FIA träumte bei der Einführung Mitte des letzten Jahrzehnts von Preisen um die 200.000 Euro. Wer bei der Musik sein will, überweist heute eher 320.000 Euro - plus Steuern. Allein die letzte Motoren-Ausbaustufe für einen Ford Fiesta kostet 40.000 Euro extra. Lösten die mit starrem Durchtrieb technisch deutlich vereinfachten Allrader anfangs noch so viel Euphorie aus, dass die FIA sogar daran dachte, die ebenfalls finanziell aus dem Ruder gelaufenen World Rally Cars damit zu ersetzen, fanden sich 2012 keine zehn eingeschriebenen Teilnehmer mehr im höchsten Championat, der SWRC.
 
Deshalb also jetzt R5. Die Karossen bieten ähnliche Freiheiten wie ein WRC, sind auch nahezu gleich teuer, doch die 1,6-Liter-Motoren sollen bis zu 70 Prozent billiger sein, denn reine Rennmotoren sind verboten. Dank Aufladung sind sie dennoch einem Zwei-Liter-Sauger der S 2000 haushoch überlegen - mehr Leistung, viel mehr Drehmoment, bessere Dosierbarkeit gerade bei schlüpfrigem Untergrund. Die Turbos mit Direkteinspritzung waren der Wunsch der Hersteller, die in der Serienentwicklung die Sauger reihenweise ausmustern.
 
Das betrifft nicht zuletzt die Gruppen R1 bis R3.“Wenn wir einen Fabia R3 bauen wollten, müssten wir mit einem Uraltmotor antreten, der gar nicht mehr verkauft wird“, bemängelt Skoda-Sportchef Michal Hrabanek. Der Tscheche sitzt mit seiner Erfolgstruppe wie seine Kundschaft zwischen Baum und Borke. Seine Fabia sind auch in der anlaufenden Saison das Maß der Dinge, doch was kommt danach?

Peugeot präsentierte seinen R5 schon im vergangenen September. Der neue 208 wird zur Jahresmitte einsetzbar sein. Eher später kommt der Citroën DS3. Früher scherte man sich bei den amtierenden Marken-Weltmeistern einen feuchten Kehricht um Kundensport, doch seit Citroën wie die PSA-Konzernschwester Peugeot in der Absatzkrise stecken, müssen sich die Sportabteilungen zum Profit-Center wandeln.
 
Entgegen der sonst verbissen gepflegten Markenrivalität versucht man Kosten zu sparen und bei beiden R5 viele Gleichteile zu verwenden. Das gilt auch für die humanen Ressourcen. Der verantwortliche Citroën-Konstrukteur Alex Avril ist neuerdings Technik-Chef bei Peugeot.

WRC-Werksteam mit Kundensport finanzieren

Geld verdienen muss M-Sport. Nach dem Verlust des Ford-Werksauftrags will die Mannschaft vom Lake District ihr WRC-Werksteam vor allem mit Kundensport am Leben halten. Das Rückgrat des Budgets bildet neben Sponsorengeldern der Verkauf von hochpreisigen Allradern. Schon ab Frühjahr soll der R5-Fiesta zu haben sein. Malcolm Wilson will den Vorteil nutzen und als Erster in den Verkauf gehen. Als Preis hat er 240.000 Pfund angepeilt, umgerechnet auch schon wieder 300.000 Euro.
 
Zusätzlich bietet er wie Citroën unter der Bezeichnung Regional Rally Car (RRC) eine abgerüstete WRC-Version für die EM und für die arabischen Sponsoren mit ihren Protegées Nasser al Attiyah (Katar) und Khalid al Kassimi (Abu Dhabi) für die Meisterschaft des Mittleren Ostens an. RRC ist kein von der FIA lancierter Begriff. Die Autos sind offiziell Super-2000-Autos mit 1,6-Liter-Turbos. So setzt Prodrive 2013 dank Sponsor Mentos und russischen Paydrivern zwei Mini Countryman ein, die einfach abgerüstete WRC mit kleinerem Restriktor und kleineren Spoilern sind. Von denen sind sehr viele im Umlauf. Und die gleiche FIA, die teure World Rally Cars nur in der WM sehen wollte, erlaubt so jetzt deren Start in allen Championaten.

Die RRC killen die S 2000

M-Sports Technik-Chef Christian Loriaux hat selbst den Ford-Kit entwickelt und macht sich Sorgen: „Die RRC killen die S 2000.“ Zwar sind diese mit bis zu 450.000 Euro nur unwesentlich preiswerter als ein WRC und haben auch nicht mehr Leistung, aber deutlich mehr Drehmoment. Ausgerechnet die ehemalige Apotheke Prodrive wirbt mit Dumpingpreisen. Ein Mini S 2000 soll angeblich nicht mehr kosten als ein Skoda Fabia S 2000.
 
Michal Hrabanek winkt ab: „Es kommt ja auch darauf an, wie viel Betreuung in dem Paket enthalten ist.“ Hrabanek würde gern einen R5 bauen. Dazu muss er aber bis mindestens 2014 warten, wenn der neue Fabia kommt. Bis dahin könnte ihm im schlimmsten Fall gar Volkswagen in die Quere kommen. Deren Importeure werden angesichts des WRC-Einstiegs der Konzernmutter laut nach einem auf dem Polo basierenden Sportgerät für ihre Landesmeisterschaften rufen.
 
Raimund Baumschlager hat eine enge Verbindung zu Skoda und würde gerne mit Mlada Boleslav weiterarbeiten. Mit seinem Fabia führt er schon wieder die österreichische Meisterschaft an. Bis die R5 in ERC oder WRC2 auftauchen und zuverlässig sind, könnte es noch für den einen oder anderen Titel reichen. Bisher hat er keinen Fabia verkauft. Auf der Website des BRR-Teams wird lediglich ein alter Mitsubishi angeboten.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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